Versicherungskonzern - Zwischenbericht von Zurich Insurance ohne Überraschungen

Zurich Insurance legt einen Zwischenbericht im Rahmen der Erwartungen vor. Ein Lichtblick ist die starke Eigenkapitalsituation. Dennoch tritt die Aktie an Ort und Stelle.
09.11.2017 10:57
Von Lorenz Burkhalter
Zurich-Konzernchef Mario Greco.
Zurich-Konzernchef Mario Greco.
Bild: ZVG

Erstmals gelangt die Zurich Insurance Group für das zurückliegende dritte Quartal nur mit einem oberflächlich gehaltenen Zwischenbericht an die Öffentlichkeit.

Trotz oder gerade wegen fehlender Rentabilitätskennzahlen bleiben grössere Überraschungen aus. Sowohl die vereinnahmten Bruttoprämien im Nichtlebengeschäft als auch die Angaben zum Neugeschäft im Lebensversicherungsbereich bewegen sich im Rahmen der Analystenerwartungen.

Der eigentliche Lichtblick, so sind sich die Experten einig, ist die gegenüber Ende Juni erneut leicht höhere sogenannte Z-ECM-Quote. Das firmeneigene Zurich Economic Capital Model (Z-ECM) setzt das bilanztechnische Eigenkapital ins Verhältnis mit der Kapitalbindung. Mit 136 Prozent liegt diese Quote deutlich über dem erklärten Zielbereich von 100 bis 120 Prozent und lässt damit eine Sonderdividende, Aktienrückkäufe oder ergänzende Firmenübernahmen zu.

An der Schweizer Börse SIX gewinnt die Zurich-Aktie zur Stunde 0,1 Prozent auf 303,80 Franken. Im bisherigen Handelsverlauf wurden Kurse zwischen 301,30 und 304,90 Franken bezahlt.

Wie gewohnt keine guten Worte findet der für Alliance Bernstein tätige Versicherungsanalyst. Seines Erachtens birgt der Zwischenbericht kaum hilfreiche Anhaltspunkte in Bezug auf die Margenentwicklung. Ausserdem verweist er auf die Tatsache, dass keine gesammelten Konsensschätzungen für die ersten neun Monate vorliegen. Das mache eine Beurteilung schwierig, so der Experte.

Verbesserungen bei der Solvabilität wecken Dividendenhoffnungen

Was die zur Gewinnentwicklung und zur Preisgestaltung im Nichtlebengeschäft gemachten Aussagen anbetrifft, werden diese bei Alliance Bernstein insgesamt leicht negativ beurteilt. Das Anlageurteil für die Zurich-Aktie lautet deshalb weiterhin "Underperform".

Dem für Baader-Helvea tätigen Berufskollegen zufolge birgt der Zwischenbericht keine bahnbrechenden Neuigkeiten. Er begrüsst die starke Solvabilität und schliesst von der firmeneigenen Z-ECM-Quote von 136 Prozent auf eine Quote nach dem Swiss Solvency Test von mehr als 240 Prozent.

Trotz milliardenschwerem Überschusskapital rechnet der Analyst zumindest im laufenden Jahr nicht mit einer Dividendenerhöhung. Nach der grundlegenden Neubewertung der letzten Jahre stuft er die Aktie mit "Hold" und einem Kursziel von 290 Franken ein.

Etwas zuversichtlicher äussert sich der Versicherungsexperte von J.P. Morgan. Er geht davon aus, dass den Aktionären im kommenden Frühling ein Franken mehr Dividende als im Vorjahr ausbezahlt wird. Das entspräche 18 Franken und damit aus heutiger Sicht einer Rendite von 5,9 Prozent. Weitere Fortschritte erhofft sich der Analyst im Nichtlebengeschäft. In diesem Bereich kann die Rentabilität allem Anschein nach noch nicht mit jener bei anderen Versicherungsgesellschaften mithalten.

Bei Julius Bär und der Bank Vontobel lässt man hingegen durchblicken, dass die Zurich Insurance Group im Nichtlebengeschäft unter Druck stehe und die Situation weiterhin schwierig sei.

Warten auf den Investorentag

Der Autor eines Kommentars der UBS Investmentbank gewinnt dem Zwischenbericht hingegen vorwiegend positive Aspekte ab. Er bezeichnet die im dritten Quartal beobachtete Prämienentwicklung in Nordamerika und Europa als ermutigend und das Wachstum in Lateinamerika als stark. Sichtlich Gefallen findet er auch an der starken Eigenkapitalsituation.

Im Hinblick auf den diesjährigen Investorentag vom 15. November erhofft sich der UBS-Analyst konkrete Anhaltspunkte dafür, ob das Überschusskapital an die Aktionäre zurückgeführt wird. Bis dahin hält er am "Neutral" lautenden Anlageurteil fest. Das 12-Monats-Kursziel gibt er mit 300 Franken an.