Volkswagen stellt Weichen für die Zeit nach Dieselgate

Volkswagen-Chef Matthias Müller will kommende Woche die Weichen für die Zukunft des wegen der Dieselaffäre angeschlagenen Autobauers stellen.
11.06.2016 06:04
Matthias Müller, CEO von Volkswagen.
Matthias Müller, CEO von Volkswagen.
Bild: Bloomberg

Dabei muss Müller den Wolfsburger Zwölf-Marken-Konzern umpolen, um von den heimischen Rivalen BMW und Daimler nicht abgehängt zu werden, die schneller auf den durch Apple, Google oder Uber getriebenen Wandel der Branche reagiert haben. Denn wohl schon in zehn Jahren steht für die Kundschaft der Besitz des eigenen Autos nicht mehr im Mittelpunkt, sondern Mobilität auf Abruf. Neue Dienstleistungen wie Chauffeur- und Taxidienste oder die Kurzzeitmiete eines Wagens werden immer wichtiger. Zugleich werden herkömmliche Verbrennungsmotoren zunehmend durch Elektroantriebe oder der Kombination von beidem verdrängt.

An seinen Zielen hat Müller in den vergangenen Monaten parallel zur Aufarbeitung des Dieselskandals gefeilt. Die Neuausrichtung soll der Aufsichtsrat am Dientag absegnen, zwei Tage später will der VW-Chef die "Strategie 2025" auf einer Pressekonferenz in Wolfsburg der Öffentlichkeit präsentieren.

Teile von Müllers Plänen sind bereits durchgesickert. Der nach Toyota weltweit zweitgrößte Autokonzern soll flexibler und profitabler werden, die einzelnen Marken und Regionen mehr Einfluss auf Modelle und Produktion erhalten. Nach dem Beispiel des koreanischen Autobauers Hyundai sollen Autos stärker nach dem Geschmack der Käufer in den verschiedenen Regionen designt werden. Nicht mehr alles soll zentral von Wolfsburg vorgegeben werden.

"Ein Unternehmen dieser Größe kann man nicht mit den Prinzipien und Strukturen von gestern steuern", sagte Müller unlängst vor VW-Managern. "Es kann schlicht nicht sein, dass ein Konzern, der zehn Millionen Fahrzeuge pro Jahr verkauft, die Skaleneffekte und Synergien nicht in dem Maße hebt, wie das eigentlich möglich und nötig wäre." Dies könne mancher Wettbewerber leider besser.

In der 'neuen' Volkswagen-Welt werde der Konzern in erster Linie steuern und integrieren. Die Zentrale am Mittellandkanal in Wolfsburg sei jedoch "kein zahnloser Tiger". "Wir werden künftig genauer darauf achten als das früher der Fall war, ob Ziele erreicht und Vorgaben eingehalten werden."

VW soll konkrete Renditeziele vorgeben

Müller werde dem Konzern im Rahmen der Strategie 2025 konkrete Renditeziele vorgeben, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von einem Insider. Vorgaben für Margen einzelner Marken werde er nicht nennen. Dies sei Sache der jeweiligen Marken-Vorstände. Mit Spannung erwarten Börsianer zudem Aussagen, wie der Konzern das Zusammenspiel der einzelnen Töchter koordinieren will.

Bislang hat Volkswagen das Baukastensystem dazu genutzt, um die Marken technisch nach Einheiten zusammenzufassen. Die vier Markengruppen - die Volumenmarken VW, Skoda und Seat, die Premiummarken Audi, Ducati und Lamborghini, die Sportmarken Porsche, Bentley und Bugatti sowie die Nutzfahrzeuge von VW, MAN und Scania - wurden zwar de facto umgesetzt. Die Lkw-Gruppe mit dem früheren Daimler-Manager Andreas Renschler an der Spitze arbeitet bereits ihre Ziele ab. Bei den Pkw-Gruppen ist jedoch unklar, ob Müller dieses Modell beibehalten will.

Größte Baustelle ist die Hauptmarke VW, die von Herbert Diess geleitet wird. Die Marke um Golf und Passat dürfe keine Zeit verlieren, mahnte der frühere BMW-Manager jüngst, "denn die Veränderungen in unserer Branche kommen jetzt sehr schnell - und sie sind von großer Tragweite". Nach monatelangem Streit über den Kurs wollen sich Vorstand und Betriebsrat nun zusammenraufen, um die Neuausrichtung der schwächelnden Sparte voranzutreiben. Bis Herbst soll ein Zukunftspakt vereinbart werden, der der Belegschaft die Angst vor Arbeitsplatzabbau nimmt. 

(Reuters)