Viele Schlagzeilen - schlechter Kurs?

Bei Sika tobt der Übernahmestreit mit Saint-Gobain, bei Holcim wackelt die Fusion mit Lafarge, und Transocean liefert sowieso dauernd Schlagzeilen. Aber: Wie steht es mit häufig eher schlechten News um den Aktienkurs?
07.04.2015 01:05
Von Marc Forster
Sika, Holcim und Transocean müssen sich über mangelnde Bericherstattung nicht beklagen.
Sika, Holcim und Transocean müssen sich über mangelnde Bericherstattung nicht beklagen.
Bild: sxc

cash wagt einen Blick auf die drei Titel, die in den letzten Wochen und Monaten oft in den Börsenberichten auftauchten.

Sika: Angefangen hatte es Ende 2014 damit, dass die Familie Burkard ihre 16 Prozent Anteile, mit der 52 Prozent der Stimmen verbunden sind, an die französische Saint-Gobain verkaufen wollte. Der Machtkampf zwischen den Sika-Erben auf der einen Seite und dem Verwaltungsrat auf der anderen Seite bringt Woche für Woche neue Wendungen. Den Überblick zu behalten ist anstrengend. Die jüngste Kapriole liefert eine Entscheidung der Übernahmekommission, die der Familie Burkard Recht gibt: Saint-Gobain muss beim Kauf des Aktienpakets der Burkards den anderen Aktionären kein Kaufangebot unterbreiten. Die Bill und Melinda Gates Stiftung, ein Sika-Grossaktionär, hat schon Einspruch angekündigt.

Die Sika-Aktie hat stark gelitten, als die Verkaufspläne der Erbenfamilie im Dezember bekannt geworden waren. Der Kurs fiel von 3900 Franken auf 2750 Franken, um dann nach dem SNB-Mindestkursentscheid auf ein Zwei-Jahres-Tief bei unter 2640 Franken zu fallen. Seitdem hat sich die Aktie aber wieder um 28 Prozent nach oben gearbeitet. Gemäss den Analysten der Bank Rahn & Bodmer wird sich das Sika-Papier bis zur Generalversammlung am 14. April etwa bei den gegenwärtigen 3500 Franken bewegen. Der Wirren um die Besitzverhältnisse zum Trotz läuft bei Sika das meiste gut, die Produkte überzeugen. Die Grossbank HSBC hat ihr Vertrauen in Sika gerade bekräftigt und das Kursziel auf 4000 Franken gesetzt.

Holcim: Der vor einem Jahr angekündigte Zusammenschluss mit dem französischen Konkurrenten Lafarge ist noch nicht in trockenen Tüchern. Auf Druck von Aktionären musste das Tauschverhältnis geändert werden. Ausserdem gibt es Widerstand gegen Bruno Lafont, der von Lafarge kommt und der der neben Holcim-Präsident Wolfgang Reitzle als Co-Verwaltungsratspräsident des künftigen Fusionsgebildes fungieren soll. Der Plan, Lafont zum CEO von Holcim-Lafarge zu machen, liess sich nicht durchsetzen. Mehr Klarheit schafft die Holcim-Generalversammlung am 8. Mai. Der Holcim-Anteilseigner Eurocement des russischen Investoren Filaret Galtschew mit einem Anteil von 10,8 Prozent könnte aber noch Turbulenzen auslösen.

Die Analysten von Vontobel, Kepler, der Deutschen Bank oder Natixis nehmen die Holcim-Aktie trotz der Unsicherheiten, ob die Fusion wirklich zustandekommt, nicht vom Kaufzettel. Die Entscheidung Mitte März, das Umtauschverhältnis von 53:47 auf 56:44 zugunsten von Holcim zu ändern, dürfte die Chancen auf ein Gelingen der Fusion erhöhen. Die Deutsche Bank etwa hat das Kursziel dieses Jahr schon von 81 auf 91 Franken erhöht, Exane BNP von 77 auf 86 Franken. Aktuell liegt der Kurs bei 72 Franken – 86 Franken ist just der Preis, mit dem die Aktie innerhalb eines Jahres im letzten Juni ihren Höchststand hatte.

Transocean: Bei Transocean sorgte Anfang Jahr ein Chefwechsel für Schlagzeilen. Die Dividende wird von 3 auf 0,60 Dollar gekürzt, und auch sehr hohe Management-Gehälter sind beim Ölplattformkonzern immer wieder ein Thema. Zudem taucht das amerikanische Unternehmen mit Kotierung im SMI häufig im Börsenbericht auf, denn die Aktie gehört zu den schwankungsanfälligen an der Schweizer Börse. Doch für die weitaus wichtigsten Schlagzeilen, die um das Unternehmen bestehen, kann es selbst wenig: Der sinkende Ölpreis hat den Konzern auf dem falschen Fuss erwischt.

Vor Ostern hat Transocean bekannt gegeben, dass zwei Plattformen verschrottet werden. Das hilft, die Kosten zu senken, ist aber auch ein sichtbares Zeichen dafür, dass zum Jahresanfang keine bedeutenden neuen Verträge geschlossen werden konnten. Die Aktie hat seit dem letzten Sommer, also als die Ölpreise zu sinken begannen, zwei Drittel ihres Werte verloren und kostet im Moment knapp 14 Franken. Experten raten Anlegern, die hohe Risiken scheuen, bei Transocean in aller Regel und schon seit längerem: Hände weg!