Vorschau Aktienmärkte - Konjunktursorgen bedrohen die Börsen-Erholung

Den Börsen droht bei ihrem Anlauf auf neue Jahreshochs in der kommenden Woche Gegenwind. Eine Vorschau.
23.02.2019 12:35
Novartis-Hauptsitz in Basel. Der Pharma-Riese hält am Donnerstag die Generalversammlung ab.
Novartis-Hauptsitz in Basel. Der Pharma-Riese hält am Donnerstag die Generalversammlung ab.
Bild: Bloomberg

Zwar dürfte die Hoffnung der Anleger auf eine Einigung im amerikanisch-chinesischen Zollstreit die Aktienmärkte weiter antreiben. Doch trübe Konjunkturaussichten und fallende Gewinnerwartungen der Unternehmen machen den Aktienmärkten Experten zufolge anfällig für Rückschläge.

Im Fokus bleibt der Handelskonflikt zwischen den USA und China. Die Beratungen beider Seiten in Washington wurden am Freitag um zwei Tage verlängert. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Abkommen vereinbart werde, sei nun höher als die, dass es keins geben werde, sagte US-Präsident Donald Trump. Er wolle den chinesischen Staatschef Xi Jinping wahrscheinlich im März in Florida treffen, um über die wichtigsten Punkte einer Handelseinigung zu entscheiden. Damit zeigte sich Trump abermals geneigt, einer Verständigung mehr Zeit über die bis Anfang März gesetzt Frist hinaus einzuräumen.

Die sich abzeichnenden Fortschritte trieben den Swiss Market Index in der abgelaufenen Woche um 1,2 Prozent an. In New York legte der Dow Jones in der Woche gar 3,1 Prozent zu, am Freitag waren es gut ein halbes Prozent. Positive Ergebnisse der Gespräche seien auch nötig, weil "andernfalls eine Anhebung der Strafzölle von zehn auf 25 Prozent für US-Importe aus China automatisch folgen würde", erläuterte Marktstratege Christian Apelt von der Landesbank Helaba. "Leider ist US-Präsident Donald Trump aber immer für Überraschungen gut", mahnte Apelt aber zu Vorsicht. Zudem steht für Europa Trumps Drohung von Autozöllen weiter im Raum, was vor allem die deutsche Wirtschaft hart treffen würde.

Trump trifft Kim Jong Un

Auch jenseits der Handelspolitik steht Trump im Rampenlicht. In der neuen Woche will er sich ein zweites mal mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un treffen, um über eine atomare Abrüstung des abgeschotteten Landes zu beraten. Der Gipfel soll am Mittwoch und Donnerstag in Hanoi stattfinden. Kim machte sich einem Medienbericht zufolge bereits am Samstag mit dem Zug in die vietnamesische Hauptstadt auf.

Beim zweiten Dauerbrenner-Thema Brexit ist für die kommende Woche eine erneute Abstimmung im Unterhaus geplant. Die Gespräche zwischen Premierministerin Theresa May und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker seien zwar "konstruktiv" verlaufen, echte Fortschritte gebe es aber nicht, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Experten rechnen nicht damit, dass die Scheidungsvereinbarung zwischen Großbritannien und der EU diesmal im britischen Parlament eine Mehrheit findet. Denn die EU bleibt bei der Frage der irischen Grenze bislang hart. "Solange May nicht bereit ist, einige ihrer roten Linien, - in erster Linie kein Verbleib in der Zollunion -, gegenüber der EU aufzugeben, ist die Gefahr eines 'No Deal'-Brexit hoch", mahnte die Commerzbank.

Pessimistisch für die weitere Entwicklung der Börsen stimme auch die Tatsache, dass der Trend bei den Unternehmensgewinnen derzeit deutlich schlechter laufe als erwartet, zum Beispiel in Deutschland. "Im vergangenen Quartal wurden für 24 der 30 Dax-Unternehmen die Gewinnerwartungen nach unten angepasst", sagte Commerzbank-Stratege Andreas Hürkamp.

ABB, Adecco und Novartis bringen Jahreszahlen

Nach den jüngsten Signalen für eine Abkühlung der Weltwirtschaft warten Börsianer gespannt auf neue Konjunkturdaten. In den USA stehen unter anderem die Auftragseingänge für langlebige Güter am Mittwoch und die Zahlen zu den Konsumausgaben am Freitag auf dem Terminplan. Die Käufe der Verbraucher gelten als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft.

Über die Kauflaune der deutschen Verbraucher gibt der Gfk-Index am Dienstag Auskunft. Am Donnerstag und Freitag folgen Daten zur deutschen und europäischen Inflation. Die Stimmung unter deutschen Top-Managern war zuletzt so schlecht wie seit über vier Jahren nicht mehr. Das Risiko einer Rezession - mindestens zwei Quartale in Folge mit schrumpfender Wirtschaftsleistung - ist inzwischen merklich gestiegen.

Daneben wird eine erneute Flut von Firmenbilanzen Anleger auf Trab halten. Die Primark-Mutter AB Foods legt am Montag und die Opel-Mutter Peugeot am Dienstag Zahlen vor. In der Schweiz steht der Donnerstag im Zentrum: Dann veröffentlichen ABB und Adecco die Jahreszahlen.

Wenig Überraschungen erwarten Experten vom halbjährlichen Auftritt des US-Notenbankchefs vor dem Kongress. Jerome Powell dürfte sicher erneut eine länge Pause bei Zinserhöhungen signalisieren.

(Reuters/cash)