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«Von der Autobahn auf die Schotterpiste»

Die Börsen-Strasse hat zwar einige Schlaglöcher erhalten, die Kurse düften aber weiter steigen, sagt cash-Guru Alfred Herbert im Börsen-Talk. Und er erläuert, warum er diese Woche Edelmetall-Positionen verkauft hat.
28.02.2014 01:00
Von Daniel Hügli
cash-Guru Alfred Herbert im cash-Börsen-Talk.
Bild: cash

Die Performance des Swiss Market Index (SMI) im Monat Februar darf sich sehen lassen. Der Schweizer Leitindex legte 4 Prozent zu und stieg auf den höchsten Stand seit sechs Jahren. Alleine die Aktie von Holcim kletterte um fast 10 Prozent.

Allerdings machte der SMI damit bloss die Verluste wett, die er in der zweiten Hälfte des Januars erlitten hatte. Unter dem Eindruck der Turbulenzen in den Schwellenländern, die unter einem massiven Kapitalabfluss litten und immer noch leiden, gaben damals die meisten grösseren Börsenplätze der Welt mehrere Prozente ab.

cash-Guru Alfred Herbert mahnt Aktien-Anleger zu "erhöhter Vorsicht", wie er im cash-Börsen-Talk ausführt. Denn die Schwellenland-Turbulenzen seien noch nicht vorbei. Zum ersten Mal könne von einer globalen Krise gesprochen werden, die alle "Emerging Markets" getroffen habe. Dazu komme das laufende Programm der US-Zentralbank, welches die Geldschwemme eindämmt, und die Gedanken der Investoren an steigende Zinsen im nächsten Jahr.

«Einige Schlaglöcher»

"Wir hatten im letzten Jahr eine Börse wie auf einer Autobahn mit fast nur steigenden Kursen. Nun sind wir auf eine Schotterstrasse mit einigen Schlaglöchern eingebogen", sagt Herbert.

Dennoch glaubt der Börsen-Veteran nicht, dass die Aktienmärkte mittelfristig fallen. Zum einen bleiben die Geldmarkt-Zinsen vorderhand tief. Dann werden auch die Dividendenausschüttungen der Unternehmen in den nächsten Wochen positiven Einfluss auf die Aktienkurse nehmen: "Da landen Milliarden von Franken auf den Konten der Anleger. Und viele Investoren haben keine andere Wahl, als weiterhin in Aktien zu investieren", ist Herbert überzeugt.

Viele Schweizer Unternehmen haben in den letzten Wochen höhere Ausschüttungen für ihre Aktionäre angekündigt, was in den meisten Fällen mit Kurssteigerungen für die Aktien einherging. Ein Beispiel war diese Woche Swiss Life, der grösste Lebensversicherer der Schweiz, der die Dividende um einen Franken anhob.

"Swiss Life muss in den nächsten Jahren die Dividende weiter erhöhen. Die Aktionäre wollen nach dem grossen Sündenfall nun mehr Action sehen", sagt Herbert im Börsen-Talk. Mit dem Sündenfall meint Herbert den Kauf des Finanzdienstleisters AWD, der Swiss Life einen gewaltigen Abschreiber bescherte. Nach dem AWD-Kauf und im Zug der Finanzkrise hatte die Swiss-Life-Aktie im Jahr 2008 70 Prozent an Wert verloren und fiel auf unter 50 Franken.

Vorsicht bei Swiss Life?

Heute kostet die Aktie wieder über 200 Franken, und der Versicherer und sollte auch von einem steigenden Zinsumfeld profitieren. Doch Herbert warnt vor unbeschwerten Käufen der Swiss-Life-Aktie. Er glaubt, dass das steuergünstige PPLI-Wrapper-Geschäft, in den Swiss Life aktiv ist, das Unternehmen noch länger beschäftigen wird. Zu Wochenbeginn war bekannt geworden, dass PPLI von den US-Justiz- und Steuerbehörden wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung unter die Lupe genommen wird.

Eine klare Meinung hat der erklärte Edelmetall-Fan Herbert zu Gold und Silber. "Ich glaube, es steht bei den Edelmetallen eine Konsolidierung bevor. Ich selber habe in den letzten Tagen Positionen bei Silber verkauft und Gewinne mitgenommen". Gold hat in diesem Jahr wegen der Investoren-Verunsicherung bei Schwellenländern gut 10 Prozent dazugewonnen, Silber rund 9 Prozent.
 

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Alfred Herbert auch zum Auftritt des Managements der Credit Suisse vor dem Untersuchungsausschuss des US-Senats und zu möglichen Auswirkungen der Unruhen in der Ukraine auf die Börsen.