US-Grossbank gibt Widerstand auf und empfiehlt nun Aktien

Nach Monaten des Widerstands geben die Strategen von J.P. Morgan und raten der Anlagekundschaft zum Zukauf von Aktien. Die Bank befindet sich damit in guter Gesellschaft.
06.09.2016 08:31
Von Lorenz Burkhalter
Die Meinung von J.P. Morgan gilt gerade bei institutionellen Grosskunden viel.
Die Meinung von J.P. Morgan gilt gerade bei institutionellen Grosskunden viel.
Bild: cash

Über die Sommermonate hinweg waren die Anlagestrategen von J.P. Morgan alles andere als heiss auf Aktien. In Erwartung eines turbulenten Augustes rieten sie ihrer Kundschaft zu einer taktischen Untergewichtung dieser Anlageklasse und stattdessen auf Barmittel zu setzen.

In der neusten Ausgabe ihrer wöchentlich erscheinenden Publikation kapitulieren die Experten nun überraschend. Nachdem grössere Turbulenzen ausgeblieben sind, rechnen sie mit steigenden Kursnotierungen. Sie empfehlen deshalb einen Zukauf von Aktien zu Lasten von Barmitteln. In den Wertschriftenportfolios der mächtigen amerikanischen Investmentbank werden Aktien neuerdings nur noch leicht untergewichtet.

Auf Aktien aus den Schwellenländern setzen

Obwohl die Strategen von J.P. Morgan die Anleihen weiterhin deutlich untergewichten, lassen sie auch in diesen Bereich einen Teil der Barmittel fliessen. Sie glauben, dass die führenden Zentralbanken ihre Geldpolitik in den nächsten drei Wochen weiter lockern werden. Das wiederum dürfte den Anleihenkursen Auftrieb verleihen.

Wie schon in den vergangenen Wochen setzen die Experten bei den Aktien auf solche aus den Schwellenländern. Solange sich eine nächste Leitzinserhöhung durch die amerikanische Notenbank verzögert, rechnen sie sich in den aufstrebenden Regionen überdurchschnittlich gute Kurschancen aus. Insbesondere die Börse in Brasilien scheint es ihnen angetan zu haben.

J.P. Morgan in guter Gesellschaft

Vorsichtiger gibt man sich bei der amerikanischen Investmentbank für Aktien aus Europa. Das macht sich auch bei den Branchenpräferenzen bemerkbar. Favorisiert werden Aktien aus den Bereichen Gesundheit, Telekommunikation und Versorger. Die einzigen zum Kauf empfohlenen konjunkturabhängigen Aktien kommen aus dem Detailhandelssektor.

J.P. Morgan ist nicht die einzige Grossbank, welche nicht mehr ganz so negativ für Aktien ist. Keine zwei Wochen ist es her, dass schon Goldman Sachs die negative Haltung für Aktien relativierte. Die wohl mächtigste Bank der Welt hält zwar auf einen Anlagehorizont von 3 Monaten an der empfohlenen Untergewichtung für diese Anlageklasse fest und sieht den Stoxx Europe 600 Index in dieser Zeit zurückfallen.

Neuerdings schliessen sich eine mögliche Kaufpanik an den Börsen nicht aus. Deshalb legen die für Goldman Sachs tätigen Strategen ihrer Anlagekundschaft sogar den Kauf kurzfristiger Kauf-Optionen auf den EuroStoxx 50 Index und Umschichtungen in konjunkturabhängige Aktien und in die Finanzwerte nahe.