Versicherer: Fünf-Jahres-Hochs und kein Ende

Viele Schweizer Aktien befinden sich auf Allzeit- oder Mehrjahreshochs. In einer Serie beleuchtet cash die Performance und gibt einen Ausblick für die Titel. Heute Teil II: Die Rally der Versicherungsaktien.
07.08.2013 01:00
Von Frédéric Papp
Die Swiss-Life-Aktie ist die günstigste unter den Versicherungswerten.
Die Swiss-Life-Aktie ist die günstigste unter den Versicherungswerten.
Bild: Bloomberg

Die Aktionäre von Schweizer Versicherungsunternehmen können frohlocken. Seit dem Einsetzen der Börsenrally Anfang August 2011 kletterte der entsprechende Unterindex im Swiss Performance Index (SPI) 78 Prozent. Zum Vergleich: Der Gesamtmarkt zog in derselben Zeitperiode 66 Prozent an. Die meisten Schweizer Assekuranzwerte wie Swiss Life, Baloise oder Helvetia befinden sich mittlerweile auf einem Fünf-Jahres-Hoch.

Die Hausse der Versicherungstitel ist umso erstaunlicher, da das Zinsniveau seit langerZeit auf kellertiefem Niveau verharrt. Allerdings erstaunt dies nur auf den ersten Blick. "Die wirtschaftliche Empfindlichkeit der Versicherungswerte gegenüber der Zinsentwicklung ist deutlich niedriger als vor ein paar Jahren", sagt Vontobel-Analyst Stefan Schürmann zu cash. Der Grund: Versicherer hätten die "Durationen" besser im Griff. Das heisst, zehnjährige Garantieleistungen werden auch mit gleichlang laufenden Anlagen abgesichert, so Schürmann.

Gestärkt wurde das Anlegervertrauen laut Schürmann auch durch ein solides Risikomanagement wie auch durch eine Reduktion der Anlagerisiken. Die Versicherer "entgifteten" beispielsweise ihre Bilanzen von südeuropäischen Anleihen. Überdies zahlt der Versicherungssektor verglichen mit dem SPI eine hohe Dividendenrendite von durchschnittlich 4,3 Prozent. Und: Die Assekuranztitel sind relativ zum Gesamtmarkt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2014 von gut 9 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) von knapp 1 immer noch sehr günstig bewertet.

Hier die Schweizer Versicherungsaktien mit einem Fünf-Jahres-Hoch im Detail:

Swiss Life: Die Aktie legte seit August 2011 eine Performance von 86 Prozent hin, gut die Hälfte davon in diesem Jahr. Derzeit notieren die Titel bei rund 175 Franken – so hoch wie seit fünf Jahren nicht mehr. Für weiter steigende Kurse sprechen primär zwei Gründe: Zum einen die nach wie vor attraktive Bewertung. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 8 (2014) und einem Abschlag von 40 Prozent zählen die Swiss-Life-Titel zu den günstigsten der Branche (siehe Tabelle). Der leichte Aufwärtstrend bei den Zinsen wirkt sich positiv auf Neuabschlüsse bei Lebensversicherungen aus. Es können wieder mehr Volumen zu attraktiveren Margen gezeichnet werden. Marktbeobachter sehen die Swiss-Life-Aktie in den kommenden zwölf Monaten bei 190 Franken.

Fazit: Die günstige Bewertung und die intakten Wachstumsaussichten im Neulebengeschäft machen die Swiss-Life-Aktien weiterhin zum Kaufkandidaten.

 

Vaudoise: Vor gut zwei Wochen knackten die Valoren der Westschweizer Versicherungsgruppe die Allzeithochmarke bei 372 Franken. Das Unternehmen will in der Deutschschweiz und im Tessin weiter wachsen, und zwar mit einer raffinierten Strategie: So gibt die Vaudoise einen Teil des Gewinns den Versicherern in Form eines Prämienrabatts zurück. Dies erhöht die Chancen für Neuabschlüsse, drückt aber auf die Dividendenrendite. Positiv zu werten ist das starke Nicht-Leben-Geschäft der Vaudoise.

Fazit: Die kleine Korrektur seit dem Allzeithoch sollten Anleger für einen schrittweisen Zukauf nutzen. Analysten halten die Aktie bei einem Kursniveau von 420 Franken für ausgereizt.

 

Helvetia: Das in St. Gallen domizilierte Unternehmen hat eine starke Position im Lebensversicherungsgeschäft. Ähnlich wie die Swiss Life profitiert somit auch die Helvetia von den höheren Zinsen. Die Aktie liegt mit derzeit 425 Franken so hoch wie seit sechs Jahren nicht mehr. Das zu den mittelgrossen europäischen Versicherern zählende Unternehmen tätigt immer wieder kleinere Akquisitionen, die aus eigenen Mittel finanziert werden. Diese sollen das Wachstum beschleunigen, sagte Helvetia-CEO Stefan Loacker an der Bilanzmedienkonferenz letzten März. Wie Baloise unterhält auch Helvetia ausländische Geschäftseinheiten in Europa, namentlich in Deutschland. Und hier ist der Turnaround erstaunlich schnell gelungen. Nach 18 Millionen Franken Verlust im Vorjahr resultierte 2012 ein operativer Gewinn von 27 Millionen Franken.

Fazit: Die Aktie ist höher bewertet als der Schnitt. Daher sollten Anleger auf Kursrückschläge warten und dann schrittweise Positionen aufbauen.

 

Baloise: Stark angestiegen sind auch die Valoren des Baslers Versicherers. Seit Jahresbeginn sind die Titel um 31 Prozent auf 102 Franken hochgeschossen. Nun stehen sie kurz vor der Egalisierung des Fünf-Jahres-Hochs bei 105 Franken. Ob die Aktie die Hürde überspringt, ist derzeit eher fraglich. So sind die Betriebseinheiten in Deutschland, Belgien und Kroatien wenig rentabel. Die Restrukturierungsarbeiten sind im Gange und dürften laut Baloise erst 2016 abgeschlossen sein. Interessant ist hingegen die Aussage von CEO Martin Strobel von Mitte Juli, wonach die Dividenden mittelfristig eher höher ausfallen werden. Baloise zählt bereits heute mit einer Dividendenrendite von 4,4 Prozent zur Spitze im Schweizer Markt.

Fazit: Anleger sollten sich mit Käufen zurückhalten und den Semesterabschluss am 29. August abwarten.

Die Schweizer Versicherungsaktien auf Mehrjahres-Hochs

Titel/Kennzahlen KGV 2014 KBV Div.rendite Perf. letzte zwei Jahre
Swiss Life 8 0,6 2,7% 86%
Vaudoise 8 0,9 2,7% 47%
Helvetia 11 1,0 4,1% 61%
Baloise 10 1,0 4,4& 50%

Quelle: cash.ch, Stand: 6. August 2013

KGV=Kurs-Gewinn-Verhältnis

KBV=Kurs-Buchwert-Verhältnis

Bereits erschienen in der cash-Serie: Die vier SMI-Aktien auf Rekordniveau