US-Geldpolitik - Gespanntes Warten auf Fed-Signale für weiteren Kurs

Die US-Notenbank Fed wird nächste Woche Signale zum weiteren Zinskurs geben, denen die Märkte bereits entgegenfiebern.
15.03.2019 19:25
Befeuert mit ihrer Rede Spekulationen um eine mögliche Zinssenkung: Fed-Direktorin Lael Brainard.
Befeuert mit ihrer Rede Spekulationen um eine mögliche Zinssenkung: Fed-Direktorin Lael Brainard.
Bild: Bloomberg

"Spannend ist in diesem Zusammenhang, inwieweit die Fed am Mittwoch ihren bisherigen Ausblick von noch zwei Erhöhungen in diesem Jahr nach unten revidiert", meint DZ Bank-Ökonom Matthias Schupeta. Viele Händler haben sich darauf eingerichtet, dass die Fed ihr Pulver dieses Jahr trocken halten wird, nachdem die Währungshüter eine längere Zinspause signalisiert hatten. Am Markt wird angesichts unsicherer Konjunkturperspektiven sogar über mögliche Senkungen spekuliert.

Ob die Fed den geldpolitischen Schlüsselsatz über das derzeitige Niveau von 2,25 bis 2,5 Prozent hinaus noch weiter anhebt, hängt laut NordLB-Experte Bernd Krampen von mehreren Faktoren ab: "Sobald die kritischen Themen wie Handelskonflikt und Brexit halbwegs ordentlich gelöst worden sind und die Inflationsrate wieder anzieht, sollte man mit einer Zinsanhebung der Fed im weiteren Verlauf des Jahres wieder rechnen."

Spekulationen auf mögliche Zinssenkungen

Die Notenbank hatte den Leitzins im Dezember erhöht und danach mit Blick auf die unsicheren Konjunkturaussichten eine Zinspause eingelegt. US-Notenbankchef Jerome Powell bekräftigte jüngst seine abwartende Haltung in der Geldpolitik. Die einflussreiche Fed-Direktorin Lael Brainard befeuerte sogar Spekulationen auf mögliche Zinssenkungen: Manche Experten interpretierten ihre Rede so, dass sie den Boden für eine Wende der US-Geldpolitik bereiten wolle. Denn sie hatte ausführlich über Abwärtsrisiken für die US-Wirtschaft gesprochen, die die Fortschritte bei der Erreichung der Ziele der Fed gefährden könnten.

Fed-Beobachter Bernd Weidensteiner von der Commerzbank sieht allerdings keinen Handlungsbedarf für die Währungshüter, am geldpolitischen Schlüsselsatz zu rütteln: "Schliesslich befindet sich der Leitzins nach Einschätzung der Fed-Verantwortlichen am unteren Rand des neutralen Bereichs, also auf einem Niveau, auf dem die Geldpolitik die Wirtschaft weder anschiebt noch dämpft." Darum seien für dieses und nächstes Jahr auch keine Zinsänderungen zu erwarten, so Weidensteiner.

BayernLB-Ökonomin Charlotte Heck-Parsch rechnet jedoch damit, dass die Fed die Möglichkeit eines weiteren Zinsschritts im Juni "nicht vom Tisch nimmt". Die Währungshüter hatten nach vier Erhöhungen im vorigen Jahr in ihrem Ausblick im Dezember noch zwei weitere für 2019 in Aussicht gestellt. Am Mittwoch wird dieser im Fachjargon "Dot-Plot" genannte Zinsausblick der Währungshüter turnusmässig aktualisiert.

Wann endet der Bilanzabbau?

Die Fed soll Vollbeschäftigung und stabile Preise fördern. Das erste Ziel hat sie praktisch erreicht, auch wenn der Stellenaufbau zuletzt drastisch einbrach. Bei der Inflation achtet die Notenbank besonders auf Preisveränderungen bei persönlichen Konsumausgaben, bei denen Energie- und Nahrungsmittelkosten ausgeklammert werden. Hier lag die Steigerungsrate zuletzt bei 1,9 Prozent und damit nur leicht unter dem Fed-Ziel von 2 Prozent. Powell hat bereits signalisiert, dass die Notenbank diese Entwicklung sehr genau verfolgt. Falls es Bedarf für eine geldpolitische Straffung geben sollte, dann werde ein Anstieg der Inflation dabei "eine grosse Rolle" spielen.

Zugleich hat der Fed-Chef deutlich gemacht, dass die Notenbank den Abbau ihrer Bilanz dieses Jahr stoppen wird. "Die Marktakteure lauern nun auf Hinweise, wie der weitere Kurs bei der Normalisierung der Notenbankbilanz aussehen wird", so DZ-Experte Schupeta. Zwischenzeitlich war das Portfolio der Fed im Kampf gegen die zurückliegende Wirtschaftskrise durch Wertpapierkäufe auf rund 4,5 Billionen Dollar angewachsen. Mittlerweile wurde es wieder auf unter vier Billionen Dollar eingedampft.

(Reuters)