US-Zinserhöhung erst im Dezember?

Die US-Notenbank wird ihre Leitzinsen im September erhöhen, so lautet der Tenor an den Märkten. Nur die mächtige US-Grossbank Goldman Sachs tanzt diesbezüglich aus der Reihe.
19.06.2015 09:56
Von Lorenz Burkhalter
Erst diese Woche trafen sich die Vertreter der US-Notenbank in Washington wieder zu einer zweitägigen Sitzung.
Erst diese Woche trafen sich die Vertreter der US-Notenbank in Washington wieder zu einer zweitägigen Sitzung.
Bild: iNg

Am Mittwoch trafen sich die Vertreter der US-Notenbank zum regulären geldpolitischen Treffen. Wer bereits mit einer Leitzinserhöhung gerechnet hatte, wurde enttäuscht. Während der amerikanische Aktienmarkt mit Kursgewinnen auf den Nullentscheid reagierte, geriet der Dollar gegenüber den gängigsten Währungen unter Verkaufsdruck.

Auch wenn man sich bei der US-Notenbank bislang noch nicht zur ersten Zinserhöhung seit der Finanzkrise der Jahre 2007/08 durchringen konnte: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Volkswirtschaftsexperten rund um den Globus rechnen nun anlässlich des Treffens von Mitte September mit einem Zinsschritt von 25 Basispunkten. Nur jene von Goldman Sachs tanzen diesbezüglich aus der Reihe und sehen die Vertreter der US-Notenbank frühestens im Dezember erstmals handeln. Liegt die Grossbank mit ihrer Annahme richtig, wäre das nicht nur positiv für amerikanische Aktien und Anleihen, sondern auch für den Goldpreis.

Widerstand in den eigenen Reihen

Nach einer überraschenden Kontraktion des amerikanischen Bruttoinlandprodukts im ersten Quartal war eigentlich klar, dass die Leitzinsen nicht schon anlässlich des Treffens der US-Notenbank vom Mittwoch erhöht werden. Seither hat sich die Lage allerdings entspannt. So wurden im Mai beispielsweise so viele Stellen ausserhalb der Landwirtschaft geschaffen wie noch nie in diesem Jahr. Zudem überraschten die Detailhandelsumsätze positiv, was auf eine Belebung des Privatkonsums hindeutet.

Davon will man bei Goldman Sachs vorerst aber nichts wissen. Die Wirtschaftsstrategen der amerikanischen Grossbank stützen sich dabei auf die Haltung der Vertreter der US-Notenbank ab. Mindestens sieben Mitglieder des Offenmarktausschusses seien für keine oder höchstens eine Leitzinserhöhung in diesem Jahr. In dieser Gruppe von Vertretern vermuten die Experten sogar die Notenbank-Chefin Janet Yellen.

Wie weiter bei den Zinsen?

Ursprünglich hatten sich die Wirtschaftsstrategen von Goldman Sachs anlässlich des jüngsten Treffens der US-Notenbank klare Signale für einen ersten Zinsschritt im September erhofft. Solche seien aber ausgeblieben, so schreiben sie.

Nach einer Leitzinserhöhung im Dezember rechnen die Experten im Laufe des nächsten Jahres mit einem Anstieg der Fed Fund Rate um 100 Basispunkte. Ende 2016 werde diese dann in der Region von 1,25 bis 1,5 Prozent liegen, Ende 2017 zwischen 2,25 und 2,5 Prozent und Anfang 2019 bei 3,5 bis 3,75 Prozent ihren vorläufigen Höhepunkt durchschreiten. Auch diese Prognosen sind deutlich vorsichtiger als jene anderer bekannter Banken.