Versicherungskonzern - Zahlen verleihen der Zurich-Aktie kaum Schwung

Zurich Insurance steigert den operativen Halbjahresgewinn zweistellig und übertrifft die Erwartungen. Weil Analysten aber Haare in der «Zahlen-Suppe» finden, gibt die Aktie vorbörsliche Kursgewinne grösstenteils preis.
09.08.2018 14:13
Von Lorenz Burkhalter
Historischer Bau: Zurich-Haupsitz am Mythenquai.
Historischer Bau: Zurich-Haupsitz am Mythenquai.
Bild: cash

Im Vorfeld der Ergebnisveröffentlichung vom Donnerstag hatten Analysten bei der Zurich Insurance Group mit einer unspektakulären ersten Jahreshälfte gerechnet. Doch es sollte anders kommen: Allen Unkenrufen zum Trotz kann der Versicherungskonzern den Betriebsgewinn (BOP) im Jahresvergleich um 12 Prozent steigern. Dank Steuererleichterungen im Zusammenhang mit der US-Steuerreform steigt der Reingewinn gar um 19 Prozent. Einige der Analysten waren von einem leichten Gewinnrückgang ausgegangen. Einziges Haar in der Suppe ist die stark rückläufige Eigenkapitalentwicklung.

An der Schweizer Börse SIX gibt die Zurich-Aktie ihre vorbörslichen Kursgewinne wieder preis. Zur Stunde gewinnt sie magere 0,1 Prozent auf 301 Franken. Die Tagestiefstkurse liegen gar bei 298,20 Franken.

Das Lebensversicherungsgeschäft brummt

Die UBS spricht von einem soliden Resultat und begrüsst die im ersten Halbjahr erzielten operativen Fortschritte. Der Betriebsgewinn sei vor allem auf einen starken Gewinnbeitrag aus dem Lebensversicherungsgeschäft besser als erwartet ausgefallen, so die Grossbank.

Berechnungen der UBS zufolge wurden die Markterwartungen beim Betriebsgewinn im Lebensversicherungsgeschäft um 12 Prozent, auf Gruppenebene immerhin um 8 Prozent übertroffen. Im Gegenzug zeigt man sich bei der Grossbank leicht enttäuscht vom Abschneiden der US-Tochter Farmers. Das Anlageurteil für die Aktie lautet weiterhin "Neutral", das 12-Monats-Kursziel liegt mir 309 Franken nur unwesentlich über den aktuellen Kursnotierungen.

Halbjahresgewinn durch Sonderfaktoren aufgebläht...

Auch die Bank Vontobel und die Zürcher Kantonalbank zeigen sichtlich Gefallen am Erfolg der in der Vergangenheit eingeleiteten Restrukturierungsmassnahmen sowie den daraus resultierenden operativen Fortschritten. Julius Bär erhöht auf Basis des vorliegenden Zahlenkranzes gar das Kursziel für die Zurich-Aktie auf 330 (zuvor 325) Franken. Das Anlageurteil bleibt aus Bewertungsgründen "Hold".

Etwas vorsichtiger äussert sich der Autor eines Kommentars aus dem Hause Baader-Helvea. Er macht umfassendere Reserveauflösungen sowie einmalige Gewinne im Lebensversicherungsgeschäft für die Gewinnüberraschung verantwortlich. Um diese Faktoren bereinigt liege der Zahlenkranz bestenfalls im Rahmen der Erwartungen, so lautet sein eher ernüchterndes Urteil. Der Autor stuft die Zurich-Aktie wie bis anhin mit "Hold" und einem Kursziel von 310 Franken ein.

Ähnlich äussert sich der Berufskollege von Kepler Cheuvreux. Gemäss seinen Berechnungen bewegt sich die Gewinnentwicklung um einmalige Faktoren bereinigt ebenfalls nur im Rahmen der Erwartungen. Die ermutigenden Aussagen zum zukünftigen Ergebnisbeitrag erachtet der Analyst als wenig überraschend. Er hält am "Hold" lautenden Anlageurteil sowie am Kursziel von 340 Franken fest.

...Dividendenaussichten bleiben aber intakt

Für Gesprächsstoff sorgt die Eigenkapitalentwicklung. Mit 29,7 Milliarden Dollar liegt das Eigenkapital nicht nur um rund 10 Prozent unter dem Stand von Mitte 2017, sondern auch unter der Erwartungsbandbreite der Analysten. Diese verläuft zwischen 30,2 und 32,6 Milliarden Dollar.

Allerdings scheint die grosszügige Ausschüttungspolitik deswegen nicht in Gefahr. Denn die für die Dividende wichtige Z-ECM-Quote liegt mit geschätzten 134 Prozent noch immer über der Zielbandbreite von 100 bis 120 Prozent. Das lässt eine Fortsetzung der bisherigen Ausschüttungspolitik erwarten.

Für das Geschäftsjahr 2018 rechnen Analysten im kommenden Frühjahr mit einer Dividende von 19 Franken je Aktie. Das entspräche einer Rendite von 6,3 Prozent. Zudem könnte der Versicherungskonzern erneut ein Aktienrückkaufprogramm auflegen, um den Verwässerungseffekt aus dem Mitarbeiterbeteiligungsprogramm aufzufangen. Faktisch müsste man diese Aktienrückkäufe zur Dividendenrendite hinzuschlagen.