Vergleich der Credit Suisse wird begrüsst - Aktie fällt dennoch

Der Vergleich im US-Hypothekenstreit kostet die Credit Suisse über 5 Milliarden Dollar und liegt damit selbst über den pessimistischsten Annahmen. Die Aktie gerät nach einer Frühstärke unter Druck.
23.12.2016 11:13
Von Lorenz Burkhalter
Filiale der Credit Suisse in New York.
Filiale der Credit Suisse in New York.
Bild: Bloomberg

Was für eine Bescherung für die Aktionäre der Credit Suisse einen Tag vor Heiligabend: Die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken hat mit dem US-Justizministerium eine Einigung im Streit rund um die Verbriefung fragwürdiger Hypothekarkredite gefunden.

Allerdings hat das seinen Preis. Die Credit Suisse zahlt eine Zivilbusse in Höhe von 2,48 Milliarden Dollar. Weitere 2,8 Milliarden Dollar muss sie für Entschädigungen an Kreditnehmer bereitstellen. Dieser zweite Betrag verteilt sich auf fünf Jahre.

Da in der Vergangenheit gerade mal 500 Millionen Franken für diesen Vergleich zurückgestellt wurden, muss die Grossbank rund 2 Milliarden Dollar an zusätzlichen Rückstellungen ins Schlussquartal verbuchen.

Das ist insgesamt zwar sehr viel mehr als Analysten erwartet hatten. An der Schweizer Börse SIX wird die CS-Aktie hin und her gerissen. Nachdem im frühen Handel noch Kurse von bis zu 15,67 Franken bezahlt wurden, verliert sie zur Stunde nun 0,9 Prozent auf 15,19 Franken.

Ein ziemlich kostspieliger Vergleich

Wie einem Kommentar aus dem Hause Mirabaud & Cie zu entnehmen ist, müsste die Aktie unter normalen Umständen eigentlich unter Verkaufsdruck geraten. Allerdings räumt der Autor ein, dass der Vergleich im derzeitigen Börsenumfeld wohl keine allzu negativen Folgen haben dürfte.

Zum einen sei der wichtigste Rechtsstreit damit für die Credit Suisse vom Tisch und zum anderen sei vor wenigen Tagen in der Presse noch von einer Zahlung zwischen 5 und 7 Milliarden Dollar die Rede gewesen, so ergänzt der Analyst. Seines Erachtens liegen die Kosten im Vergleich mit der Deutschen Bank allerdings am oberen Ende.

Aktienkursentwicklung der Credit Suisse im bisherigen Tagesverlauf; Quelle: www.cash.ch

Andere Analysten gehen härter mit der Schweizer Grossbank ins Gericht und schreiben, dass der Vergleich vom finanziellen Aspekt her selbst die pessimistischsten Annahmen übertroffen habe. Gerade bei Barclays sieht man deshalb die Diskussion rund um die Eigenkapitalbasis der Credit Suisse wieder aufflammen.

Vergleich auf das Eigenkapital bezogen verkraftbar

Der für die britische Grossbank tätige Experte hatte zuletzt mit Kosten in der Region von 3 bis 4 Milliarden Dollar gerechnet. Seines Erachtens liegen die Konsensschätzungen seiner Berufskollegen gar nur zwischen 2 und 3 Milliarden Dollar. Interessant ist, dass auch Barclays mit der US-Justiz verhandelt hat. Angeblich konnten sich diese beiden Parteien jedoch nicht auf eine Vergleichssumme einigen, weshalb den Briten nun eine Klage droht.

Wie der Bankenanalyst der Zürcher Kantonalbank schreibt, hält er den Vergleich unter den vorliegenden Konditionen aus Sicht der Credit Suisse für verkraftbar. Das lässt sich auch damit erklären, dass ein Teil der Vergleichssumme über fünf Jahre hinweg zahlbar ist. Ausserdem eliminiere die Übereinkunft einen wichtigen Unsicherheitsfaktor, so schreibt er weiter. Deshalb sieht er die erst seit kürzlich mit "Übergewichten" empfohlene Aktie sogar positiv reagieren.

Auch sein für die Bank Vontobel tätiger Berufskollege beurteilt den Vergleich positiv. Allerdings räumt er ein, dass die Gesamtsumme, die die Credit Suisse zahlen muss, aufgrund der Entschädigung für Kunden höher als erwartet ausfällt. Letztere belaste das Ergebnis der Strategic Resolution Unit in den nächsten fünf Jahren mit jeweils durchschnittlich 0,56 Milliarden Dollar, so der Experte. Darüber hinaus verweist er auf die verschiedenen anderen noch offenen Rechtsstreitigkeiten. Die Aktie wird bei der Zürcher Bank deshalb weiterhin nur mit "Hold" und einem Kursziel von 13,20 Franken eingestuft.

Bei Morgan Stanley heisst es, dass die höheren Kosten sich ins Eigenkapital fressen werden. Der Analyst der amerikanischen Investmentbank schätzt die Folgen bei der Kernkapitalquote auf 80 Basispunkte. Gleichzeitig sieht er mit der Einigung ein zentraler Unsicherheitsfaktor für die mit "Equal-weight" und einem Kursziel von 17,50 Franken eingestufte Aktie wegfallen.