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Verliert Coltene den Ruf einer Renditeperle?

Coltene gehört zu den besten Schweizer Aktien des laufenden Jahres. Doch das Medizinaltechnologie-Unternehmen könnte die Anleger mit einer Dividendenkürzung vergraulen.
24.02.2016 15:30
Von Ivo Ruch
Coltene stellt Verbrauchsmaterial für Zahnärzte her.
Coltene stellt Verbrauchsmaterial für Zahnärzte her.
Bild: pixabay.com

Manchmal genügt eine gute Nachricht, um einer Aktie zusätzlichen Schub zu verleihen. So zum Beispiel im Fall von Coltene. Der Hersteller von Dentalbedarf meldete vor Kurzem den Einstieg in einen zukunftsträchtigen Markt, worauf die Aktie um mehrere Prozentpunkte auf über 67 Franken in die Höhe sprang.

Kursverlauf der Coltene-Aktie seit Anfang Jahr, Quelle: cash.ch

Beim erwähnten Markteintritt geht es um die Herstellung von neuartigen Verbrauchsmaterialien zur Restauration von Zähnen. Das Neue daran: Mit Softwareunterstützung kann der Zahnersatz direkt beim Zahnarzt hergestellt und eingesetzt werden. Somit partizipiert Coltene an der digitalen Zahnmedizin. "Die Produktlancierung dürfte das zukünftige Umsatzwachstum von Coltene unterstützen", schrieb Analystin Sybille Bischofberger von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) in einem Kommentar.

Der jüngste Kurssprung von Coltene war nicht der erste in diesem Jahr. Im letzten Monat ging es mit der Aktie steil aufwärts. Um rund 12 Prozent vermehrte sich der Börsenwert in diesem Zeitabschnitt, während der Gesamtmarkt - in Form des Swiss Performance Index (SPI) - 7 Prozent an Wert verlor. Nur drei Aktien an der Schweizer Börse (Goldbach, Kuoni und Therametrics) kamen in den letzten vier Wochen auf eine bessere Performance als Coltene.

Damit nähert sich die Coltene-Aktie Schritt für Schritt wieder dem Stand des letzten Sommers. Damals notierte der Titel bei gut 70 Franken, ehe er nach enttäuschenden Halbjahreszahlen bis auf 55 Franken abrutschte.

Geschäftszahlen stehen an

Den nächsten Impuls dürfte die Aktie am Donnerstag, 3. März, erhalten. Dann informiert Coltene über das Geschäftsjahr 2015. Besonders im Fokus stehen dabei die Angaben zum Umsatz und zu den Kosten. Im letzten August sagte CEO Martin Schaufelberger, Coltene werde die Kosten insbesondere in der Schweiz weiter senken.

Was den Umsatz betrifft, so ist das negative Überraschungspotenzial nicht mehr so gross wie noch vor den Halbjahreszahlen. ZKB-Expertin Bischofberger rechnet mit einem allgemeinen Rückgang, sieht aber dynamische Regionen. So zum Beispiel Nordamerika, wo Coltene rund 35 Prozent des Umsatzes generiert. In Asien ist Coltenes Umsatzanteil noch relativ gering. "Dort mit von der Partie zu sein ist aber sehr wichtig, da das Wachstum attraktiv ist", so Bischofberger.

Dividende in Gefahr

Weil Coltene traditionell einen hohen Anteil (70 bis 80 Prozent) des Reingewinns als Dividende ausschüttet, galt der Titel in der Vergangenheit als Renditeperle. Vor gut einem Jahr entzückte Coltene seine Aktionäre mit einer Dividendenerhöhung auf 2,50 Franken.

Ob die Rheintaler die generöse Ausschüttung beibehalten können, ist allerdings fraglich. Denn Bischofberger rechnet mit einem Rückgang des Reingewinns und erwartet folglich eine Dividende von nur noch 2,20 Franken. Analystin Carla Bänziger von der Bank Vontobel sieht die Dividende gar auf 2,10 Franken sinken.