Verluste in Europas schlechtestem Bondmarkt verstärken sich

Egal ob Rally oder Talfahrt, die portugiesischen Staatsanleihen weisen immer die schlechteste Entwicklung auf.
17.09.2016 13:45
Die Altstadt von Porto, Portugal.
Die Altstadt von Porto, Portugal.
Bild: pixabay.com

Die Renditen kletterten auf den höchsten Stand seit Juli, als der Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi Spekulationen auf weitere geldpolitische Anreize dämpfte. Das Kaufprogramm der EZB für Staatsanleihen auszuweiten, sei auf der Ratssitzung nicht erörtert worden, sagte Draghi. Portugal war bereits der Bondmarkt im Euroraum mit der schlechtesten Entwicklung, und als dann die Kurse Staatsanleihen der Region Ende letzter Woche einbrachen, traf es Portugal wieder am Schlimmsten.

Portugal hatte rund sechs Monate nach Irland ein internationales Rettungsprogramm hinter sich gelassen. Aber Investoren gefiel die Bummelei der Politiker bei Haushaltskürzungen nicht, eben so wenig die Schulden-Tragfähigkeit und das Geld, das benötigt wird, um angeschlagene Banken zu stärken.

Die Rendite portugiesischer Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren letzte Woche bei ungefähr 3,20 Prozent. Das liegt deutlich mehr als 70 Basispunkte über dem Stand, als die EZB im Januar 2015 ihren QE-Plan zur geldpolitischen Lockerung über Anleihekäufe ankündigte. Zum Vergleich: Die irische Rendite rutschte seither um 80 Basispunkte nach unten auf 0,4 Prozent.

"Portugal braucht Wachstum und muss seine Verschuldung abbauen", sagte Filipe Silva, Vermögensverwalter bei Banco Carregosa SA in Porto. "Es muss in der Lage sein, die Risikowahrnehmung, die einige Investoren haben, zu verringern."

Portugal-Anleihe gilt als Ramsch

Portugal-Anleihen kommen für dieses Jahr auf Verluste von 0,8 Prozent im Vergleich zu Gewinnen bei allen anderen, wie die Bloomberg World Bond Indexes zeigen. 

Die Bonität Portugals wird von Fitch Ratings, Moody’s Investors Service und S&P Global Ratings in der Ramsch-Klasse eingestuft. Nur DBRS Ltd. hat eine bessere Note in der Kategorie Investment Grade vergeben. Das ermöglicht es der EZB, die portugiesischen Staatspapiere für ihr Anleihekaufprogramm im Rahmen von QE zu verwenden. DBRS wird die Kreditwürdigkeit des Landes am 21. Oktober wieder auf den Prüfstand stellen; im April war die Bonitätsnote unverändert belassen worden.

Das Volumen portugiesischer Staatsanleihen, das unter dem Bondkaufprogramm der EZB erworben wurde, ist im August auf 722 Mio. Euro geschrumpft. Das war der geringste Betrag seit Einführung des Programms im März 2015.

Haushaltsplan

Und dann sind da der Haushalt und die Banken. Ministerpräsident Antonio Costa regiert mit seiner sozialistischen Minderheitsregierung seit November letzten Jahres und macht die Kürzungen bei den Bezügen der Staatsdiener schneller rückgängig als vor der Vorgängerregierung vorgeschlagen, zugleich erhöht er die indirekten Steuern. Eine Strafe der Europäischen Union, weil die Haushaltsziele beständig nicht eingehalten werden, konnte Portugal, ebenso wie Spanien, vermeiden. Der nächste Haushaltsplan für die Ausgaben 2017 ist im Oktober fällig. Am 31. August hatte Costa gesagt, das Haushaltsdefizit werde bequem unter der 2,5 Prozent Vorgabe der Europäischen Kommission liegen.

Der kritische Punkt ist eine geplante Kapitalspritze von 2,7 Mrd. Euro für die staatliche Bank Caixa Geral de Depositos SA. Dies werde ein Neudesign des Profils und des Umfangs der portugiesischen Staatsschulden erfordern, hat Finanzminister Mario Centeno gesagt. Die Regierung hatte im April prognostiziert, dass die Staatsverschuldung 2016 das zweite Jahr in Folge sinken werde, auf 125 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt.

"Der Kurs der derzeitigen Koalitionsregierung ist ’unfreundlich’ für den Bondmarkt gewesen und Investoren haben befürchtet, dass die QE-Käufe der EZB zum Erliegen kommen könnten", sagte David Schnautz, Zinsstratege bei der Commerzbank AG. Damit sich die portugiesischen Papiere besser entwickeln, müssten Investoren Vertrauen gewinnen, dass Regierung "Reformen wieder umsetzt, statt frühere Reformen wieder zurückzuschrauben".

(Bloomberg)