Von der SNB wird keine Zinsänderung erwartet

Die Schweizerische Nationalbank hat vor sieben Jahren an einer regulären Sitzung Zinsänderung beschlossen. Und das dürfte sich auch an der Lagebeurteilung von morgen Donnerstag nicht ändern.
14.09.2016 19:00
Dürfte auch morgen Donnerstag nicht von einer Zinsänderung zu berichten haben: SNB-Direktionspräsident Thomas Jordan.
Dürfte auch morgen Donnerstag nicht von einer Zinsänderung zu berichten haben: SNB-Direktionspräsident Thomas Jordan.
Bild: cash

Wer sich im Stich gelassen fühlte, weil die Europäische Zentralbank (EZB) in der vergangenen Woche nicht viel gemacht hat, möchte wohl am liebsten die Zinsentscheidung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) am morgigen Donnerstag übergehen, um eine weitere Enttäuschung zu vermeiden.

Zwar ist die SNB nachgerade berüchtigt für gewisse tiefgreifende geldpolitische Veränderungen, jedoch wurden in der Vergangenheit diese Bomben nicht bei anberaumten Lagebeurteilungen gezündet. In der Tat hat die Notenbank letztmals vor mehr als sieben Jahren auf einer regulären Sitzung beschlossen, die Zinsen zu ändern.

Fazit: Während die SNB einige weitere Tricks parat haben dürfte, ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie solche am Donnerstag aus dem Ärmel schütteln wird. Der Franken wurde in den vergangenen zwei Monaten schwächer als 1,08 je Euro gehandelt und sämtliche Ökonomen in einer Bloomberg-Umfrage erwarten, dass die Notenbank ihren Einlagensatz unverändert auf einem Rekordtief von minus 0,75 Prozent belassen und ihre Bereitschaft zu Interventionen bekräftigen wird.

“Die jüngste Vergangenheit würde die These stützen, dass Veränderungen nicht bei den vierteljährlichen Lagebeurteilungen bekanntgegeben werden", sagt Alexander Koch, Ökonom bei Raiffeisen. “Bei ihrer letzten Zinsentscheidung sah die EZB keinen Bedarf, die Geldpolitik anzupassen, da ihr Basis-Szenario unverändert blieb. Dies sollte auch für die SNB gelten. Sie dürfte die Zinsen auf dem gegenwärtigen Niveau belassen und wie bisher bei Bedarf am Devisenmarkt intervenieren."

Konzentration auf Euro-Franken-Kurs

Die Konzentration der SNB auf den Euro-Franken-Wechselkurs bedeutet, dass die Schweizer Währungshüter seit Jahren mit den Folgen von Euro-Raum-Entscheidungen leben müssen. In der vergangenen Woche signalisierte EZB-Präsident Mario Draghi keine Ausweitung des Anleihenkaufprogramms der Notenbank, was den Druck von der SNB nimmt, ihre Politik am Donnerstag anzupassen. Die Schweizer Zinsentscheidung wird um 9.30 Uhr in Zürich bekanntgegeben. Eine Pressekonferenz ist nicht geplant.

Die Schweizer Währungshüter werden wohl keine Massnahmen treffen, und es besteht Unsicherheit bezüglich der nächsten Schritte anderer grosser Zentralbanken. Die Entscheidung der Bank of England in dieser Woche wird auf Signale durchforstet, ob sie die Zinsen erneut senken wird. Spekulationen der Investoren über die Federal Reserve haben bereits zu Verwerfungen an den Bond- und Aktienmärkten geführt.

Da jedoch erwartet wird, dass die EZB in den kommenden Monaten ihr Stimulus-Programm modifizieren wird, könnten SNB-Präsident Thomas Jordan und seine zwei Direktoriumskollegen - in Zukunft - die Notwendigkeit sehen, den Einlagensatz weiter zu senken. Ökonomen in der Bloomberg-Umfrage sehen die Untergrenze für die SNB bei minus 1,25 Prozent.

Das grosse Risiko bei Zinssenkungen wäre jedoch eine verstärkte Neigung zum Bargeld-Horten, um die Kosten der SNB zu umgehen. Während SNB-Notenbanker sagen, sie hätten bisher keinerlei Anzeichen für eine derartige Entwicklung gesehen, verzeichnen Versicherer, wie beispielsweise Zurich Insurance, eine verstärke Nachfrage nach Bargeldversicherungen.

«Vorsichtig vorgehen»

SNB-Währungshüter haben die negativen Zinsen - die den Vermögensverwaltern Kopfschmerzen bereiten - als ausserordentliches Instrument bezeichnet. Indes sagte Direktoriumsmitglied Andrea Maechler in einem Interview im vergangenen Monat, dass wegen des niedrigen internationalen Wachstumumfelds die Notenbank keinen Spielraum habe, die Zinsen zu erhöhen. Ökonomen in der Umfrage stimmen ihr zu und prognostizieren, dass die Schweizer Politik der Negativzinsen noch weitere drei Jahre bestehen bleiben wird.

“Es besteht für die SNB kein grosser Druck, zum gegenwärtigen Zeitpunkt mehr zu machen", sagt Alan McQuaid, Ökonom bei Merrion Capital. “Idealerweise möchte man nicht zu lange negative Zinsen haben. Aber die SNB dürfte vorsichtig vorgehen, bis sich die Lage im Euro-Raum verbessert und die EZB einen weniger expansiven geldpolitischen Kurs fährt."

(Bloomberg)