Vermögensverwalter - GAM blutet weiter aus

Der Vermögensverwalter GAM befindet sich in einer heiklen Lage: Er muss die verbleibenden Kunden davon überzeugen, dass sich die Probleme nicht auf andere Geschäftsbereiche ausweiten. Derweil sackt die Aktie weiter ab.
30.08.2018 14:10
Der Zürcher Prime Tower, Sitz des Vermögensverwalters GAM.
Der Zürcher Prime Tower, Sitz des Vermögensverwalters GAM.
Bild: Roland Fischer / Wikimedia

Seit die Gesellschaft am 31. Juli die Suspendierung von Tim Haywood verkündet und die von ihm betreuten Fonds eingefroren hat, zogen Investoren etwa Scharenweisen Gelder aus anderen GAM-Strategien ab. Die Suspendierung des für die "Absolute-Return-Bond-Strategie" (ARBF) zuständigen Managers erfolgte nach einer internen Untersuchung, teilte GAM damals mit. Bei der Untersuchung ging es laut den Angaben um das Risikomanagementverfahren sowie um die Dokumentationspflichten in gewissen Fällen.

GAM will die geschlossenen Absolute Return Fonds auflösen. Die Anleger sollen zwischen 60 und 87 Prozent in bar erhalten, teilte der Asset Manager am letzten Dienstag mit. GAM gehe davon aus, bis Ende September eine weitere Ausschüttung für jeden der Fonds vornehmen zu können und die Ausschüttungen in den kommenden Monaten abhängig von den Marktbedingungen fortzusetzen.

Nach der Ankündigung hatten zahlreiche Investoren ihre Anteile zurückgeben wollen und die Fonds mit einem Gesamtvolumen von 7,3 Milliarden Franken in Turbulenzen gebracht. GAM hatte darauf neun Absolute-Return-Bond-Fonds mit uneingeschränktem Anlageansatz geschlossen.

Die Aktien des in Zürich ansässigen Vermögensverwalters, geleitet von CEO Alexander Friedman, haben seit Bekanntwerden der Suspendierung von Haywood über ein Viertel ihres Wertes verloren. Auf Sicht der letzten sechs Monate beträgt das Minus sogar 52 Prozent. Auch am Donnerstag sinken die Aktien um 12 Prozent (14:10), nachdem die Credit Suisse das Kursziel der GAM-Aktie auf 7 Franken von bislang 14,20 Franken gesenkt hatte (aktuell: 7,20 Franken). Die Credit Suisse schätzt, dass GAM rund 7,3 Milliarden Franken an verwalteten Vermögen verlieren wird. 

Die Gruppe verwaltete per 30. Juni 2018 Vermögen von knapp 164 Milliarden Franken. GAM, die vor einigen Jahren aus Teilen von Julius Bär hervorging, zählt damit zu den mittelgrossen Schweizer Vermögensverwaltern. Zu den Kunden zählen nicht nur Privatanleger, sondern auch andere Gesellschaften, die ihre Fonds von GAM verwalten lassen. Der Wirbel um den Fonds reiht sich ein in eine Folge negativer Berichte bei GAM. Für das erste Halbjahr 2018 meldete GAM einen deutlichen Gewinnrückgang wegen hoher Abschreibungen auf eine frühere Übernahme. Analysten sprachen von einem angeknacksten Vertrauen in das Management.

"Für jedes Unternehmen in dieser Position ist Transparenz ein Schlüsselfaktor für die Wiederherstellung des Vertrauens, was absolut wichtig, aber leider äußerst schwierig ist", sagt Jim Smigiel, Chief Investment Officer Absolute Return-Strategien bei SEI Investments. "Der Fall von GAM ist eine ziemlich kritische Situation, da sie eine Aktiengesellschaft sind." Einen Fonds einzufrieren ist eine "Lösung für ein Krisenszenario", sagt Heinz Rothacher, CEO des Vermögensberaters Complementa. "Und dies ist eine Krise."

Beruhigung der Anleger leichter gesagt als getan

In einem Geschäft, in dem selbst ein Anflug von Schwierigkeiten einen irrwitzigen Sprint zum Ausstieg auslösen kann, ist die Beruhigung der Anleger leichter gesagt als getan. Ein Beispiel: Als bei Third Avenue Management vor ein paar Jahren ein Unternehmensanleihenfonds eingefroren wurde, löste dies ein Gemetzel im Hochzins-Anleihe-Universum aus, da Investoren es eilig hatten, ihr Geld herauszuziehen. Firmen wie TCW Group und Pacific Investment Management können die Verwerfungen, die durch den Weggang von Star-Fondsmanagern wie Jeffrey Gundlach und Bill Gross ausgelöst wurden, aus erster Hand bezeugen.

Laut GAM spiegeln die Geldabflüsse im August schwierigere Bedingungen für Vermögensverwalter allgemein wider. Die Fondsströme begannen im Mai in Europa negativ zu werden und trafen einige der größten Asset Manager der Region wie Standard Life Aberdeen, Jupiter Fund Management und DWS. "Die Marktbedingungen für Asset Manager sind schwieriger geworden und GAM ist nicht immun gegen diesen Branchentrend", erklärte GAM-Sprecherin Elena Logutenkova.

Dennoch: Die Geldabflüsse im August stellen die etwa 1 Milliarde Dollar, die laut Bloomberg-Daten seit Anfang Mai bis Ende Juni abgezogen wurden, in den Schatten. Die Zahlen über die Geldflüsse sind Schätzungen und können von tatsächlichen Zahlen abweichen.

Das größte Gemetzel im August passierte bei Fonds, die von Anthony Smouha bei Atlanticomnium gemanagt wurden, dessen Star Credit Opportunities-Strategie unter der Marke GAM mit einem Anlagevolumen von ungefähr 12 Milliarden Dollar die größte ist, die GAM anbietet. Der auf Euro lautende Fonds verzeichnete seit dem 27. Juli Abflüsse in Höhe von umgerechnet rund 570 Millionen Dollar.

«Ein isolierter Vorfall»

Atlanticomnium teilte in einer Mitteilung vom 2. August mit, dass Haywood "nie eine Verbindung zum Management" ihrer Fonds hatte. Smouha sagte in einer separaten Erklärung, die Preisvolatilität des Marktes im Mai liege "hinter uns", und dass die Eurozone "stark wächst und einen unterstützenden Markthintergrund für Unternehmensanleihen bietet".

"Der Star Credit Fonds könnte eine vergleichbare Investorenbasis wie die Haywood-Fonds haben, so dass sie ähnliche Sorgen haben könnten", sagt Michael Kunz, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank. "In verwandten Bereichen kann sich die Ansteckung schneller ausbreiten."

Wie schnell geht, zeigte sich Ende 2015, als Third Avenue, die vom inzwischen verstorbenen Marty Whitman gegründete Gesellschaft, beschloss, die Auszahlungen aus einem Anleihe-Investmentfonds mit einem Volumen von 788 Millionen Dollar einzufrieren, um einen Notverkauf zu vermeiden. Der Schritt löste sofort Erschütterungen auf dem Markt für Hochzins-Fonds aus und veranlasste mehrere andere Gesellschaften, Portfolios einzufrieren oder zu liquidieren.

GAM hat erklärt, Haywoods vermutliche Übertretungen seien ein isolierter Vorfall, der nicht zu Verlusten für Kunden geführt hat, und dass die Ehrbarkeit des Managers nicht in Frage stehe. Haywood hat es unter Umständen versäumt, bei einigen Investments ausreichende Sorgfaltspflichten zu erfüllen oder zu dokumentieren, und er hat möglicherweise Verträge allein unterzeichnet, bei denen zwei Unterzeichner erforderlich gewesen wären, so GAM.

(Bloomberg/cash)