Verhaltener Ausblick setzt Galenica-Aktie zu

Der Gewinn von Galenica verfehlt die Analystenerwartungen wegen eines Bilanzierungseffekts. Gleichzeitig warnt das Unternehmen vor hohen Vorabinvestitionen. Die Aktie gerät deshalb unter Verkaufsdruck.
09.08.2016 11:28
Von Lorenz Burkhalter
Galenica warnt vor hohen Kosten, sollte die Übernahme von Relypsa zustandekommen.
Galenica warnt vor hohen Kosten, sollte die Übernahme von Relypsa zustandekommen.
Bild: ZVG

Nicht selten kommt an der Börse alles ganz anders als erwartet. So erstaunt es nicht, dass der von Galenica für die erste Jahreshälfte veröffentlichte Zahlenkranz schwächer als erhofft ausfällt. Und das, obschon in den letzten Wochen auf eine positive Ergebnisüberraschung spekuliert worden war. Schuld ist ein Bilanzierungseffekt, welcher sich negativ auf die Gewinnentwicklung auswirkt.

Gleichzeitig schwört der Gesundheitskonzern aus Bern die eigenen Aktionäre auf hohe Vorabinvestitionen ein, sollte die milliardenschwere Übernahme des amerikanischen Biotechnologieunternehmens Relypsa glücken.

Das kommt bei den Anlegern nicht sonderlich gut an. So wird die Aktie von Galenica an der Schweizer Börse SIX zur Stunde mit einem Minus von 2,3 Prozent auf 1250 Franken abgestraft. Zeitweise wurden sogar Kurse um 1237 Franken bezahlt.

Die für die Zürcher Kantonalbank tätige Analystin bezeichnet die Geschäftsentwicklung der ersten sechs Monate als "gemischt". Zwar habe Vifor Pharma mit den Medikamenten Ferinject und Venofer zu überzeugen gewusst, so schreibt sie. Die operative Profitabilität ist ihrer Einschätzung zufolge aber nur aufgrund besserer übriger Erträge leicht über den Erwartungen ausgefallen.

Übernahme von Relypsa mit hohen Kosten verbunden

Bei Galenica Santé zeigt die Analystin hingegen Gefallen am Umsatzwachstum, nicht aber an den nur gerade im Rahmen der Erwartungen ausgefallenen Margen.

Was den konkreteren Jahresausblick anbetrifft, so erwartet man bei der Zürcher Kantonalbank deutliche Schätzungsreduktionen im Zusammenhang mit der geplanten Relypsa-Akquisition. Die Galenica-Aktie bleibt deshalb mit "Marktgewichten" eingestuft.

Bei der MainFirst Bank wird auf Basis des vorliegenden Ausblicks sogar mit einer Abwärtsrevision der diesjährigen Konsensschätzungen um bis zu 60 Prozent und der nächstjährigen Erwartungen um rund 35 Prozent gerechnet. Bei Julius Bär fackelt man jedenfalls nicht lange und senkt das Kursziel für die mit "Hold" eingestufte Aktie auf 1190 (1300) Franken.

Positivere Worte findet ihr Berufskollege von der Bank Vontobel. Er erachtet die dem operativen Geschäft zugrundeliegende Entwicklung als solide und zeigt sich überrascht vom starken Absatz mit dem Eisenpräparat Ferinject. Unter Ausklammerung eines Bilanzierungseffekts sei der operative Gewinn stark ausgefallen, so das Urteil des Experten.

Trennt sich Sprint von weiteren Aktien?

Er nimmt deshalb sowohl seine "Hold" lautende Einstufung als auch das Kursziel von 1200 Franken in positive Revision.

Ob die Aktie bei der Zürcher Traditionsbank heraufgestuft wird, hängt vermutlich auch davon ab, ob sich der Grossaktionär Sprint in den nächsten Tagen von weiteren Teilen seiner derzeit bei rund 20 Prozent liegenden Beteiligung trennt. Erst im Mai platzierte er nämlich einen Fünftel seines Aktienpakets bei institutionellen Anlegern, was den Aktienkurs um mehr als 10 Prozent tauchen liess. In diesen Tagen nun läuft die dreimonatige Sperrfrist auf der Restbeteiligung aus. An der Börse werden dem Grossaktionär jedenfalls noch immer Verkaufsabsichten nachgesagt.

Neben der Zürcher Kantonalbank warnt auch die MainFirst Bank vor negativen Folgen weiterer Titelverkäufe durch Sprint. Die Sperrfrist laufe am Donnerstag aus, so schreibt letztere.