VermögensverwaltungSchweizer Privatbanken mit rekordtiefem Neugeldzufluss 2016

Die Schweizer Privatbanken standen 2016 unter Druck. So sanken seit 2011 erstmals die erzielten Einkünfte. Vor allem aber stockte der Neugeldzufluss. Die Branche zog so wenig neue Gelder an wie noch nie.
06.07.2017 09:55
Blick auf Genf, Sitz vieler Schweizer Privatbanken.
Blick auf Genf, Sitz vieler Schweizer Privatbanken.
Bild: Pixabay

Die Fähigkeit einer Bank neue Kunden und neue Gelder anzuziehen, bestimmt weitgehend über deren Zukunft. Ohne neue Gelder droht der Bank, dass sie über die Zeit ihre Ertragsgrundlage verliert. In dieser Hinsicht war 2016 für die Schweizer Privatbanken ein Rückschlag.

Denn im letzten Jahr haben sie gemäss einer Studie des Beratungsunternehmens Roland Berger so wenig neue Gelder anziehen können wie noch nie. Der Sinkflug hat sich 2016 gemäss der Studie sogar verstärkt. So haben 2011 die 54 von Roland Berger untersuchten Schweizer Privatbanken inklusive UBS und CS noch zusammen 110 Mrd CHF an neuen Geldern verzeichnet. 2015 waren es noch 84 Mrd CHF, 2016 dann nur noch 32 Mrd CHF.

Von diesem Rückgang waren jedoch nicht alle Privatbanken betroffen. Die ganz grossen (über 100 Mrd CHF verwaltete Vermögen) wie auch die kleinen Privatbanken (zwischen 10 und 25 Mrd CHF) konnten im letzten Jahr den Nettoneugeldzufluss sogar steigern. Geldabflüsse dagegen mussten die mittelgrossen (25 bis 100 Mrd CHF) und die ganz kleinen Banken (weniger als 10 Mrd CHF) verzeichnen.

Schwierige Lage für mittlere Banken

Von den 29 untersuchten mittleren und ganz kleinen Banken konnten 2016 nur 11 Institute überhaupt einen positiven Geldzufluss verzeichnen. Bei den mittelgrossen Banken war der Geldabfluss zudem besonders gross.

Dass diese Banken in einer schwierigen Lage stecken, wie es in der Studie heisst, zeigen auch die anderen Kennzahlen. So sind die gesamten Einkünfte der untersuchten Banken innert Jahresfrist um 2,1% auf 36,7 Mrd CHF gesunken. Bei den mittelgrossen Banken jedoch fällt das Minus mit 6,4% deutlich höher aus.

Das gleiche Bild zeigt sich auch beim Betriebsgewinn. Bei den mittleren Privatbanken ist dieser Gewinn um 30,6% eingebrochen. Insgesamt sank die Summe der operativen Gewinne jedoch nur um 2,5% auf 7,8 Mrd CHF. Dabei konnten einzig die Grossbanken den Betriebsgewinn innert Jahresfrist steigern.

Trend hin zu Polen

Damit hat sich gemäss der Studie der Trend hin zu den Polen verstärkt. Grosse Privatbanken und die Universalbanken UBS und CS sowie die sehr kleinen Privatbanken befinden sich trotz verstärktem Gegenwind auf Erfolgskurs. Mittelgrosse Banken dagegen leiden.

Für die gesamte Branche stellt die Studie fest, dass sie trotz laufend sinkender Margen und stockendem Neugeldzufluss den Betriebsgewinn seit 2011 annähernd hat stabil halten können. Das ist ihr gemäss der Studie dank Ertragssteigerungen und Einsparungen gelungen. So hat sich der Personalbestand der untersuchten Banken in den letzten sechs Jahren von rund 70'000 auf noch 64'000 reduziert.

Personal abgebaut haben jedoch nur Grossbanken und die mittleren Privatbanken. Sie haben die Zahl der Vollzeitstellen um über 20% gesenkt. Die grossen sowie die kleinen und sehr kleinen Privatbanken dagegen haben in dieser Zeit mehr Personal eingestellt.

"Finews.ch" hatte bereits am Mittwoch über die Studie berichtet. Roland Berger stellte diese dem Finanzportal exklusiv zur Verfügung.

(AWP)