US-Hedgefonds drängt Samsung zu Frischzellenkur

Dem durch eine unsichere Erbfolge gelähmten Smartphone-Giganten Samsung Electronics winkt der Befreiungsschlag.
06.10.2016 13:41
Samsung sucht eine Nachfolgelösung.
Samsung sucht eine Nachfolgelösung.
Bild: Bloomberg

Südkoreas wichtigstes Unternehmen prüft Vorschläge eines Grossaktionärs, die zur erhofften Runderneuerung der Konzernstruktur führen könnten. Damit würden wichtige Weichen für die Zukunft des Apple -Rivalen gestellt. Der Anstoss kommt brisanterweise vom US-Hedgefonds Elliott Management, der im vergangenen Jahr noch einen erbitterten Machtkampf mit der Samsung-Führung verloren hatte. Die Investmentgesellschaft des Milliardärs Paul Singer ist für ihr aggressives Finanzgebaren - unter anderem auch in Deutschland - bekannt.

Elliott ist mit 0,62 Prozent an Samsung beteiligt. Der Fonds dringt nicht nur auf eine Sonderdividende von 27 Milliarden Dollar für die Aktionäre, sondern auch auf eine Aufspaltung des Konzerns. Demnach soll das operative Geschäft abgetrennt und an die New Yorker Technologiebörse Nasdaq gebracht werden. Daneben soll eine Holdinggesellschaft entstehen. Ziel sei es, die Eigentümerverhältnisse zu vereinfachen.

Elliott argumentiert, dies sei auch im Sinne der Gründerfamilie, die zuletzt 4,9 Prozent am weltgrössten Smartphone-Hersteller hielt. Dies sehen auch Analysten so. Die Pläne von Elliott kämen für Samsung genau zu rechten Zeit, so Ahn Sang Hee vom Wirtschaftsforschungsinstitut Daishin. Euphorie herrschte am Donnerstag auch am Aktienmarkt. Der Samsung-Kurs schoss auf ein Rekordhoch, nachdem zuletzt der Massenrückruf für das brandneue Smartphone-Aushängeschild Galaxy Note 7 für Ernüchterung gesorgt hatte. Das Management kündigte an, Elliotts Pläne sorgfältig zu prüfen.

Zukunft in der Schwebe

Das Technologieunternehmen ist mit einem Börsenwert von etwa 230 Milliarden Dollar das Kronjuwel der Samsung-Gruppe. Deren Zukunft hängt in der Schwebe, weil der mittlerweile 74-jährige Konzernpatriarch Lee Kun Hee, ein Sohn des Firmengründers, seit Mai 2014 durch einen Herzinfarkt ausser Gefecht gesetzt ist. Die Nachfolgefrage ist bislang nicht geklärt. Lees drei Kinder halten sich dazu bedeckt, wie sie die Kontrolle über das Flaggschiff Samsung Electronics ausüben werden. Experten zufolge könnte ihnen eine ähnliche Lösung vorschweben, wie Elliott sie nun ins Gespräch gebracht hat. Auch die Miteigner Henderson Global Investors und APG Asselt Management begrüssten den Vorstoss von Elliott.

2015 hatte sich der US-Fonds noch gegen eine Fusion von zwei Ablegern der Samsung-Gruppe gestemmt. Doch das Vorhaben wurde nach scharfen Auseinandersetzungen umgesetzt. Es war für die Eignerfamilie ein Baustein der Nachfolgeregelung.

Elliott steigt immer wieder bei Übernahmeobjekten ein, um den Preis nach oben zu treiben oder den Verkauf zu torpedieren - häufig mit Erfolg. Derzeit kommt er etwa dem US-Mischkonzern GE in die Quere bei dessen Versuch, den Lübecker 3D-Druck-Spezialisten SLM Solutions zu kaufen.

Samsung leidet aktuell unter grossen Problemen mit dem neuen Modell Note 7. Mindestens 2,5 Millionen Geräte wurden schon zurückgerufen, nachdem in einigen Fällen Akkus in Brand geraten waren. Nun droht nach einem weiteren Vorfall zusätzliches Ungemach. In den USA wurde ein startbereites Passagierflugzeug geräumt, weil ein Note 7 Rauch ausstiess. Die Frau des Besitzers gab an, es habe sich um ein bereits ausgetauschtes Gerät gehandelt. Eine neue Gewinnprognose des Unternehmens wird für diesen Freitag erwartet.

(Reuters)