Vermögensallokation - Corona-Krise: Strategen ziehen festverzinsliche Anlagen gegenüber Aktien vor

Marktteilnehmer warnen vor noch immer hohen Bewertungen an den Aktienmärkten. Doch was ist die Alternative? Zwei Strategen sehen die Lösung in festverzinslichen Wertpapiere.
22.05.2020 13:34
Beim Schachspiel dreht sich alles um den König.
Beim Schachspiel dreht sich alles um den König.
Bild: pixabay.com

Anlagestrategen empfehlen den Anlegern zunehmend, sich auf den festverzinslichen Teil ihres Portfolios zu konzentrieren. Grund für diese Fokusverlagerung: Die anhaltende Volatilität an den Aktienmärkten, die durch die Coronavirus-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Auswirkungen ausgelöst wurde. So hat der Volatilitätsindex VIX immer noch einen Wert von über 30. Normalerweise befindet sich dieser zwischen 12 und 20.

Tai Hui, Stratege für die asiatischen Märkte bei JPMorgan Asset Management, sagte gegenüber dem amerikansichen Nachrichtensender CNBC, dass "wir zu diesem Zeitpunkt festverzinsliche Anlagen favorisieren". Insbesondere hob er Unternehmensanleihen und ausgewählte Anleihen von Schwellenländern hervor.

"Die Jagd nach Rendite wird noch sehr lange andauern", sagte Hui. Und er fügte hinzu, dass festverzinsliche Wertpapiere derzeit "der Kernbestandteil" des Portfolios sind, da die Bewertungen von Aktien "hoch" aussehen.

Geringe Volatilität gesucht

In eine ähnliche Richtung zielt Steve Brice, Chef-Investmentstratege von Standard Chartered Private Bank. Für diesen haben asiatische Dollar-Anleihen momentan die "beste Risiko-Rendite". Zudem verfügten sie über eine sehr geringe Volatilität.

"Die Rendite liegt bei rund 4 Prozent, ist also in gewisser Hinsicht nicht besonders herausragend", sagte Brice gegenüber CNBC. Trotzdem: Angesichts der geringen Volatilität der Anlageklasse sowie der Vorstellung, dass Asien sowohl aus Wachstums- als auch aus Coronavirus-Sicht als erstes in die Krise gegangen ist und als erstes daraus herauskommen werde, werde die Risikoprämie voraussichtlich sinken. Dies sei gut für den Kurs der Anlage.

Darüber hinaus sagte Brice, dass die Standard Chartred Private Bank auch auf US-Dollar lautende Anleihen aus Schwellenländern setzt. Diese böten eine "deutlich höhere Rendite" von rund 7 Prozent. Sie seien von Interesse, obwohl derzeit noch viele Unsicherheiten im Bereich der Schwellenländer bestünden. So warnte er auch davor, dass eine anhaltende kurzfristige Volatilität bei diesen Anlagen "sehr wahrscheinlich" sei.

«Sehr herausforderndes» Aktienumfeld

Auf die Aussicht bei Aktien angesprochen, erklärte Brice von Standard Chartered, dass das Umfeld derzeit "sehr herausfordernd" sei. "Selbst in der Erholungsphase wird das BIP bis Ende dieses Jahres keineswegs wieder auf das Vorkrisenniveau zurückkehren. Wir glauben, dass das Risiko eines späteren Einbruchs weiter besteht. Es wird sehr deutlich, dass dies eher eine langwierige Erholung als ein V-förmiger Erholungsprozess sein wird."

Hui von JPMorgan nimmt hinsichtlich Aktien einen differenzierteren Standpunkt ein. Er sagt, dass Aktien in Asien, China und Technologiewerte in den USA interessant seien. Er warnte jedoch davor, dass dies "ein langfristiger Analagehorizont ist und nicht nur die nächsten drei bis sechs Monate betrifft". Und er fügte an: "Wir konzentrieren uns mehr auf festverzinsliche Wertpapiere. Mit diesen können wir die Volatilität in unserem Portfolio kontrollieren, aber auch Erträge und Zinsen für Anleger generieren."

Mit Material des Nachrichtensenders CNBC.