Vor den Jahreszahlen - Alcon entscheidet sich für die Flucht nach vorn

Nur wenige Tage vor der Jahresergebnisveröffentlichung versucht die ehemalige Novartis-Tochter Alcon die Erwartungen zu dämpfen. Die Börse reagiert unterkühlt.
24.02.2020 11:30
Von Lorenz Burkhalter
Die Novartis-Tochter Alcon soll abgespalten und an den Börsen in der Schweiz und New York kotiert werden.
Die Novartis-Tochter Alcon soll abgespalten und an den Börsen in der Schweiz und New York kotiert werden.
Bild: Bloomberg

Am Dienstag nach Börsenschluss legt Alcon erstmals seit der Abspaltung vom Basler Mutterkonzern Novartis vom April letzten Jahres den Jahresabschluss als eigenständiges Unternehmen vor. In einem Interview gegenüber der Finanz & Wirtschaft ergreift Firmenchef David Endicott nun allerdings die Flucht nach vorn: Er bittet seine Aktionäre um etwas mehr Geduld, was ihre kurzfristigen Erwartungen anbetrifft. Das in der Augenheilkunde tätige Unternehmen wolle in den nächsten 18 bis 24 Monaten in langfristiges Wachstum investieren, so lässt Endicott weiter durchblicken (cash berichtete).

Beobachter schliessen daraus, dass Alcon am Dienstagabend nicht nur mit einem durchwachsenen Jahresergebnis, sondern auch mit vermutlich eher vorsichtig formulierten Vorgaben fürs neue Jahr aufwarten könnte. Das wiederum stünde in Widerspruch zur zuletzt starken Aktienkursentwicklung. Am Freitag trennte die Aktie zeitweise weniger als einen Franken vom Rekordhoch vom vergangenen Mai bei 63,85 Franken.

Turnaround braucht Zeit

Zur Stunde verliert die Alcon-Aktie 3,7 Prozent auf 59,74 Franken. Dass ihr Kurs nicht noch deutlicher nachgibt, erklärt man sich in den Handelsräumen hiesiger Banken mit den defensiven Qualitäten.

Denn wie aus Analystenkreisen verlautet, braucht der Turnaround bei Alcon sehr viel mehr Zeit als bisher gedacht. Unter dem Dach des früheren Mutterkonzerns Novartis seien Wachstumsinvestitionen sträflich vernachlässigt worden. Das könnte erklären, weshalb Firmenchef Endicott über die nächsten 18 bis 24 Monate in langfristiges Wachstum investieren will. Analysten zufolge drücken solche Investitionen im ersten Moment auf die Margenentwicklung. Viele wollen ihre Schätzungen jedoch nicht auf Basis des vorliegenden Interviews, sondern erst im Anschluss an die Jahresergebnisveröffentlichung vom Dienstagabend überarbeiten.

Den grössten Anpassungsbedarf dürfte bei Goldman Sachs bestehen. Die US-Investmentbank empfiehlt die Alcon-Aktie als einzige Bank zum Kauf und beziffert das 12-Monats-Kursziel auf 66 Franken. Wie Erhebungen der Nachrichtenagentur AWP zeigen, schätzen sechs Banken die Aktie neutral ein. Drei weitere Banken raten gar zum Ausstieg. Mit 56 Franken liegt das durchschnittliche Kursziel weit unter den aktuellen Notierungen.

 
Aktuell+/-%
Alcon Rg57.14+2.92%
Novartis N76.21+0.95%
Julius Baer Grp N42.72+2.64%
SMI10'153.24+0.62%