US-Präsident macht Geldpolitik - Trump schickt Dollar und Marktzinsen auf Talfahrt

Neue Äusserungen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump haben den Dollar erheblich unter Druck gesetzt und den Zinsen an den internationalen Kapitalmärkten einen Dämpfer versetzt.
13.04.2017 11:15
Der aktuelle US-Präsident wünscht sich aktuell - wahrscheinlich im Gegensatz zum ehemaligen Präsidenten Georges Washington (von 1789 bis 1797) auf der 1-Dollar-Note - einen schwachen Dollar.
Der aktuelle US-Präsident wünscht sich aktuell - wahrscheinlich im Gegensatz zum ehemaligen Präsidenten Georges Washington (von 1789 bis 1797) auf der 1-Dollar-Note - einen schwachen Dollar.
Bild: Bloomberg

Nach Bekanntwerden eines Interview Trumps mit der US-Zeitung "Wall Street Journal" am späten Mittwochabend sackte der Dollar zu vielen wichtigen Währungen spürbar ab. Der Euro legte dagegen um knapp 1 Cent auf bis zu 1,0678 Dollar zu. Die Renditen am US-Kapitalmarkt gingen zurück.

Trump hatte der Zeitung gesagt, der Dollar drohe zu stark und zu einer Belastung zu werden. Ähnliche Äusserungen hatte er bereits schon einmal gemacht, sie sind dennoch ein klares Zeichen, dass die neue US-Regierung keinen zu starken Dollar wünscht. Denn dieser verschlechtert einerseits die Wettbewerbsposition amerikanischer Unternehmen im Ausland und droht andererseits, den chronischen Importüberschuss der USA weiter wachsen zu lassen. Letzterer ist Trump ein Dorn im Auge, weil ein Handelsdefizit aus seiner Sicht stets zu Lasten heimischer Unternehmen geht.

Renditen von Staatanleihen weltweit unter Druck

Nach den Äusserungen Trumps rutschte der Dollar-Index, der die US-Währung ins Verhältnis zu einer Reihe anderer wichtiger Währungen setzt, deutlich ab. Am US-Anleihemarkt gerieten die Renditen von Staatsanleihen unter Druck. Diese Entwicklung übertrug sich am Donnerstag auf die Rentenmärkte Asiens und Europas. Zusätzlicher Renditedruck resultierte aus dem hohen Sicherheitsstreben der Anleger infolge zahlreicher politischer Risiken. Genannt wurden vor allem die Spannungen zwischen den USA und Nordkorea einerseits sowie zwischen den USA und Russland wegen der Syrien-Frage andererseits.

Trump stellte sich darüber hinaus - und im Gegensatz zu früheren Äusserungen - als Anhänger einer lockeren Geldpolitik mit Niedrigzinsen dar. Eine weitere Amtszeit der gegenwärtigen Notenbankchefin Janet Yellen schloss Trump nicht explizit aus, obwohl er Yellen früher mehrfach persönlich angegriffen hatte. China wiederum wolle er nicht mehr als Wechselkursmanipulator bezeichnen, obwohl die Behauptung, China schwäche gezielt seine Währung zur Erlangung von Vorteilen im Aussenhandel, einer der populärsten Punkte seines Wahlprogramms war.

«Meister im wechseln von Positionen»

"Der US-Präsident hat mit seinem Interview einmal mehr bewiesen, dass er Meister im Wechseln von Positionen ist", heisst es in einem Kommentar der Essener National-Bank. Die Grossbank Unicredit wies darauf hin, dass das Ziel Trumps, einst verlorene Industrie-Jobs in die USA zurückholen, unvereinbar sei mit der bisherigen Regierungslinie eines starken Dollar. Vieles deute darauf hin, dass die neue US-Regierung einen schwächeren Dollar bevorzuge, um die Exportindustrie zu unterstützen und das Handelsdefizit zu verringern.

(AWP)