US-Konjunktur - Aufschwung am Arbeitsmarkt der USA verliert an Stärke

Der Boom am US-Arbeitsmarkt ist im März deutlich abgeebbt: Private Unternehmen und der Staat haben insgesamt nur 98'000 Stellen geschaffen, wie das Arbeitsministerium am Freitag mitteilte.
07.04.2017 15:35
Im März gabs enttäuschend wenige neue Jobs in den USA.
Im März gabs enttäuschend wenige neue Jobs in den USA.
Bild: Bloomberg

Von Reuters befragte Experten hatten 180'000 auf dem Zettel. Allerdings sank die separat ermittelte Erwerbslosenquote um 0,2 Punkte auf 4,5 Prozent, womit Vollbeschäftigung herrscht. Angesichts der rund laufenden Konjunktur hat die Notenbank (Fed) Mitte März den Leitzins auf das neue Niveau von 0,75 bis 1,00 Prozent angehoben. Für Juni rechnen Experten mit dem nächsten Schritt nach oben.

Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank spricht von einem "mageren" Jobaufbau: "Die US-Wirtschaft kann eben auch keine Wunder vollbringen." Doch im März spielte auch das Wetter eine gewichtige Rolle: Zu Jahresbeginn hatte die ungewöhnlich milde Witterung dafür gesorgt, dass auf Baustellen und in anderen Aussenberufen mehr Personal eingestellt werden konnte als im Winter üblich. Im März fielen jedoch die Temperaturen in den USA, und ein Sturm fegte über den Nordosten hinweg.

Ökonom Ulrich Wortberg von der Helaba bescheinigt dem Jobmarkt unabhängig von solchen saisonalen Schwankungen eine solide Verfassung: "Die Arbeitslosenquote liegt den elften Monat in Folge unterhalb von 5 Prozent. Jetzt wurde zudem der niedrigste Stand seit knapp zehn Jahren erreicht."

Steigende Stundenlöhne

Dass die Stellenzahl im März nur relativ gering stieg und zugleich die Arbeitslosenquote sank, erscheint auf den ersten Blick paradox. Doch die Basis bilden zwei unterschiedliche Datensätze: eine Arbeitgeberumfrage, aus der Jobzahlen gewonnen werden, und eine Haushaltsumfrage, aus der die Arbeitslosenquote berechnet wird.

Die Notenbank, die Vollbeschäftigung und stabile Preise fördern soll, kann damit das erste Ziel abhaken. Bei der Inflation ist sie jedoch noch nicht soweit: Die Teuerung lag zuletzt mit 1,8 Prozent noch unter ihrem Zielwert von 2,0 Prozent. Die Währungshüter blicken daher mit besonderem Interesse auf die Entwicklung der Stundenlöhne: Sie legten im März wie von Experten erwartet zum Vormonat um 0,2 Prozent zu. Die Fed will erreichen, dass sich der Aufschwung im Geldbeutel der Bürger bemerkbar macht und so die noch immer unerwünscht niedrige Inflation anheizt.

(Reuters)