Vorschau Börsenwoche - Anleger sind wachsam wegen US-Bilanzen und EZB

Aktien-Anleger dürften in der neuen Woche Vorsicht walten lassen. Eine Börsen-Vorschau.
14.01.2018 14:00
Citigroup im Londoner Canary Wharf. Die US-Bank bringt am Dienstag Jahreszahlen.
Citigroup im Londoner Canary Wharf. Die US-Bank bringt am Dienstag Jahreszahlen.
Bild: Herve Boinay

Die anlaufende Berichtssaison in den USA und die Ungewissheit über den künftigen Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) könnten den europäischen Aktienmarkten zu schaffen machen, prognostizieren Börsianer.

Spekulationen auf ein baldiges Ende der ultralockeren EZB-Geldpolitik hatten den Euro am Freitag mit 1,2136 Dollar (und mit über 1,18 Franken) auf den höchsten Stand seit drei Jahren getrieben. Ein steigender Euro verschlechtert die Wettbewerbschancen europäischer Firmen auf dem Weltmarkt. In der ablaufenden Woche büsste etwa der deutsche Dax ein knappes Prozent ein, der Swiss Market Index 0,1 Prozent. Der Dow Jones Index in den USA gewann dagegen 2 Prozent seit Montag.

Aus dem EZB-Protokoll der Dezember-Ratssitzung ging hervor, dass die Diskussion über die nächsten geldpolitischen Schritte hin zur Zinswende in Gang kommt. Der geldpolitische Ausblick ("Forward Guidance") ist ein wichtiges Instrument der EZB, um Finanzmärkte frühzeitig auf kommende Schritte vorzubereiten. Der Leitzins liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

Bank-Bilanzen in den USA

Während es in Europa auf Unternehmensseite noch relativ ruhig zugeht, dreht sich in den USA bereits alles um das Thema Bilanzen. Allen voran die Banken lassen sich in der neuen Woche in die Bücher schauen, darunter die Citigroup (Dienstag), Bank of America, Goldman Sachs (beide Mittwoch) und Morgan Stanley (Donnerstag). Vielen Großbanken könnte die US-Steuerreform zunächst teuer zu stehen kommen. Langfristig dürften Investoren und Analysten den Einmaleffekt jedoch schnell abhaken und ihren Blick auf die Entwicklungen im Tagesgeschäft und die langfristigen Auswirkungen der Steuerreform richten.

Ebenfalls im Fokus steht eine Reihe von Konjunkturdaten aus den USA. Commerzbank-Analyst Christoph Balz geht davon aus, dass die dortige Wirtschaft weiter "sehr ordentlich" wächst. Die Commerzbank prognostiziert für die Industrieproduktion im Dezember ein Plus von 0,5 Prozent. Die Statistik steht am Mittwoch an. Ebenfalls auf der Agenda stehen die ersten regionalen Umfragen im verarbeitenden Gewerbe - der Empire State Index (Dienstag) und Philly Fed Index (Donnerstag) - sowie das US-Verbrauchervertrauen (Freitag). Am Montag bleibt die Wall Street wegen eines Feiertags geschlossen.

In China werden am Donnerstag Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) erwartet. Nach einer Reuters-Schätzung dürfte das BIP im vierten Quartal um 6,7 Prozent zugelegt haben. Dazu habe nicht zuletzt die wirtschaftliche Belebung im Rest der Welt beigetragen, erläutert Commerzbank-Analyst Balz. Zudem hätten sich die Gewinne der Unternehmen in den vergangenen Quartalen dank des Abbaus der Überkapazitäten wieder erholt. Laut Ministerpräsident Li Keqiang hat die Wirtschaftsleistung 2017 um "rund 6,9 Prozent" zugelegt. Das wäre mehr als 2016, als mit 6,7 Prozent das kleinste Plus seit 26 Jahren heraussprang.

An den Aktienmärkten könnte der sogenannte kleine Verfall zum Wochenschluss noch einmal für Bewegung sorgen. Am Freitag laufen Optionen auf Indizes und einzelne Aktien aus. In den Tagen zuvor schwanken die Aktienkurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen. 

(Reuters/cash)