Vorschau: Anleger zittern «Renzirendum» entgegen

Für Anleger führen in der neuen Woche fast alle Wege nach Rom. Das nahende Verfassungsreferendum in Italien prägt Experten zufolge zunehmend das Geschehen an den Aktienbörsen.
26.11.2016 11:53
Matteo Renzi, Ministerpräsident von Italien.
Matteo Renzi, Ministerpräsident von Italien.

Die Abstimmung am Sonntag, dem 4. Dezember, sei mehr als ein Votum über die Stärkung der italienischen Zentralregierung und die Stabilisierung des politischen Systems, betonte Commerzbank-Volkswirt Marco Wagner. "Denn bei einem Nein sind Neuwahlen und eine von der euro-kritischen Fünf-Sterne-Bewegung geführte Regierung möglich." Dann sei eine "Staatsschuldenkrise 2.0" nicht ausgeschlossen. Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi hat sein politisches Schicksal an den Ausgang des Referendums geknüpft.

Börse hat es weiterhin schwer

Vor diesem Hintergrund bezweifeln Experten, dass sich der Dax aus seiner Handelsspanne der vergangenen Wochen befreien kann. "Während an den US-Börsen die Champagnerkorken zu knallen scheinen, ist hierzulande von Partystimmung nicht mehr viel zu spüren", sagte Anlage-Experte Joachim Goldberg von der Beratungsfirma Goldberg und Goldberg. Der Schweizer Börse dürfte es ähnlich gehen.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss letzte Woche mit einem Minus von 0,3 Prozent, aber Freitag konnte der Leitindex jedoch immerhin 1,1 Prozent auf 7882 Punkte zulegen. Der deutsche Leitindex kam in der abgelaufenen Woche ebenfalls kaum vom Fleck und schloss am Freitag 0,1 Prozent höher bei 10.699,27 Punkten. An der Wall Street beendeten Dow Jones, Nasdaq und S&P-500 den verkürzten Handel am "Black Friday" nach dem Thanksgiving-Feiertag auf neuen Rekordständen. Ihren Anteil am Aufschwung der US-Börsen hatten zuletzt Einzelhandelswerte. Viele Investoren gehen davon aus, dass das Weihnachtsgeschäft dieses Jahr besser läuft als voriges.

"Die vermeintliche Stabilität des Dax, aktuell gefördert durch den schwachen Euro, ist sehr gefährlich", warnte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Wenn sich die Gemeinschaftswährung erholen sollte und gleichzeitig US-Anleger Kasse machen, drohe ein Kursrutsch am deutschen Aktienmarkt. Seit dem überraschenden Wahlsieg von Donald Trump bei der US-Präsidentenwahl büsste der Euro mehr als vier Prozent ein und war mit rund 1,05 Dollar zeitweise so billig wie zuletzt vor eineinhalb Jahren.

Konjunkturdaten und Zinsaussichten

Befeuert wird der Höhenflug des Dollar von Spekulationen auf rasche Zinserhöhungen in den USA. Unter diesem Gesichtspunkt werden Investoren die anstehenden Konjunkturdaten analysieren. Entscheidend ist dabei der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag - der letzte vor der Fed-Zinsentscheidung Mitte Dezember. Einen Vorgeschmack auf die offiziellen Zahlen liefert am Mittwoch die Statistik der privaten Arbeitsagentur ADP. Hinweise auf das Tempo der Zinserhöhungen erhoffen sich Börsianer ausserdem vom Fed-Konjunkturbericht am Mittwoch. Ferner äussern sich in der neuen Woche zahlreiche US-Notenbanker bei öffentlichen Auftritten.

Auch europäische Währungshüter treten vor die Mikrofone. Hier dreht sich alles um die Frage, um wie viele Monate die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Anleihekäufe verlängert. Bislang pumpt sie bis mindestens März 2017 monatlich 80 Milliarden Euro in die Finanzmärkte, um die Konjunktur anzukurbeln.

Wie weit diese Bemühungen Früchte tragen, lässt sich unter anderem an den Barometern für die Stimmung der europäischen Verbraucher und Unternehmen (jeweils Montag) sowie der Einkaufsmanager (Mittwoch) ablesen. Darüber hinaus stehen europäische Preisdaten (ebenfalls Mittwoch) auf dem Terminplan. In den vergangenen Wochen waren Spekulationen auf eine anziehende Teuerung in den USA nach Europa herübergeschwappt. Das Inflationsbarometer notierte in der vergangenen Woche zeitweise so hoch wie zuletzt zu Jahresbeginn.

(Reuters/cash)