US-Geldpolitik - Fed bleibt auf Straffungskurs - Bilanzabbau ab 2017 geplant

Die US-Notenbank Fed hat ihren Leitzins wie erwartet angehoben. Die Fed-Vorsitzende Janet Yellen hält an ihrem geldpolitischen Straffungskurs fest und warnte davor, die zuletzt abgeschwächte Inflation überzubewerten.
14.06.2017 22:35
Hält an ihrem geldpolitischen Straffungskurs fest: US-Notenbank-Chefin Janet Yellen.
Hält an ihrem geldpolitischen Straffungskurs fest: US-Notenbank-Chefin Janet Yellen.

Die Fed-Funds-Rate werde um 0,25 Prozentpunkte erhöht und liege künftig in einer Spanne zwischen 1,00 und 1,25 Prozent, teilten die Währungshüter am Mittwoch in Washington mit. Ökonomen und Finanzmärkte hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. Klare Hinweise auf den Zeitpunkt einer nächsten Anhebung gab es nicht - dafür aber auf den baldigen Beginn einer Reduzierung der billionenschweren Notenbankbilanz.

Es handelt sich um die vierte Anhebung seit der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise. Gegen die Entscheidung stimmte mit Neel Kashkari nur ein Mitglied im geldpolitischen Ausschuss (FOMC). Zuletzt hatte die Fed Mitte März den Leitzinssatz nach oben gesetzt.

Kein klarer Hinweis für nächste Anhebung

Klare Hinweise auf den Zeitpunkt ihrer nächsten Zinserhöhung gaben die Währungshüter nicht. Das Risiko allzu rascher Massnahmen sei zu vermeiden, sagte Yellen. In den kommenden Jahren seien weitere graduelle Zinserhöhungen angemessen.

Ihren angepeilten Straffungskurs liessen die Notenbanker weitgehend unverändert. Der geldpolitische Ausschuss FOMC erwartet für dieses Jahr im Mittel (Median) eine weitere Zinsanhebung, mit der heutigen also wie bislang avisiert insgesamt drei. Im Jahr 2018 dürften drei weitere Anhebungen folgen. Lediglich die Zinsprognose für Ende 2019 wurde leicht von 3,0 Prozent auf 2,9 Prozent gesenkt. "Mit dem sehr behutsamen Vorgehen will die Fed vermeiden, dass sie die US-Wirtschaft in ihrer Erholung unterbricht", kommentiert Martin Moryson, Chefökonom der Bank Sal. Oppenheim.

Abbau der Bilanz soll 2017 beginnen

Allerdings gab die Fed Hinweise zu einem künftigen Abbau der rund 4,5 Billionen Dollar schweren Bilanzsumme. Sofern sich die Wirtschaft wie erwartet entwickle, wolle man noch 2017 damit beginnen. "Offenbar nimmt die Notenbank die Gefahren von neuen Vermögenspreisblasen an Aktien- und Immobilienmärkten als Folge ihrer billionenschweren Wertpapierkäufe ernst", sagt Friedrich Heinemann, Ökonom beim Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW die Ankündigung.

Die Reduzierung werde voraussichtlich einige Jahre dauern, sagte Yellen. Man werde den Abbau jedoch beschränken. Bei Staatsanleihen will die Fed die Reduzierung anfangs bei 6 Milliarden Dollar monatlich deckeln und die Obergrenze dann über ein Jahr hinweg alle drei Monate um 6 Milliarden Dollar anheben, sodass die Grenze nach einem Jahr bei 30 Milliarden Dollar liegen wird. Bei den anderen Papieren - wie zum Beispiel mit Hypotheken besicherten Wertpapieren (MBS) - werde insgesamt mit einem monatlichen Höchstbetrag von 4 Milliarden Dollar begonnen, der dann binnen eines Jahres auf 20 Milliarden Dollar erhöht werden soll.

Inflationsprognose für 2017 gesenkt

Mit der Zinsanhebung reagiere man auf eine zuletzt positive Entwicklung der US-Wirtschaft, sagte Yellen. Der Exportsektor habe vom stärkeren Wachstum der Weltwirtschaft profitiert. Für dieses Jahr hat die Fed ihre Prognose für das US-Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent auf 2,2 Prozent leicht angehoben. Der längerfristige Wachstumsausblick bleibt dagegen unverändert. Zudem rechnen die Notenbanker in diesem und in den kommenden Jahren mit einer niedrigeren Arbeitslosigkeit als zuletzt. Das Lohnwachstum bleibe jedoch schwach, sagte Yellen.

Ihre Inflationsprognose senkten die Währungshüter für dieses Jahr von 1,9 auf 1,6 Prozent. Auf längere Sicht bleiben die Prognosen dagegen unverändert. Die Inflation war zuletzt entgegen den Erwartungen von Experten wieder unter 2 Prozent zurückgefallen. Man dürfe jedoch nicht mit Blick auf einzelne Inflationszahlen überreagieren, sagte Yellen.

Eurokurs gibt deutlich nach - Dow Jones auf Rekordhoch

Der Eurokurs reagierte während der Pressekonferenz deutlich, gab zuvor im Tagesverlauf gemachte deutliche Gewinne von fast 1 Prozent im Anschluss an schwache US-Inflationszahlen wieder vollständig ab und fiel unter 1,12 Dollar. Die Renditen zehnjähriger US-Staatspapiere legten zu, allerdings nicht so stark wie sie zuvor nach den Inflationszahlen zurückgegangen waren. Der wichtigste US-Aktienindex Dow Jones Industrial kletterte auf ein weiteres Rekordhoch von 21 392 Punkten.

(AWP)