Verdrängt Passiv-Investieren die Fondsmanager?

«Stupides» passives Investieren verdrängt Vermögensverwalter, die sich auf die aktive Auswahl von Aktien und Anleihen spezialisiert haben. Das sagt ein Hedgefonds-Manager.
24.12.2016 09:55
Verdrängt Passiv-Investieren die Fondsmanager?
Bild: ©Coloures-pic/fotolia.com

Diese Meinung vertritt Crispin Odey, dessen Flaggschiff-Hedgefonds sich derzeit auf dem besten Wege befindet, sein schlechtestes Jahr seit dem Start vor mehr als zwei Jahrzehnten zu verzeichnen.

“Dies ist ein schwieriges Jahr für aktive Manager gewesen”, resümiert Odey in seinem November-Rundschreiben an Investoren, in das Bloomberg Einsicht hatte. „Passives Investieren hat Geld abgezogen, das typischerweise im Anleihemarkt gewesen wäre, und hat es dem Aktienmarkt zugeführt.“

Viele Investoren sind dieser Tage unzufrieden mit den Kosten und der Entwicklung von aktiv investierten Fonds. Sie verlagern daher ihre Anlagen zunehmend in Richtung Index-Fonds und börsengehandelte Fonds (ETFs). Laut Daten des Marktforschers Morningstar haben sie allein im November rund 67 Mrd. Dollar aus aktiven Investmentfonds abgezogen und gleichzeitig etwa 70,6 Mrd. Dollar in passive Fonds gesteckt. In beiden Fällen handelte es sich um die jeweils höchsten Summen mit Blick auf das laufende Jahr.

Hedgefonds mussten zwischen Jahresbeginn und dem 16. Dezember unterm Strich Netto-Abflüsse von rund 80 Mrd. Dollar verzeichnen – es waren die ersten Abflüsse aus der Branche seit 2009, zeigen vorläufige Schätzungen von eVestment, einem anderen Daten-Anbieter.

Mehr Hedgefonds haben zudem im zu Ende gehenden Jahr geschlossen als aufgemacht – es ist das erste Mal seit mindestens dem Beginn dieses Jahrhunderts, als Eurekahedge mit der Erhebung entsprechender Daten begann, dass es eine solche Entwicklung gegeben hat.

"Zentralbanker werden reagieren müssen"

Der Fonds Odey European Inc. hatte bis November des laufenden Jahres fast 48 Prozent verloren. Das ist mehr als sein Minus von 43 Prozent aus dem Jahr 1994, als sich pessimistische Wetten gegen den Aktienmarkt nicht ausgezahlt hatten.

Gründungs-Partner Odey hatte die Entscheidung Grossbritanniens zum Verlassen der Europäischen Union (EU) unterstützt. Er sprach sich darüber hinaus gegen die Eingriffe von Zentralbanken in die Wirtschaft aus.

Anfang des Jahres hatte er prognostiziert, dass britische Aktien möglicherweise um 80 Prozent einbrechen werden. Tatsächlich jedoch legte der FTSE 100 Index im Jahr 2016 bislang um rund XX Prozent zu. Dahinter stand zum Teil auch der starke Wertverlust des britischen Pfunds.

Im Jahr 2017 „werden Zentralbanker auf das reagieren müssen, was ihre Regierungen fiskalisch machen, statt Aktiva-Preise mit geringen Zinsen zu stärken“, erklärt Odey in dem aktuellen Rundschreiben. „Es könnte Ärger geben.“

(Bloomberg)