Vermögensverwalter - Grossbanken laufen die Vermögensberater davon

Mit jedem Tag kehren neue Teams von Vermögensberatern grossen Wall-Street-Banken den Rücken. Grund sind neu aufkommende Technologiedienstleister.
18.05.2019 19:45
UBS-Gebäude an der Park Avenue in New York.
UBS-Gebäude an der Park Avenue in New York.
Bild: cash

Darunter gehören Dynasty Financial Partners, das ein ehemaliger Manager von Citigroup gegründet hat. Jüngstes Beispiel sind vier Private Banker der Schweizer UBS, die Kundenvermögen in Höhe von 530 Millionen US-Dollar verwalten. Sie haben sich selbständig gemacht und eine in Portland, Maine, ansässige Firma namens Great Diamond Partners gegründet. In der vergangenen Woche sind fünf Berater der Bank of America in Atlanta, die Kundenvermögen in Höhe von 450 Millionen US-Dollar betreuten, weggegangen, während im April ein 6-Milliarden-Dollar-Team in Texas Morgan Stanley verliess.

Solche Absetzbewegungen nehmen zu: Berater wenden sich von grossen Banken ab und gründen Boutique-Unternehmen. Sie hoffen, somit mehr Kontrolle sowie einen grösseren Anteil an den Einnahmen zu erhalten. Wegbereiter sind Technologieunternehmen wie Dynasty Financial Partners, die Handelsplattformen, Datendienste und jene Art von Produkten bereitstellen, die einst nur bei den grössten Unternehmen verfügbar waren.

"Grosse komplexe Teams erfordern grosse komplexe Lösungen", sagte Tim Oden, Senior Managing Director für Beratungsdienste bei Charles Schwab. "Bevor das Ökosystem existierte, hatten sie keine Wahl, aber nun haben sie eine Wahl."

Gute Mitarbeiter abwerben

Andere Vermögensberatungsunternehmen, darunter Rockefeller Capital Management, haben ebenfalls Talente abgeworben. Im Rahmen einer Expansionsstrategie hat das Unternehmen, das von dem ehemaligen Morgan-Stanley-Manager Greg Fleming geführt wird, in den vergangenen Monaten Teams von Bank of America und UBS angeheuert.

Angeheizt wird dieser Trend von einem zehnjährigen Bullenmarkt und eine Zunahme der Anzahl wohlhabender Familien in den USA. Die meisten der jüngsten abtrünningen Teams müssen sich noch in einem Konjunkturabschwung oder einer ernsten Marktkorrektur beweisen. Aber einige der Risiken sind durch technologische Verbesserungen gemindert worden, sagt der Gründungspartner von Great Diamond, Steven Tenney.

"Der technologische Fortschritt ist unabhängig von der Konjunktur und Marktzyklen", sagte Tenney, der 26 Jahre bei UBS tätig war. "Als unabhängige Gesellschaft ist man am besten aufgestellt, um davon zu profitieren." UBS-Sprecher Peter Stack lehnte eine Stellungnahme ab.

25 Milliarden Dollar auf Plattform "Dynasty Financial" 

Great Diamond sowie die Berater, die in den letzten Wochen die Bank of America und Morgan Stanley verliessen, arbeiten mit Dynasty zusammen bei der Gründung unabhängiger Gesellschaften. Mittlerweile nutzen Teams, die zuvor bei grossen Banken angestellt waren, die Plattform von Dynasty Financial und verwalten insgesamt etwa 25 Mrd. Dollar, berichtet das in New York ansässige Unternehmen.

"Jemand, der ein Unternehmen dieser Grösse hat, wird nicht ein erhebliches Risiko eingehen und hoffen, dass es funktioniert", sagte Shirl Penney, CEO von Dynasty, in einem Bloomberg-Interview. "Viele dieser Teams wollten, dass beim Weg in die Unabhängigkeit nicht völliges Neuland beschreiten."

Die Abwanderung aus den Etagen der Grossbanken wird sich voraussichtlich fortsetzen. Unabhängige und hybride Anlageberater werden bis 2028 voraussichtlich 28 Prozent des Marktes ausmachen, verglichen mit 25 Prozent im Jahr 2015, so das Analyseunternehmen Cerulli Associates.

Wie sich die abgewanderten Teams finanziell entwickeln, hängt massgeblich davon ab, ob ihre Kunden ihnen folgen oder nicht, sagt Alan Johnson, Geschäftsführer des Vergütungsberaters Johnson Associates. Berater, die grosse Firmen verliessen, um Boutiquen zu gründen, behielten durchschnittlich 87 Prozent ihrer Kundenaktiva, hat eine Umfrage von Schwab herausgefunden.

"Wenn Sie glauben, dass Sie alle ihre Kunden behalten können, werden sie natürlich mehr Geld verdienen", sagte Johnson. "Die eigentliche Frage ist, wie viele Kunden werden sie verlieren?"

Die Banken seien aggressiver geworden bei ihren Bemühungen, Vermögensberater zu halten, und hätten Top-Mitarbeitern schwer abzulehnende Angebote unterbreitet, sagte Johnson.

(Bloomberg)