US-Präsidentenwahl bremst Schweizer Börse aus

Wenige Tage vor den US-Präsidentenwahlen haben sich die Anleger am Donnerstag an der Schweizer Börse zurückgehalten. Sie befürchten, dass der Republikaner Donald Trump doch noch das Rennen gewinnen könnte.
03.11.2016 17:45
Auch am Donnerstag kein Vorwärtskommen an der Schweizer Börse.
Auch am Donnerstag kein Vorwärtskommen an der Schweizer Börse.
Bild: cash

Der wegen seiner Unberechenbarkeit als Börsenschreck geltende Trump machte laut Umfragen Boden gut. Seine Kontrahentin Hillary Clinton gilt dagegen als Garantin für Kontinuität. Der SMI sinkt bis Börsenschluss um 0,8 Prozent auf 7641 Zähler. Das Börsenbarometer setzt damit den seit rund zwei Wochen dauernden Abwärtstrend fort und steht auf dem tiefsten Stand seit über vier Monaten.

Damit nähere sich der Leitindex der als wichtig geltenden charttechnischen Unterstützungszone um 7600 Punkte an. "Hier sollten wir spätestens drehen, sonst droht ein Test des Jahrestiefs bei 7425 Zählern, auf das wir im Februar gefallen sind", sagt ein Händler.

Für Zurückhaltung bei den Anlegern sorgt auch der am Freitag erwartete US-Arbeitsmarktbericht. Davon erhoffen sich die Anleger Hinweise, ob die US-Notenbank im Dezember die Zinsen anhebt. Am Mittwoch hatte sie wie erwartet darauf verzichtet.

Anleger mit Credit-Suisse-Zahlen nicht zufrieden

Getrübt wurde die Marktstimmung durch den Quartalsbericht der Credit Suisse, deren Aktie bei grossen Umsätzen um 7,1 Prozent einbricht. Der laufende Konzernumbau und sinkende Erträge brockten der Grossbank im dritten Quartal einen Gewinneinbruch ein. Negativ sei insbesondere, dass das eigentliche Bankgeschäft nicht laufe, sagte ein Händler. "Im Privatebanking, woher die Erträge kommen sollen, sind die Margen rückläufig. Und der Gewinn ist besser als erwartet wegen eines Immobilienverkaufs. Das enttäuscht die Anleger", sagt der Händler. Andere Marktteilnehmer erklärten die Kursabschläge auch mit den Unsicherheiten im Zusammenhang mit den offenen Rechtsfällen. "Vor allem möglicherweise noch ins Haus stehende US-Bussen vergraulen die Anleger." Zudem kam es auch zu Gewinnmitnahmen, nachdem sich der Kurs in den vergangenen Wochen erholt habe, sagt ein anderer Händler.

Die Anteile von Rivalin UBS sinken um 1 Prozent. Der Vermögensverwalter Julius Bär legt dagegen leicht zu. Die Ergebnisse der Luzerner Kantonalbank und der Regionalbank Valiant wurden an der Börse mit steigenden Kursen quittiert.

Fester tendierten auch die Versicherungspapiere. Swiss Re steigen um 0,8 Prozent. Der Rückversicherer hat im dritten Quartal unter anderem wegen Zahlungen etwa für Schäden in der Landwirtschaft in Europa weniger verdient, schnitt jedoch deutlich besser ab, als von Analysten erwartet. Zudem will der Konzern ab 4. November durch den Erwerb eigener Titel bis zu eine Milliarde Franken an die Aktionäre zurückgeben.

Die Swisscom-Aktien sind knapp gehalten. Der Telekomkonzern hat seinen Gewinn dank einer Zahlung von Telecom Italia in einem Rechtsstreit gesteigert und hält an seiner Prognose fest.

Schwergewichte sind keine Stütze

Unter Druck standen die als krisensicher geltenden Schwergewichte. Novartis und Roche sinken um 0,7 Prozent. Roche hat mit dem in der Entwicklung steckenden Hämophilie-Medikament ACE910 einen Rückschlag erlitten. In einer klinischen Studie kam es bei vier Patienten zu ernsthaften Nebenwirkungen wie Thrombosen oder Blutklümpchen. Die Vorkommnisse überschatten die Aussichten für die potenzielle Milliarden-Arznei, erklärten Händler.

Die Anteile von Nestlé sinken bei relativ grossen ausserbörslichen Umsätzen um 1 Prozent. Ein Händler sagt, ein ausländischer Broker habe zwei Millionen Aktien verkauft.

Die Aktien des Luxusgüterherstellers Richemont legen 0,7 Prozent zu. Richemont wird am Freitag den Halbjahresbericht veröffentlichen. Der Genfer Konzern hatte vor rund einem Monat bereits vor einem Gewinneinbruch gewarnt. "Die Anleger dürften sich daher mehr dafür interessieren, wie der Oktober gelaufen ist und wie die weiteren Aussichten eingeschätzt werden", sagt ein Händler.

Am breiten Markt stechen Dufry mit einem Kursplus von 6,8 Prozent hervor. Der Reisedetailhändler ist erstmals seit mehreren Quartalen wieder organisch gewachsen. Ein guter Geschäftsbericht schob auch die Aktien von Ypsomed an. Auch bei Ascom griffen die Anleger zu, nachdem die Technologiefirma die Mittelfristziele angehoben hatte. Die Aktie gewinnt 7 Prozent.

(Reuters)