USA - Wirtschaftsaufschwung bereitet Boden für Zinserhöhung

Nach einem schwachen Jahresstart hellen sich die Konjunkturaussichten in den USA auf und liefern der Notenbank Fed Argumente für eine weitere Zinserhöhung.
12.05.2017 20:00
Abendrot über dem Fed-Hauptsitz in Washington.
Abendrot über dem Fed-Hauptsitz in Washington.
Bild: Bloomberg

(neu: Währungshüter, Verbrauchervertrauen, Details, Experten)

* Einzelhändler erzielen Umsatzplus

* Verbraucherstimmung steigt weiter

* Preisdruck lässt leicht nach

* Experten erwarten nächste Zinserhöhung im Juni

Washington, 12. Mai (Reuters) - Nach einem schwachen Jahresstart hellen sich die Konjunkturaussichten in den USA auf und liefern der Notenbank Fed Argumente für eine weitere Zinserhöhung. Die Einzelhändler steigerten ihre Umsätze im April zum Vormonat um 0,4 Prozent, wie das Handelsministerium am Freitag mitteilte. Die Amerikaner kauften vor allem mehr Autos, aber auch viele andere Produkte - ein gutes Omen für eine anziehende Konjunktur. Die Verbraucher sind mit ihren Käufen eine Hauptsäule der Wirtschaft, wobei der Einzelhandel etwa 30 Prozent des privaten Konsums ausmacht.

Auch die Kauflaune der US-Bürger hellte sich zuletzt überraschend auf. Das Barometer für das Verbrauchervertrauen stieg um 0,7 auf 97,7 Punkte, wie die Universität Michigan zu ihrer Umfrage im Mai mitteilte. Die Fed hat angesichts des anhaltenden Aufschwungs und der praktisch erreichten Vollbeschäftigung den Leitzins zuletzt im März auf die Spanne von 0,75 bis 1,0 Prozent angehoben und will 2017 noch zwei weitere Schritte nach oben folgen lassen. "Es würde mich sehr wundern, wenn es dieses Jahr mehr werden sollten", sagte das Chicagoer Fed-Führungsmitglied Charles Evans. Letztlich könnte es auch nur einen weiteren Schritt geben, falls sich der Ausblick eintrübe. Viele Experten erwarten, dass die Notenbank das nächste Mal im Juni handelt.

Die US-Wirtschaft hat zu Jahresbeginn überraschend deutlich an Fahrt verloren. Sie war auf das Jahr hochgerechnet nur um 0,7 Prozent gewachsen - das schwächste Plus seit drei Jahren. Die Fed ist jedoch weiter optimistisch und hält den Jahresstart für einen Ausrutscher. Hinzu kommt, dass US-Präsident Donald Trump angekündigt hat, die Wirtschaft mit einer radikalen Steuerreform und massiven Investitionen anzukurbeln. In der Fed gibt es die Sorge, dass dadurch auch die Inflation über Gebühr angeheizt werden könnte: "Ich sage nicht, dass es soweit kommt. Aber wir müssen uns der Risiken bewusst sein", warnte Evans.

Allerdings ist die Fed bei der Inflation noch nicht ganz am Ziel. Sie strebt eine Jahresteuerung von zwei Prozent an. Die Währungshüter achten besonders auf Preisveränderungen bei persönlichen Ausgaben der Verbraucher (PCE) - also ohne Energie- und Nahrungsmittelkosten. Dieser Wert lag zuletzt bei 1,6 Prozent. Die für die Zinspolitik ebenfalls relevanten Verbraucherpreise kletterten im April zum Vorjahr durchschnittlich um 2,2 Prozent. Im März lag die Rate noch bei 2,4 Prozent.

(Reuters)