Vieles spricht für eine Fortsetzung der Gold-Rally

Kommt es zu einem Ausstieg der Briten aus der Europäischen Union, setzen Marktteilnehmer auf weitere Gewinne bei Gold. Auch weitere Faktoren sprechen für eine Fortsetzung der Gold-Rally.
18.06.2016 06:25
Gold hat sich in diesem Jahr in Dollar gemessen um 22 Prozent verteuert.
Gold hat sich in diesem Jahr in Dollar gemessen um 22 Prozent verteuert.
Bild: Pixabay

Der Goldpreis könnte den höchsten Stand der letzten beiden Jahre erreichen, sollten die Brexit-Befürworter am 23. Juni tatsächlich Erfolg haben. Ein Niveau von 1350 Dollar halten 22 Prozent der Händler und Analysten im Rahmen einer Bloomberg-Umfrage in der Woche der Abstimmung für möglich. Das wären rund drei Prozent mehr als derzeit. Sollten die Briten aber in der EU bleiben, könnte das Edelmetall nach der Umfrage auf 1250 Dollar fallen.

Der Anstieg des Edelmetalls in den vergangenen beiden Wochen spiegelt bereits die verstärkte Stimmung in Richtung eines Austritts. So hat "The Sun" als meistverkaufte britische Zeitung den Brexit in dieser Woche auf der Titelseite unterstützt. 

Ganz überzeugt sind die Marktteilnehmer von einem Ausstieg aber noch nicht. "Eine Zustimmung zum Brexit wäre wahrlich ein Schock", merkt Ken Hoffman, Analyst für Metalle und Rohstoffe bei Bloomberg Intelligence in einer Stellungnahme an. "Trotz der Umfragen scheint das Bauchgefühl der meisten Anleger, mit denen ich spreche, noch in Richtung eines Verbleibs zu tendieren."

Anleger suchen sicheren Hafen

Die verstärkte Unsicherheit dürfte sicherheitsorientierten Anlagen in die Hände spielen. "Wenn sich Grossbritannien für einen Ausstieg entscheidet, wird es anhaltende Unsicherheit über das Wie und Wann des Austritts geben", sagt Ross Norman, Chief Executive Officer des Goldhändler Sharps Pixley. "Dies wird die Preise treiben", fügt das Urgestein der Branche mit 30 Berufsjahren hinzu. 

Im laufenden Monat hat Gold auf Dollarbasis schon 7,7 Prozent zugelegt. Zugleich sind die Bestände börsengehandelter Fonds, die mit Gold unterlegt sind, auf den höchsten Stand seit 2013 geklettert.

Goldhändler bereiten sich unterdessen auf hohe Nachfrage vor. So hat CoinInvest.com mit Sitz in Frankfurt die Öffnungszeiten verlängert und zusätzliches Personal eingestellt. Der Absatz ist in diesem Jahr um 35 Prozent gestiegen. Die Münzprägeanstalt "The Royal Mint" ist laut eigener Aussage aus dem Vormonat für Marktturbulenzen gewappnet.

Analyst Chris Jost, Spezialist für Metalle und Rohstoffe bei Goldman Sachs legt Anlegern in einer Studie aus dieser Woche auch Minenwerte ans Herz. Titel wie AngloGold Ashanti Ltd. und Barrick Gold Corp. sollten Verluste anderer Anlagen in den Portfolios bei einem Austritt ausgleichen.

Weitere Faktoren treiben den Goldpreis

Aber nicht nur der Brexit macht Gold interessant. Auch die US-Präsidentschaftswahlen, der schwächere Dollar und Negativzinsen in Japan und Europa spielen eine Rolle. Nicht umsonst ist das Edelmetall nach drei schwachen Jahren in Folge 2016 auf Dollar-Basis über 23 Prozent nach oben geschossen.

Daher droht wohl auch bei einem Verbleib der Briten in der EU kein Ausverkauf. "Ich glaube nicht, dass eine Bleiben-Entscheidung den Goldpreis kollabieren lässt", stellt Gold- und Devisenhändler David Govett von Marex Spectron in London in einem Kommentar fest. "Hinter dieser Rally steckt mehr."

Somit ist Gold wohl gut unterstützt. Jeffrey Rhodes, CEO von Zee Gold DMCC in Dubai, sagte in einem Interview mit Bloomberg TV, dass Gold bei einem Verbleib zwar auf 1.100 Dollar abschmieren könnte. Massive Nachfrage aus Indien und China dürfte dann jedoch den Markt stabilisieren.

(Bloomberg)