US-Investmentbanken sind in Asien auf dem Rückzug

Selbst die üppige Einkaufstour chinesischer Unternehmen reicht nicht aus: Die Investmentbanken stehen unter Druck, die Kosten in Asien zu senken.
02.10.2016 07:05
Goldman Sachs Hauptsitz in New York.
Goldman Sachs Hauptsitz in New York.
Bild: Bloomberg

Zuletzt stehen Goldman Sachs und Bank of America vor einem teils umfangreichen Stellenabbau. Bank of America hat vor, in Asien rund ein Dutzend Führungspositionen im Bereich Unternehmensfinanzierung und Investmentbanking zu streichen, wie von Personen zu erfahren war, die mit den Vorgängen vertraut sind. Es ist demnach bereits das zweite Mal in diesem Jahr, dass die Bank Jobs in der Region kürzt. Goldman Sachs plant dem Vernehmen nach noch stärkere Einschnitte - fast ein Viertel der Stellen bei der Investmentbank in Asien (ohne Japan) sollen dieses Jahr noch wegfallen.

Die Gründe für den teilweisen Rückzug sind Sorgen über die Aussichten für die chinesische Wirtschaft und der schrittweise Übergang von China-Geschäft auf Investmentbanken vom chinesischen Festland, wie Andre Spicer, Professor an der Cass Business School der City University in London, erläutert.

"Globale Investmentbanken könnten angesichts dessen, was einige als aufziehenden Sturm in der Region bezeichnen, die Schotten dicht machen", sagt Spicer mit Bezug auf das hohe Fremdkapitalniveau in der chinesischen Wirtschaft. "Wenn die amerikanischen Banken jetzt Terrain aufgeben, gibt das regionalen Wettbewerbern wahrscheinlich weiteren Spielraum, ihre Dominanz im asiatischen Markt zu konsolidieren".

Die Entlassungen bei Bank of America, mit Hauptsitz in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina, umfassen nach Angaben einer der informierten Personen Managing Directors und Directors und werden über die Region verteilt sein.

Goldman Einschnitte

Goldman Sachs hat vor, später im Jahr rund 75 Jobs in Asien zu streichen, wie in der vergangenen Woche von einer Person verlautete, die mit den Vorgängen vertraut ist. Die Investmentbank aus New York liegt in diesem Jahr in der Asien-Rangliste der Begleiter von Aktienemissionen auf ihrem schlechtesten Platz seit 2008.

"Die allgemeine Eigenkapitalrendite in dem Markt bleibt schwierig", sagt Paul Tan, Leiter Region Asien-Pazifik bei dem Berater Greenwich Associates. Mitteilungen über die Einschnitte bei Goldman Sachs und Bank of America würden deutlich machen, dass Banken gezwungen seien, bei ihren Asien-Strategien "selektiv und gewinndiszipliniert" vorzugehen.

Das Geschäft in Südostasien war schwach, und chinesische Investmentbanken preschen vor in Bereichen wie Börseneinführungen und Anleihekonsortialgeschäft, was die globalen Investmentbanken zwingt, die Kosten zu reduzieren.

Ein Lichtblick ist die Zunahme von Akquisitionen chinesischer Unternehmen im Ausland. In diesem Jahr haben sie dafür bislang 178,7 Mrd. Dollar ausgegeben, im Vergleich zu 60 Mrd. Dollar im Vorjahreszeitraum, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht. Aber ein Grossteil des lukrativen Geschäfts geht an Investmentbanken auf dem chinesischen Festland - sie kassierten 26 Prozent der Gebühren und Provisionen für grenzüberschreitende Fusionen- und Akquisitionen in den ersten sieben Monaten dieses Jahres. Im vergangen Jahr konnte sie sich erst 22 Prozent vom Gebührenkuchen sichern und 2014 waren es 14 Prozent, zeigen Daten der Research-Firma Freeman & Co.

Zwangsurlaub für Investmentbanker

Ein weiteres Beispiel für die schwierigen Bedingungen in den asiatischen Märkten ist CLSA. Die Investmentbank hat ihre 1500 Mitarbeiter im Broker- und Investmentbankengeschäft gebeten, fünf oder zehn Tage unbezahlten Urlaub zu nehmen. Mit der Massnahme sollen Kosten eingespart werden, erläutert Simone Wheeler, eine Sprecherin der Investmentbank in Hongkong.

"Stellenabbau im Bereich von Führungspositionen im Investmentbanking ist ein klares Zeichen, dass die globalen Banken die längerfristigen Wachstumschancen in einem Markt in Frage stellen, der sich beträchtlich abgeschwächt hat", sagt Mark William, Dozent für Finanzen an der Boston University und früherer Bankenprüfer bei der Federal Reserve Bank of New York.

(Bloomberg)