Veggie-Boom - Beyond und Impossible wollen in China mitmischen

Burger, Schnitzel, Bratwurst ohne Tier: Der Boom von Veggie-Produkten im Westen bringt auch immer mehr Chinesen auf den Geschmack von Fleischersatzprodukten.
20.11.2019 21:06
Vegetarische Burger von Beyond Meat: Das kalifornische Unternehmen liefert sich mit dem Konkurrenten Impossible Foods ein Rennen um die Expansion nach Asien.
Vegetarische Burger von Beyond Meat: Das kalifornische Unternehmen liefert sich mit dem Konkurrenten Impossible Foods ein Rennen um die Expansion nach Asien.
Bild: Beyond Meat

Angeheizt wird der Veggie-Trend durch den hohen Preis für Schweinefleisch, der wegen der Schweinepest rasant gestiegen ist. Auch Konzerne aus dem Ausland haben den Milliardenmarkt mittlerweile ins Visier genommen. Doch wenn sich US-Firmen wie Beyond Meat oder Impossible Foods eine Scheibe von dem lukrativen Geschäft abschneiden wollen, müssen sie es mit heimischen Rivalen aufnehmen. Neben Veggie-Burgern setzen diese auch auf vegane Varianten von chinesischen Spezialitäten wie Mondkuchen oder Dumplings, gefüllte Teigtaschen in allen möglichen Variationen.

"Amerikanische und europäische Firmen haben viel Erfahrung mit Frittieren, Braten und Backen, wir haben eine andere Ernährung, Kultur und Kochrezepte", sagte Marketing-Chef Zhou Qiyu von Whole Perfect Food, einem chinesischen Anbieter von pflanzlichen Burgern und Dutzenden anderen veganen Snacks. Lag der Fokus der Firma in den vergangenen 20 Jahren vor allem auf den sich meist vegetarisch ernährenden Buddhisten, baut Whole Perfect Food seine Produktpalette nun immer weiter aus, um sich gegen die drohende Konkurrenz aus dem Westen zu rüsten.

Suche nach Partnern

Noch ist es nicht soweit. Die kalifornische Firma Beyond Meat, die einen der erfolgreichsten Börsengänge in den USA seit Jahren hingelegt hat, liefert sich mit dem Rivalen Impossible Foods ein Rennen um die Expansion nach Asien. Die veganen Buletten von Beyond Meat sind bereits in Taiwan, Singapur und Hongkong zu haben. Im Westen ist um deren Erbsenbratlinge zwischenzeitlich ein regelrechter Hype entbrannt. Nach Europa soll die Produktion in Asien nun vor Ende nächsten Jahres an den Start gehen. In einem zweiten Schritt steht dann die Expansion nach China an. Doch um auf dem riesigen Markt erfolgreich zu sein, müssen erst Produktionssysteme entwickelt, Einzelhändler gewonnen und Lieferketten sichergestellt werden. In der Zwischenzeit tüftelt der US-Pionier schon an neuen, auf den chinesischen Markt abgestimmten Produkten wie Dumplings mit veganer Füllung.

Der Veggie-Burger-Rivale Impossible Foods sieht China inzwischen als wichtigsten ausländischen Markt für künftiges Wachstum an. Das Start-up aus dem Silicon Valley ist aber noch auf der Suche nach Partnern in der Volksrepublik und hofft auf grünes Licht der Behörden vor Ort. Bislang sind Fleischersatzprodukte von Impossible Foods in Hongkong und Macau erhältlich. Zudem würden 450 Restaurants in Asien beliefert. Wie groß die Erwartungen in China sind, zeigt etwa die Kursexplosion nach der Ankündigung von Schinkenproduzent Jinzi Ham, künftig auch Fleisch aus Pflanzenprotein verkaufen zu wollen - innerhalb einer Woche kletterte der Aktienkurs um 50 Prozent.

Auch in Deutschland bieten traditionelle Fleisch- und Wursthersteller immer mehr vegane Varianten ihrer Produkte an - nicht zuletzt, weil Verbraucher bereit sind, dafür tiefer in die Tasche zu greifen. Weil sich Konsumenten stärker um die eigene Gesundheit sowie um die Auswirkungen der Massentierhaltung auf das Klima sorgen, wird der weltweite Markt für pflanzenbasierte Alternativen bei der Ernährung Schätzungen von Barclays zufolge im kommenden Jahrzehnt auf 140 Milliarden Dollar explodieren.

Das hat auch Großkonzerne auf den Plan gerufen, die das Geschäft nicht alleine Start-ups überlassen wollen. So investiert etwa der weltgrößte Nahrungsmittelhersteller Nestle seit einigen Jahren verstärkt in den Ausbau seiner pflanzenbasierten Fleischalternativen. In Deutschland beliefert das Schweizer Unternehmen etwa McDonalds mit veganen Burgern. In China ist Nestle mit solchen Produkten noch nicht vertreten.

(Reuters)