US-Wahl-Hickhack belastet Schweizer Börse

Die Schweizer Börse hat am Montag belastet von neuen Ermittlungen gegen die US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton in der E-Mail-Affäre den Abwärtstrend der vergangenen Tage fortgesetzt.
31.10.2016 17:40
Die Affäre um ihren privaten Mailserver wirft Hillary Clinton im Rennen ums US-Präsidentenamt zurück und stürzt auch die Schweizer Anleger in Zweifel.
Die Affäre um ihren privaten Mailserver wirft Hillary Clinton im Rennen ums US-Präsidentenamt zurück und stürzt auch die Schweizer Anleger in Zweifel.
Bild: Bloomberg

"Der Markt befürchtet, dass die neue Untersuchung das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen ändern könnte", schreibt die Grossbank Credit Suisse in ihrem täglichen Kommentar "Investment Daily". Damit könnte das Rennen wieder so offen sein wie lange nicht mehr, sagen Händler. Clintons republikanischer Herausforderer Donald Trump gilt wegen seiner Unberechenbarkeit als Investorenschreck.

Der SMI notiert zum Handelsschluss mit 7828 Punkten um 1 Prozent tiefer und damit auf einem Vier-Monate-Tief. Seit dem Beginn der Abwärtsbewegung vor rund zehn Tagen hat der Leitindex über 3 Prozent eingebüsst. Auch wegen des sinkenden Ölpreises und den zahlreichen im Laufe der Woche erwarteten Konjunktur- und Firmenzahlen hielten sich die Anleger bedeckt.

Ob sich die Kurse in den kommenden Tagen noch deutlich erholen, sei ungewiss. "So kurz vor den Wahlen und dem am Mittwoch anstehenden Zinsbeschluss der US-Notenbank dürften die Anleger keine neuen Risiken eingehen", sagt ein Händler.

SMI fällt unter wichtige Unterstützung

Zudem sei der SMI nun auf eine wichtige Schwelle gesunken. Üblicherweise hätten wir um 7900 wieder nach oben gedreht. Nun könnte der SMI aus dem Seitwärtskanal zwischen 7900 und 8300 Punkten nach unten hinausgefallen sein, sagt ein Händler. Die ZKB ortete bei 7880 Punkten eine wichtige Unterstützung.

Dass die Fed am Mittwoch die Zinsschraube anzieht, erwarten Analysten mehrheitlich nicht. Die zweitägige Offenmarktausschusssitzung beginnt am Dienstag.

Die Standardwerte notieren überwiegend schwächer. Die stärksten Abschläge verzeichneten mit bis zu 2 Prozent die Aktien von Swatch und Richemont sowie die Grossbanken Credit Suisse und UBS.

Die Anteile der Luxusgüterhersteller und der Credit Suisse stünden vor der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen und nach der Erholung der vergangenen Woche unter Druck. CS informiert am Donnerstag und der Genfer Konzern am Freitag.

Sika-Aktie schiesst nach Gerichtsurteil nach oben

Gefragt waren die Aktien von Sika: Sie schiessen 12 Prozent auf 4756 Franken hoch. Vorübergehend erreichten sie bei 4932 Franken ein Rekordhoch. Der Bauchemiekonzern hat im Abwehrkampf gegen die französische Saint-Gobain einen möglicherweise entscheidenden Rechtsstreit gewonnen. Das Kantonsgericht Zug entschied am Freitag, dass die von Sika gegen den grössten Aktionär verhängte Stimmrechtsbeschränkung rechtens war. Mit der Beschränkung will Sika verhindern, dass die Familie Burkard ihre Kontrollmehrheit an den französischen Baustoffriesen verkaufen kann. Die Familie will den Entscheid des Kantonsgerichts eigenen Angaben zufolge beim Obergericht Zug anfechten.

Lafarge-Holcim fallen um 0,4 Prozent. Der Zementkonzern will am Freitag den Quartalsabschluss vorlegen.

Während zyklische Titel insgesamt eher nachgaben, konnten sich die Anteile der Versicherungen gut behaupten. Swiss Life gewinnen Terrain, Zurich geben nur leicht nach. Swiss Re verlieren vor dem Quartalsbericht am Donnerstag 1 Prozent.

VAT nach guten Zahlen gesucht

Die als krisensicher geltenden Index-Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche schlossen sich dem Kursrückgang an. Die Verluste belaufen sich auf 1 und mehr Prozent. Actelion geben um 0,1 Prozent nach. Der Biotechtitel steht seit der Vorlage des Zwischenberichts vor rund zehn Tagen unter Druck.

Am breiten Markt stechen die Titel von VAT mit einem Kursplus von 3,9 Prozent heraus. Der Hersteller von Vakuumventilen hat nach einem Umsatzsprung im dritten Quartal um 17 Prozent die Umsatzjahresprognose angehoben.

Der Einstieg des als aktivistisch geltenden Investors Veraison sorgt bei Calida für Fantasie. Die Titel des Wäscheherstellers steigen um 3,9 Prozent. Die Anteile von Panalpina büssen 3 Prozent ein. Die Deutsche Bank stufte den Logistikwert auf "Sell" von "Hold" zurück. Die Aktien der Schweizerischen Nationalbank (SNB) steigen um 1,7 Prozent. Die SNB hat in den ersten neun Monaten einen Gewinn von 28,7 Milliarden Franken verbucht.

(Reuters)