US-Wirtschaft brummt - Zinserhöhung rückt näher

Die US-Wirtschaft kommt immer besser in Schwung und zeigt sich damit gut gerüstet für eine baldige Zinserhöhung.
28.10.2016 16:40
Nebst den Konsumenten hat vor allem der Export die US-Wirtschaft angekurbelt (im Bild Container im Hafen von Savannah, Georgia).
Nebst den Konsumenten hat vor allem der Export die US-Wirtschaft angekurbelt (im Bild Container im Hafen von Savannah, Georgia).
Bild: Bloomberg

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Juli bis September auf das Jahr hochgerechnet unerwartet deutlich um 2,9 Prozent zu, wie das Handelsministerium am Freitag mitteilte. Dies ist das dickste Plus seit zwei Jahren und zugleich ein mehr als doppelt so hohes Wachstumstempo wie im Frühjahr. Kauffreudige Konsumenten erwiesen sich erneut als Stütze der Wirtschaft, zu deren Leistung sie den Löwenanteil beitragen. Zweiter Eckpfeiler des Wachstums war die Exportbranche, die um 10 Prozent zulegte.

Verkaufsschlager Sojabohnen

Als Verkaufsschlager erwiesen sich dabei amerikanische Sojabohnen. "Trotz des relativ starken Dollar schafft die US-Wirtschaft eine ausserordentliche Ausfuhrleistung", sagt der Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel. Auch der Staat kurbelte das Wachstum an und gab 0,5 Prozent mehr aus. "Das dritte Quartal war überdurchschnittlich gut", so das Fazit von Christoph Balz von der Commerzbank. Dennoch zeichnet sich nach einer Prognose des Frankfurter Geldhauses für 2016 lediglich ein BIP-Wachstum von 1,5 Prozent ab. Dies liege aber hauptsächlich am mässigen Tempo im ersten Halbjahr.

Die Investoren zeigen sich von den unerwartet starken BIP-Zahlen des Sommers weitgehend unbeeindruckt: Die US-Börsen tendieren nur wenig verändert. Die US-Notenbank Fed hat mit ihrer lockeren Geldpolitik dafür gesorgt, dass die Wall Street in den vergangenen Jahren trotz mauer Konjunktur von Rekord zu Rekord eilen konnte. Nach einer Zinserhöhung im Dezember 2015 tastete sie den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken dieses Jahr noch nicht an. Er liegt in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent.

Fed nimmt Kurs auf Zinserhöhung

Bald dürfte die Fed einen Schritt nach oben wagen, wie Bankökonom Bernd Krampen von der NordLB prognostiziert: "Für die US-Notenbank sind die Ampeln nun auf Grün geschaltet - der Weg für eine weitere moderate Zinsanhebung ist geebnet." Die US-Währungshüter um Fed-Chefin Janet Yellen haben angesichts des Aufschwungs eine weitere Zinsanhebung ins Auge gefasst. Experten erwarten diese für Dezember. Denn die Fed-Sitzung Anfang November kommt wenige Tage vor den Präsidentschaftswahlen wohl zu früh.

Nur ein Wahlsieg von Donald Trump könne der Fed bei der ins Auge gefassten Erhöhung noch einen Strich durch die Rechnung machen, meint Gitzel. Der republikanische Präsidentschaftskandidat gilt als Investorenschreck. Die von dem Globalisierungsgegner propagierte Wirtschaftspolitik könnte das Wachstum nach Ansicht von Experten dämpfen. Trump liegt in Umfragen jedoch hinter seiner demokratischen Rivalin Hillary Clinton.

(Reuters)