Vor dem Technologietag - Analyst sieht ABB-Aktie wieder steigen

Die renditestarke Aktie von ABB ist zuletzt deutlich von den Jahreshöchstkursen bei 25 Franken zurückgefallen. Im Vorfeld des Technologietages von nächster Woche rät eine britische Bank nun zum Einstieg.
01.09.2017 08:23
Von Lorenz Burkhalter
Beim ABB-Hauptsitz in Oerlikon.
Beim ABB-Hauptsitz in Oerlikon.
Bild: cash

Es ist, als würde ein Fluch auf der Aktie von ABB lasten: Spätestens bei 25 Franken setzen jeweils grössere Verkäufe ein und die Kurse geraten ins Rutschen. So geht das nun schon seit Jahren.

Noch vor wenigen Monaten sah alles danach aus, als ob ein Vorstoss in die Region von 25 bis 30 Franken unmittelbar bevorstünde. Heute - knapp drei Kursfranken tiefer - sind wir allerdings schlauer. Denn wieder reichte die Kraft nicht aus. Am kommenden Dienstag lädt der Industriekonzern aus Zürich zum diesjährigen "Technologietag" nach Detroit im U.S.-Bundesstaat Michigan.

Kursentwicklung seit Januar enttäuscht

Darf man dem für die britische Grossbank Barclays tätigen Industrieanalyst Glauben schenken, wird sich das Unternehmen nächste Woche von seiner besten Seite zeigen. Er sieht ABB über die kommenden Jahre nicht nur die Umsatzentwicklung beschleunigen, sondern rechnet auch mit substanziellen Margenverbesserungen.

Im Zuge dessen sieht der Analyst die Aktie auf 26 Franken steigen, weshalb er seine "Overweight" lautende Kaufempfehlung bekräftigt. Nachdem die Kursnotierungen von den Mitte Mai erklommenen Jahreshöchstständen bei 24,89 Franken zurückgefallen sind, errechnet sich seit Jahresbeginn gerademal ein Plus von 3,4 Prozent. Zum Vergleich: Der Swiss Performance Index (SPI) legte im selben Zeitraum um fast 14 Prozent zu.

Bessere zweite Jahreshälfte erwartet

Dem Barclays-Analysten zufolge wird die Stellung des traditionsreichen Industriekonzerns in der Prozessautomation und bei Industrierobotern an der Börse allerdings unterschätzt. Sichtlich Gefallen findet er auch an der nicht unumstrittenen, weil teuren Übernahme von Bernecker + Rainer (B&R).

Wer in den letzten Jahren nicht aktiv handelte, verdiente mit der ABB-Aktie kaum Geld (Quelle: www.cash.ch)

Nach einem durchwachsenen ersten Halbjahr geht der Analyst von einer besseren zweiten Jahreshälfte aus. Das gilt insbesondere für die Margenentwicklung. Letztere enttäuschte in den ersten sechs Monaten eher.

Erhöhen die beiden Hauptaktionäre den Druck?

Andere Berufskollegen schätzen die Situation bei ABB hingegen verhaltener ein und sehen im 2017 ein wachstums- und margenseitiges Übergangsjahr für den Industriekonzern aus Zürich. Von 24 das Unternehmen abdeckenden Analysten raten deshalb gerademal fünf zum Kauf der Aktie. Viermal wird gar zum Verkauf letzterer geraten, wie Erhebungen der Nachrichtenagentur AWP zeigen. Dabei reichen die Kursziele von 17,65 Franken (Jefferies) bis 26,50 Franken (Merrill Lynch).

Die Kennzahlen von ABB auf einen Blick:

 

2017

2018

Kurs-Gewinn-Verhältnis

17,1

14,5

Dividendenrendite

3,6 Prozent

3,7 Prozent

Umsatzwachstum

3,2 Prozent

6,1 Prozent

Operative Marge (EBITA)

12,7 Prozent

13,6 Prozent

(Quelle: Barclays Capital, Schätzungen)

Eine der Hauptattraktionen der ABB-Aktie ist die überdurchschnittlich hohe Dividendenrendite. Darüber hinaus kauft das Unternehmen eigene Aktien zurück. Dennoch könnten die Hauptaktionäre Investor AB und Cevian Capital den Druck auf den Industriekonzern verstärken. Gemeinsam bringen sie gut 16 Prozent aller Stimmen auf die Waage. Beiden Finanzinvestoren wird gerüchteweise immer wieder ein Zukauf weiterer Titel nachgesagt, zumal gerade Cevian Capital mit der Forderung nach einer Abspaltung des Stromübertragungsgeschäfts beim Verwaltungsrat bisweilen auf taube Ohren stösst.