VAT, Komax und Co. - Diesen kotierten Firmen setzt der Franken zu

Der Franken ist so stark wie lange nicht mehr. In der Schweiz trifft das vor allem die kleinen und mittelgrossen Unternehmen. Die Grossbank UBS sagt, welchen Firmen den Launen des Frankens besonders ausgesetzt sind.
04.09.2019 08:21
Von Lorenz Burkhalter
VAT-Stand an der Semicon West in San Francisco (7.2012)
VAT-Stand an der Semicon West in San Francisco (7.2012)
Bild: ZVG

Am gestrigen Dienstagabend liess der Franken einmal mehr seine Muskeln spielen. In der Folge tauchte der Euro-Franken-Kurs vorübergehend auf 1,0820 Franken ab und damit auf den tiefsten Stand seit Anfang Mai 2017. Wie aus Handelskreisen zu hören ist, wusste nur das beherzte Einschreiten der Schweizerischen Nationalbank (SNB) mit Fremdwährungskäufen Schlimmeres zu verhindern.

Der erstarkte Franken trifft nicht die Schwächsten, aber die Kleinsten zuerst. Anders als international tätige Grosskonzerne wie Roche oder Nestlé verfügen die kleinen und mittelgrossen Schweizer Unternehmen nicht über dieselben Möglichkeiten, sich gegen Währungsfluktuationen zu schützen.

Grosse Unterschiede

Aus aktuellem Anlass hat die UBS rund 50 von ihr abgedeckte kleine und mittelgrosse Unternehmen auf ihre Franken-Sensitivität hin untersucht und ist zu interessanten Ergebnissen gelangt. Dabei stützte sich die grösste Schweizer Bank einerseits auf die in Franken anfallenden Kosten, andererseits aber auch auf den im Ausland und in Fremdwährungen erzielten Umsatz ab. Es handelt sich folglich um theoretische Berechnungen. Denn es könnte ja sein, dass das eine oder andere Unternehmen seine Fremdwährungsrisiken oder zumindest Teile davon über Termingeschäfte absichert.

Die gute Nachricht zuerst: Wie die Erhebungen der UBS zeigen, verfügt fast jedes zweite der 50 Unternehmen über eine "natürliche" Absicherung gegen einen starken Franken. Das heisst soviel, wie: Die Kosten fallen mehr oder weniger in der Währung an, in der auch die Umsätze erzielt werden. In diese Kategorie zählen etwa der Spezialitätenchemiehersteller Clariant, die Industriekonzerne Kardex, Oerlikon, Schindler, Sulzer und Bucher oder der Peripheriegerätehersteller Logitech.

Schweizer Unternehmen widerstandsfähiger als auch schon

Das grösste Missverhältnis zwischen in Franken anfallenden Kosten und in Fremdwährung anfallenden Umsätzen weist der UBS zufolge der Vakuumventilehersteller VAT Group (Netto-Engagement: 39 Prozent) auf, gefolgt vom Automobilzulieferer Komax (33 Prozent), dem Kolbenkompressorenhersteller Burckhardt Compression (29 Prozent), dem Textilmaschinenhersteller Rieter (25 Prozent), dem Halbleiterzulieferer Comet (25 Prozent), dem Automationsspezialisten Belimo (23 Prozent) und dem Solarzulieferer Meyer Burger (18 Prozent).

Doch auch viele dieser Unternehmen haben nach der überraschenden Aufgabe des SNB-Mindestkurses von Mitte Januar 2015 gezeigt, dass sie mit einem starken Franken durchaus zurecht kommen. Seither seien die Schweizer Unternehmen insgesamt widerstandsfähiger gegenüber dem Aufwertungsdruck der Heimwährung geworden. Ausserdem bestehe bei Firmen mit einer hohen Preisgestaltungsmacht die Möglichkeit, Währungsfluktuationen über Preiserhöhungen den Kunden weiterzugeben, hält die UBS fest.

 

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