Vernachlässigte Branche - Jetzt bei Biotech-Aktien einsteigen?

Nach einem katastrophalen 2016 sehen Analysten im amerikanischen Biotechnologiesektor günstige Einstiegsgelegenheiten.
10.03.2017 08:34
Von Lorenz Burkhalter
Ein Basilea-Mitarbeiter entnimmt im Labor eine Probe.
Ein Basilea-Mitarbeiter entnimmt im Labor eine Probe.
Bild: ZVG

Mit amerikanischen Biotechnologieaktien liess sich in den letzten Jahren mehrheitlich gutes Geld verdienen. Alleine zwischen März 2009 und Juli 2015 stieg der Nasdaq Biotechnology Index (NBI) um das Achtfache. Seither ist aber der Wurm drin, trennen das viel beachtete Branchenbarometer mittlerweile gut 25 Prozent vom Rekordhoch aus dem Sommer vor zwei Jahren.

Schuld ist die im Zuge der US-Präsidentschaftswahlen von der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton angestossene, öffentliche Debatte um ausufernde Medikamentenpreise. Gerade grosse Biotechnologiekonzerne wie Gilead Sciences mit der Hepatitis-C-Franchise haben bei der Preisgestaltung in den letzten Jahren übertrieben.

Davon lässt man sich bei der UBS Investmentbank jedoch nicht abschrecken. In einer Branchenstudie nehmen die Analysten die Abdeckung amerikanischer Biotechnologieaktien mit einer positiven Einschätzung auf. Allerdings raten sie Anlegern zu einem sehr selektiven Ansatz, sind doch längst nicht alle Unternehmen gleichermassen von der Debatte um zu hohe Medikamentenpreise betroffen. Und auch bei der von US-Präsident Donald Trump in Aussicht gestellten Steuerreform gibt es nicht nur Gewinner.

Vier Schlüsselkaufempfehlungen und eine Verkaufsempfehlung

Insbesondere vier Biotechnologiekonzerne haben es den Studienverfassern sichtlich angetan: Celgene (12-Monats-Kursziel: 140 Dollar, +15 Prozent vom heutigen Stand), Regeneron (12-Monats-Kursziel 435 Dollar, +17 Prozent), Vertex (12-Monats-Kursziel 106 Dollar, +16 Prozent) und Acceleron (12-Monats-Kursziel 36 Dollar, +33 Prozent).

Der Nasdaq Biotech Index notiert noch immer gut 25 Prozent unter den Höchstständen (Quelle: www.cash.ch)

Die Aktien der beiden wohl bekanntesten Branchenvertreter Gilead Sciences (12-Monats-Kursziel von 72 Dollar, +4 Prozent) und Amgen (12-Monats-Kursziel von 185 Dollar, +4 Prozent) werden nur mit "Neutral" eingestuft, jene von Biogen Idec (12-Monats-Kursziel 260 Dollar, -11 Prozent) sogar zum Verkauf empfohlen.

Übertriebene Angst vor staatlich regulierten Medikamentenpreisen

Nachdem der Nasdaq Biotechnology Index im vergangenen Jahr mit einem Rückgang um 22 Prozent den um 11 Prozent höheren S&P-500-Index weit verfehlt hat, machen die UBS-Analysten günstige Einstiegsgelegenheiten aus. Dass über die nächsten Monate wichtige Schlüsselmedikamente die Marktzulassung erhalten sollten, stimmt die Experten ebenso zuversichtlich wie die zahlreichen zur Veröffentlichung anstehenden Studienergebnisse. In beiden Fällen erhoffen sie sich wichtige Kursimpulse.

Die öffentliche Debatte um ausufernde Medikamentenpreise bereitet den Studienverfassern hingegen keine Kopfschmerzen, auch wenn mittlerweile auch US-Präsident Donald Trump sich diesem populären Problem annehmen will.

Nur noch kleinere Biotechaktien in der Schweiz

Die Analysten sehen den US-Markt für verschreibungspflichtige Medikamente über die kommenden zehn Jahre um jährlich bis zu 6 Prozent wachsen. Präparaten gegen seltene Krankheiten trauen sie sogar doppelt so hohe Wachstumsraten zu. Alleine in den nächsten fünf Jahren soll dieses Wirkstoffsegment von 35 auf 50 Prozent aller verschreibungspflichtigen Medikamente heranwachsen, so heisst es weiter.

Auch an der Schweizer Börse SIX gibt es zahlreiche Vertreter aus der Biotechnologieindustrie. Mit Actelion wird das mit Abstand grösste Unternehmen allerdings verschwinden. Der amerikanische Mischkonzern Johnson & Johnson übernimmt die Allschwiler für umgerechnet gut 30 Milliarden Franken.

Zu den bekanntesten Biotechnologiewerten zählen hierzulande Newron Pharmaceuticals, Molecular Partners, Basilea, Cosmo Pharmaceuticals oder auch Santhera. Diese Aktien haben eines gemeinsam: Sie alle weisen einen eher engen Markt auf und unterliegen daher starken Kursschwankungen.