Versicherungen - Fünf Stichworte für Vaudoise-CEO Philippe Hebeisen

Als mittelgrosser Versicherer dreht sich auch bei der Vaudoise vieles um Tiefzinsen, Digitalisierung und Politik. Im cash-Video-Interview äussert sich CEO Philippe Hebeisen zu den aktuellen Herausforderungen.
29.03.2017 14:53
Von Marc Forster
Philippe Hebeisen, CEO der Vaudoise-Versicherungen.
Bild: cash

Der Versicherer Vaudoise ist 2016 weniger stark gewachsen und hat einen tieferen Gewinn erzielt. Vor allem das Nichtlebengeschäft lahmt etwas. Gegensteuer geben will das Lausanner Unternehmen mit Wachstum in der Deutschschweiz, neuen Produkten bei Lebensversicherungen und dem Ausbau des Immobilenfonds-Geschäfts.

Aber wie denkt das Unternehmen über aktuelle Herausforderungen, die auch über das reine Versicherungsgeschäft hinausgehen? Generaldirektor Philippe Hebeisen beantwortet fünf Fragen von cash.

Digitalisierung, Big Data, Insurtech und künstliche Intelligenz

Die Digitalisierung schaffe Möglichkeiten zu Produktivitätsverbesserungen, sagt Phillippe Hebeisen im cash-Video-Interview. Nach eigenen Angaben schaut sich das Unternehmen auch unter den Fintech bzw. Insurtech oder Assurtech um, allenfalls mit dem Ziel, eine solche Start-up-Plattform zu kaufen. Interne Initiativen seien aber schon am Laufen, sagt Hebeisen: "Bei Vaudoise laufen verschiedene Initiativen, darunter jene, Bagatellschäden alleine mit einem Roboter, also mittels künstlicher Intelligenz, abwickeln zu können." Auch Big Data sei ein grosses Thema: Es brauche aber noch Zeit, bis wir wirklich die Konsequenzen und Analysten der vielen gesammelten Daten kennen, sagt Hebeisen.

Tief- und Negativzinsen

Die Negativzinsen der Nationalbank liegen weiterhin bei -0,75 Prozent, die Obligationenzinsen sind im langjährigen Vergleich immer noch tief. Die Vaudoise will den Herausforderungen wie andere Versicherer mit dem sogenannten Bilanzstrukturmanagement (Asset-Liability-Management) meistern. Dies diene dazu, Verpflichtungen auf der Passivseite der Bilanz bis zum Ablauf der Policen halten zu können, sagt Hebeisen. "Bei uns ist die Priorität eben nicht, um jeden Preis mit dem Versicherungsportfolio zu wachsen, sondern die bestehenden Zinsen auf dem Portfolio sorgfältig zu analysieren."

Altersvorsorge 2020

Die Vaudoise erzielt über 80 Prozent der Prämien im Nichtlebengeschäft, womit die Veränderungen, die durch die Rentenreform 2020 auf die Schweizer Bevölkerung zukommen, nicht das Kerngeschäft des Unternehmens betreffen. Als CEO hat Philippe Hebeisen aber eine klare Meinung zum Beschluss von National- und Ständerat, unter anderem die AHV zu stärken und das Frauen-Pensionsalter anzuheben: "Wie immer in der Schweiz wurde ein Kompromiss gefunden, aber es ist ein schlechter Kompromiss." Er hätte sich eine stärkere Betonung der zweiten Säule, also der beruflichen Vorsorge, gewünscht. Hebeisen glaubt aber, dass die Vorlage im September an der Urne durchkommt.

Globalisierung vs. Protektionismus

Die protektionistischen Pläne der Regierung Trump in den USA und der beträchtliche Widerstand von Wählern in vielen westlichen Ländern gegen die Globalisierung betreffen die Vaudoise, ein mittelgrosser Schweizer Versicherer, nicht direkt. Hebeisen beobachtet aber die Situation, derzeit vor allem die Präsidentschaftswahlen im benachbarten Frankreich. "Diese Rahmenbedingungen, dazu gehört auch der Brexit, haben Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft." Die Versicherungsbranche sei zwar kein "signal avancé", also kein Vorlaufindikator für die Konjunktur. "Wir erleben die Auswirkungen erst nachträglich", sagt Hebeisen.

Deutschschweiz

Diese Woche hat die Vaudoise in Bern die Gesellschaften Berninvest und Dr. Meyer Asset Management übernommen, die Immobilien-Anlagefonds vertreiben. Ein Hintergrund des Zukaufs sei der Wunsch nach Diversifikation, sagt Hebeisen. Aber auch in geografischer Hinsicht sei der Kauf interessant: "Wir sind auf den Schweizer Markt fokussiert, aber der Zukunfts- und Wachstumsmarkt ist für uns vor allem die Deutschschweiz." 2016 etwa nahm die Vaudoise im Sachgeschäft 545 Millionen Franken in der Deutschschweiz ein, 274 Millionen in der Romandie und 47 Millionen im Tessin. Allerdings wuchs das Geschäft in der Deutschschweiz nur um 4,5 Prozent, während es in der französischsprachigen Schweiz um 6,2 Prozent und im Tessin um 5,7 Prozent zulegte.