Versicherungskonzern - Zurich-Chef erteilt Grossübernahme eine Absage

Zurich will sich an der erwarteten Branchenkonsolidierung nicht mit grossen Übernahmen beteiligen.
03.07.2017 07:31
Mario Greco, CEO Zurich Insurance Group.
Mario Greco, CEO Zurich Insurance Group.
Bild: ZVG

"Nun, ich kann nur sagen, dass wir keinerlei Interesse an grösseren M&A-Transaktionen haben", antwortete der seit rund einem Jahr amtierende Konzernchef Chef Mario Greco in einem "Handelsblatt"-Interview (Montagausgabe) auf die Frage, ob angesichts der Neuordnung bei den Versicherern auch grosse Konzerne nicht mehr vor Attacken sicher sind.

Anfang des Jahres hatte es in der Branche grosse Aufregung um die mögliche Übernahme des italienischen Versicherers Generali gegeben. Die italienische Bank Intesa hatte Interesse bekundet, dann aber letztendlich abgewunken. Auch dem französischen Versicherer Axa wurde Interesse an dem italienischen Konzern, der mit einer Marktkapitalisierung von etwas mehr als 20 Mrd EUR zu den Branchengrössen gehört, nachgesagt.

Wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase und der Digitalisierung stehen die Versicherer unter Druck. Experten gehen daher davon aus, dass es in der Branche zu weiteren Zusammenschlüssen oder dem Verschwinden vieler Versicherer kommt. So hatte zum Beispiel der deutsche Konzern Allianz mit der Übernahme des australischen Konkurrenten QBE für gut 20 Mrd USD geliebäugelt. QBE wies die Spekulationen aber zurück.

Viele Versicherer werden von der Bildfläche verschwinden

Zurich-Chef Greco setzt derweil weiter auf kleinere Übernahmen. "Natürlich tätigen wir weiter Transaktionen, aber dabei konzentrieren wir uns auf geografische Gebiete oder bestimmte Produktlinien. So haben wir in den letzten Monaten in Australien zwei Firmen übernommen, und wir haben uns auch von einigen kleinen Geschäftseinheiten in verschiedenen Regionen getrennt. Aber wir denken nicht über Grossakquisitionen nach."

Er geht davon aus, dass in den kommenden Jahren viele Versicherer von der Bildfläche verschwinden. "Wir haben derzeit ungefähr 4000 Versicherer in Europa, ungefähr weitere 4000 in den USA und viele in Asien, deren Zahl schwer zu schätzen ist", sagte er. "Aber diese Zahl ist klar zu hoch. Wir werden in einigen Jahren deutlich weniger Assekuranzen haben."

Als Auslöser macht der 58-Jährige Italiener unter anderem einen grundlegenden Wandel des Verbraucherverhaltens aus. "Die Kunden fangen an, das Wachstum des Marktes zu bestimmen, weil sie dorthin gehen, wo sie glauben, dass es am besten für sie ist", sagte Greco. "Der Markt wird sich deshalb stark konzentrieren - aber nicht durch Übernahmen, sondern dadurch, dass einige Firmen schlicht vom Markt verschwinden werden."

(AWP)