Versicherungsgruppe steigert ErgebnisZurich-Aktie von Gewinnmitnahmen belastet

Der Versicherungskonzern Zurich übertrifft die Analystenerwartungen beim Betriebsgewinn nur mit Hilfe einmaliger Faktoren. Folglich fällt die Aktie immer wieder Gewinnmitnahmen zum Opfer.
09.02.2017 14:38
Von Lorenz Burkhalter
Seit Mario Greco das Ruder übernommen hat, liefert die Zurich Insurance Group ab.
Seit Mario Greco das Ruder übernommen hat, liefert die Zurich Insurance Group ab.
Bild: ZVG

Unter ihrem neuen Konzernchef Mario Greco hat die Zurich Insurance Group einen regelrechten Lauf: Mit dem Betriebsgewinn für das Schlussquartal übertrifft der traditionsreiche Versicherungskonzern aus Zürich zum vierten Mal in Folge die Markterwartungen.

Allerdings liegt der Teufel wie so oft im Detail. In Analystenkreisen wird gleich auf mehrere einmalige und den Betriebsgewinn aufblähende Faktoren verwiesen.

In der Folge hat die Zurich-Aktie an der Schweizer Börse SIX einen eher schweren Stand. Zur Stunde verliert sie 1,7 Prozent auf 279,30 Franken, nachdem Gewinnmitnahmen die Kursnotierungen im frühen Handel sogar bis auf 278,10 Franken zurückfallen liessen.

Versöhnliche Worte findet der für Kepler Cheuvreux tätige Experte. Wie er in einem Kommentar schreibt, war das Schlussquartal beim Versicherungskonzern von einer Vielzahl kleinerer Sonderposten geprägt. Um alle diese Posten bereinigt liege die Gewinnentwicklung insgesamt im Rahmen der Erwartungen, so lautet sein Fazit. Als enttäuschend bezeichnet er hingegen das im Nichtlebengeschäft erzielte Combined Ratio von 98,5. Trotz geringen Kosten im Zusammenhang mit Naturkatastrophen und Aufwertungen sei es dem Unternehmen nicht gelungen, umfassendere Verbesserungen zu erzielen.

Amerika-Geschäft wird unterschiedlich beurteilt

Er empfiehlt die Aktie deshalb wie bis anhin mit "Reduce" und einem Kursziel von 270 Franken zum Verkauf.

Optimistischer äussert sich sein Berufskollege von der Zürcher Kantonalbank. Seines Erachtens zeigt der vorliegende Zahlenkranz insgesamt eine gute Geschäftsentwicklung, wobei die Erwartungen teilweise etwas übertroffen worden seien. Insbesondere vom starken Gewinnbeitrag der amerikanischen Tochter Farmer zeigt er sich sichtlich angetan. Der Experte sagt der mit "Übergewichten" eingestuften Zurich-Aktie deshalb sogar einen gewissen Nachholbedarf nach.

Die Zurich-Aktien machen die Kursscharte aus dem frühen Handel wett; Quelle: www.cash.ch

Diese Meinung zu Farmers teilt man bei der Bank Vontobel allerdings nicht. Wie einem Kommentar der Zürcher Bank zu entnehmen ist, profitierte die amerikanische Tochter im Schlussquartal von einmaligen Gewinnen auf Pensionsverpflichtungen. Diese Gewinne ausgeklammert, deckt sich der Ergebnisbeitrag weitestgehend mit den Erwartungen.

Es bleibt Raum für Verbesserungen

Wie der Experte weiter schreibt, scheint die Zurich Insurance Group mit ihren Restrukturierungsmassnahmen in einem anhaltend schwierigen Marktumfeld auf Kurs zu sein. Den Ausblick beurteilt er als insgesamt recht positiv und in der soliden Solvenzposition sieht er eine gute Basis für attraktiv hohe Dividendenzahlungen. Dennoch lässt man bei der Bank Vontobel die Kundschaft wissen, dass bis zu den Unternehmenszielen für das Jahr 2019 noch ein weiter Weg sei. Das Anlageurteil lautet unverändert "Hold", das Kursziel wird mit 285 Franken angegeben.

Die Analystin von Morgan Stanley wiederum bezeichnet die im Schlussquartal beobachtete Gewinnentwicklung als solide. Auf Stufe des Betriebsgewinns (BOP) seien ihre Erwartungen leicht übertroffen worden. Gefallen findet sie neben der grosszügigen Dividende auch an der starken Eigenkapitalbasis. Dennoch lässt die Analystin durchblicken, dass weitere operative Verbesserungen notwendig sind. Sie stuft die Aktie vorerst mit "Equal-weight" und einem Kursziel von 295 Franken ein.

Wie es im hiesigen Handel heisst, verlagert sich das Interesse bei der Zurich Insurance Group nun auf den Dividendenabgang von Anfang April. In diesem Zusammenhang ist von vereinzelten Gelegenheitskäufen zu hören.