Von-Roll-CEO: «Wir schaffen den Turnaround»

Beim ersten öffentlichen Auftritt äussert sich Von-Roll-CEO Achim Klotz zu seinem «Fehlstart» und sagt, mit welcher Strategie er bereits nächstes Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben will.
21.08.2013 14:00
Von Pascal Meisser
Von-Roll-CEO Achim Klotz im Video-Interview mit cash.
Bild: cash

Die Misere des Zürcher Traditionsunternehmens Von Roll hält auch im ersten Semester 2013 an: Sämtliche wichtigen Kennzahlen wie Auftragseingänge, Umsatz oder Reingewinn blieb in den ersten sechs Monaten deutlich hinter den Analystenerwartungen zurück. Zudem prognostiziert Achim Klotz, der seit April am Steuer des Unternehmens steht, auch für das Gesamtjahr beim Reingewinn rote Zahlen. 

Trotz dieser Verfehlungen will Klotz die erste Zahlenbilanz, die er als Von-Roll-CEO präsentiert, nicht als Fehlstart verstanden haben. "Ich war mir bewusst, dass Von Roll in einer Turnaroundsituation steckt und dass 2013 nochmals ein schwieriges Jahr wird", sagt Achim Klotz im cash-Video-Interview. Er habe aber nun die richtigen Massnahmen eingeleitet. 

In den vergangenen Monaten hatte Klotz viel Zeit verbracht, sämtliche 19 Produktionsstätten der Von Roll zu besuchen und ein rigoroses Kostenoptimierungsprogramm sowie eine neue Strategie aufzusetzen. Und mit dieser neuen Strategie soll aus der ewigen Baustelle Von Roll wieder ein florierendes Industrieunternehmen werden. 

Richtungswechsel bei den Transformatoren

"Wir wollen uns künftig wieder auf unsere Kerngeschäfte fokussieren", sagt Klotz. Das heisst: Die Bereiche Isolation und Industrial Composites sollen weiter gestärkt werden, Für das serbelnde Transformatoren- und Wassergeschäft werden laut Klotz hingegen "sämtliche Optionen geprüft". Vor allem die Probleme mit den Transformatoren hatten das Unternehmen im letzten Jahr tief in die roten Zahlen gerissen. Gut denkbar, dass Von Roll diese zwei Geschäftsbereiche ganz abstossen wird. 

Diese schnelle Anpassung ist zumindest bei den Transformatoren etwas überraschend. Noch im Mai hatte Von Roll mitgeteilt, dass dieser Bereich nicht zur Disposition stehe. Nach Angaben von Klotz hatte sich bei einer tiefer gehenden Analyse gezeigt, dass Von Roll bei den Sparten Transformatoren und Wasser erstens ein kleiner Player ist und dass sich mit den übrigen Bereichen nur wenig Synergien ergeben. 

Begleitend zur Strategienapassung sollen bis 2017 die Kosten erheblich optimiert werden. Bis in vier Jahren will Von Roll mit zahlreichen Massnahmen 20 Millionen Franken einsparen, unter anderem auch mit Stellenstreichungen. Von den heute 2750 Mitarbeitern sollen 200 entlassen werden, 15 davon in der Schweiz. Bereits im Vergleich zum Vorjahressemester hat der Personalbestand um 100 auf 2751 Mitarbeiter abgenommen. "Ich will 2014 erste positive Resultate sehen", sagt Klotz. 

Erfolglose Vorgänger von Achim Klotz

Ob der neue CEO Von Roll wieder auf den Erfolgsweg zurückbringen kann, wird sich also in den nächsten Monaten zeigen müssen. Bereits seine Vorgänger hatten versucht, die Strategie fortlaufend anzupassen. Sie scheiterten aber alle an der Umgestaltung des heterogenen Produktportfolios des Unternehmens.

Zuletzt musste der Deutsche Michael Oppermann im vergangenen Dezember seinen Sitz räumen, als sich miserable Jahreszahlen erst abgezeichnet - und schliesslich auch bewahrheitet hatten. Nach einer schwarzen Null 2011 erlitt Von Roll im letzten Jahr einen massiven Verlust von 65 Millionen Franken - unter anderem auch wegen Strafzahlungen und Lieferverzögerungen sowie Wertberichtigungen im Transformatorenbereich.

Entsprechend düster sieht auch der Verlauf der Von-Roll-Aktie der letzten Jahre aus. Im laufenden Jahr hat die Aktie 32 Prozent verloren. Noch deutlicher sieht die Verlustkurve seit dem letzten Hoch im August 2007 aus. Damals notierte der Titel bei 13 Franken, heute noch bei rund 1,37 Franken. Das entspricht einem Wertverlust von gegen 90 Prozent. 
 

Im Video-Interview sagt Klotz, weshalb er an den Erfolg seiner Strategie glaubt und was jetzt für einen Kauf der Von-Roll-Aktie spricht.