US-Notenbanker uneins über künftige Zinsschritte

Innerhalb der US-Notenbank Fed gibt es nach wie vor keine einheitliche Linie bei der künftigen Ausrichtung der Geldpolitik. Am Mittwoch haben sich zwei führende US-Notenbanker geäussert.
31.08.2016 12:15
«Taube» im geldpolitischen Rat der Fed: Charles Evans, Präsident der Fed von Chicago.
«Taube» im geldpolitischen Rat der Fed: Charles Evans, Präsident der Fed von Chicago.
Bild: ZVG

Dabei sind deutliche Differenzen über die Auswirkungen der Niedrigzinspolitik zu Tage getreten. Nach Einschätzung des Präsidenten der regionalen Notenbank von Chicago, Charles Evans, könnte der Leitzins in den USA noch gefahrlos eine lange Zeit auf einem niedrigen Niveau verharren. An den Finanzmärkten sei die Erwartung weiter niedriger Zinsen stark verankert. Daher stelle eine Verzögerung bei der Fortsetzung der Zinswende kein Risiko für die Finanzmarktstabilität dar, versicherte Evans am Mittwoch laut Redetext auf einer Konferenz in Peking. Evans ist Verfechter eine eher lockeren Geldpolitik, gilt also als "Taube" im geldpolitischen Rat der Fed.

Auf der gleichen Konferenz vertrat hingegen der Präsident der regionalen Notenbank von Boston, Eric Rosengren, eine andere Einschätzung. Er warnte vor den Folgen einer zu langen Phase mit extrem niedrigen Zinsen. Wenn die Zinsen wieder stiegen, könnte es zu einem deutlichen Rückgang der Immobilienpreise kommen. Sollte dieser Verfall der Hauspreise zeitgleich mit einem konjunkturellen Abschwung eintreten, könnte eine mögliche Rezession stärker ausfallen, warnte Rosengren. Wenn die Fed den Leitzins schneller normalisieren würde, wäre dieser Effekt nicht so gravierend.

Zuletzt wurde bei der Veröffentlichung des Protokolls der jüngsten Zinssitzung die fehlende Einigkeit amerikanischer Notenbanker in der Frage einer baldigen Fortsetzung der Zinswende deutlich. Nach wie vor gebe es unterschiedliche Einschätzungen über die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und bei der Entwicklung der Verbraucherpreise, hiess es in der Mitschrift.

Die nächste Zinsentscheidung der Fed steht am 21. September auf dem Programm. Während sich zuletzt die Hinweise auf eine weitere Zinserhöhung nach Einschätzung von Experten wieder verstärkt haben, wird die Wahrscheinlichkeit für einen baldigen Zinsschritt im September am Markt als eher gering eingeschätzt.

(AWP)