US-Süsswarengeschäft - Verkaufsverhandlungen bei Nestlé weit fortgeschritten

Seit Monaten verhandelt Nestlé mit Käufern für das US-Süsswarengeschäft. Einem Pressebericht zufolge steht eine Einigung mit Nutella-Hersteller Ferrero unmittelbar bevor. Der Kurs der Nestlé-Aktie steigt.
22.12.2017 11:06
Von Lorenz Burkhalter
Nutella ist das bekannteste Produkt von Ferrero. Kommen die Italiener nun bei Nestlé zum Zug?
Nutella ist das bekannteste Produkt von Ferrero. Kommen die Italiener nun bei Nestlé zum Zug?
Bild: pixabay.com

Zum Weihnachtsfest gehören auch Süssigkeiten. Das hat Tradition. Dennoch will sich Nestlé vom US-Süsswarengeschäft trennen. Das kündigte der Nahrungsmittelmulti bereits Mitte Juni an und stellte diesbezüglich bis Ende März nächsten Jahres Neuigkeiten in Aussicht.

Wie die New York Post schreibt, sind die Verkaufsverhandlungen allerdings bereits weit fortgeschritten. Aus dem Artikel geht hervor, dass das Geschäft mit Schokoriegeln für bis zu 2 Milliarden Dollar an den italienischen Nutella-Hersteller Ferrero gehen könnte.

US-Rivale Hershey scheidet als Käufer aus

Unklar ist, ob Ferrero bloss um Teile, sprich um Schokoriegelmarken wie Crunch, Butterfinger oder Kit Kat, oder um das gesamte US-Süsswarengeschäft buhlt. Der Wert sämtlicher zum Verkauf stehender Geschäftsaktivitäten wird in Expertenkreisen auf 1,5 bis 2 Milliarden Dollar geschätzt. Das entspräche in etwa dem zweifachen Jahresumsatz.

Auch dem US-Rivalen Hershey wurde bis zuletzt ein Interesse an den zum Verkauf stehenden Geschäftsaktivitäten nachgesagt. Nach der Übernahme von Skinny Pop Popcorn für 1,6 Milliarden Dollar sei Hershey aus dem Bieterrennen ausgestiegen, so berichtet die New York Post.

Noch im Rennen sind neben Ferrero angeblich einige Finanzinvestoren. Namen nennt die New York Post im Artikel jedoch nicht.

Erst kürzlich hatte Ferrero für 1,25 Milliarden Dollar den US-Süsswarenhersteller Ferrara Candy übernommen. Experten sehen darin einen ersten Schritt, um danach die Nestlé-Aktivitäten einzuverleiben.

Zieht sich Nestlé ganz aus dem Süssigkeitengeschäft zurück?

Nach wachstumsreichen Jahren gilt das Geschäft mit Süsswaren in den USA zunehmend als ein hartes Pflaster. Der Trend in Richtung einer gesünderen Ernährung scheint in Übersee angekommen, die Nachfrage nach kalorienreichen Süssigkeiten geht zurück. Das bekam in den letzten Monaten auch Lindt&Sprüngli zu spüren. Anlässlich der Halbjahresergebnispräsentation von Ende Juli sah sich das Traditionsunternehmen gar zu einer Senkung der diesjährigen Wachstumsvorgaben gezwungen.

Deshalb stehen bei Nestlé Forderungen aus dem Aktionariat im Raum, wonach sich der Nahrungsmittelmulti ganz aus dem Süsswarengeschäft zurückziehen und mit dem Verkaufserlös zukunftsträchtigere Produktbereiche forcieren soll.

Alleine schon der Bericht der New York Post über angebliche Fortschritte beim Verkauf des US-Süsswarengeschäfts verhilft der Nestlé-Aktie am Freitag an der Schweizer Börse SIX zu einer Kursavance von 0,6 Prozent auf 84 Franken. Die Tageshöchstkurse liegen gar bei 84,25 Franken. Seit Jahresbeginn errechnet sich ein Plus von 14 Prozent.