Vorschau: Börsen bleiben nach US-Wahl auf Richtungssuche

Der überraschende Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentenwahl wird Aktienanleger in der neuen Woche weiter beschäftigen.
14.11.2016 00:33
Walmart bringt nächste Woche Quartalszahlen.
Walmart bringt nächste Woche Quartalszahlen.
Bild: Bloomberg

"Es ist klar, dass sich die US-Wähler für einen Kandidaten entschieden haben, der Aufruhr predigt und sich über Kontinuität lustig macht", sagt Leon Cornelissen, Chef-Volkswirt des Vermögensverwalters Robeco. "Die größere Unsicherheit bedeutet, dass die Rahmenbedingungen für Aktien in den nächsten Wochen negativ sein werden. Staatsanleihen werden dagegen von ihrem Status als 'sicherer Hafen' profitieren."

Ein Aktienhändler prognostiziert dagegen dank der Hoffnungen auf ein groß angelegtes Konjunkturprogramm des künftigen US-Präsidenten eine Fortsetzung der Börsenrally, getragen von Bauwerten und Banken. Letztere profitierten von der Aussicht auf eine Deregulierung der Finanzbranche. Wegen Spekulationen auf steigende Zinsen müsse bei Immobilienwerten und Versorgern allerdings mit erneuten Kursverlusten gerechnet werden, warnte der Börsianer. "Diese heterogene Kursentwicklung an den Aktienbörsen wird uns auf absehbare Zeit erhalten bleiben." 

Einige Investoren richten ihre Aufmerksamkeit wieder verstärkt auf die US-Geldpolitik. Sie erhoffen sich von den anstehenden US-Konjunkturdaten eine Bestätigung ihrer Einschätzung über das Tempo der geplanten Zinserhöhungen der Notenbank Fed. Anleger rechnen mehrheitlich mit einem ersten Schritt im Dezember und zwei weiteren Anhebungen 2017.

In den USA erwarten Analysten nicht zuletzt deshalb weitere Kursgewinne bei Finanzwerten. Viele Investoren setzen auch auf eine Deregulierung der Banken unter Trump. Bereits in den drei Tagen nach seinem Wahlsieg legten die Papiere von großen US-Geldhäusern wie Bank of America, JPMorgan oder Wells Fargo bis zu 13,5 Prozent zu. Der S&P-Bankenindex gewann zehn Prozent. Das war die beste Entwicklung über drei Tage seit August 2009. Analysten zufolge ist noch viel Luft nach oben. "Die Papiere sind weit entfernt davon, teuer zu sein", sagt Marktstratege Peter Kenny von Global Markets Advisory Group.

Bilanzsaison neigt sich ihrem Ende zu

Von besonderem Interesse in den USA sind zudem die Einzelhandelsumsätze am Dienstag, da der private Konsum als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft gilt. Am Donnerstag stehen zudem die Inflationsdaten auf dem Terminplan. Hinzu kommen die Konjunkturbarometer der Federal Reserve von New York (Dienstag) und von Philadelphia (Donnerstag). Außerdem äußern sich in der neuen Woche zahlreiche US-Zentralbanker öffentlich.

Diesseits des Atlantik liefert der ZEW-Index in Deutschland am Dienstag Hinweise auf die Stimmung der Börsenprofis. Am selben Tag werden zudem die vorläufigen Zahlen zum deutschen und europäischen Wirtschaftswachstum im dritten Quartal vorgelegt. Ersteres habe im dritten Quartal wegen eines schwächelnden Außenhandels voraussichtlich nur um 0,2 Prozent zugelegt, prognostiziert Commerzbank-Analyst Ralph Solveen. "Womit die Zuwachsrate so niedrig wäre wie zuletzt vor einem Jahr."

Unterdessen neigt sich die Bilanzsaison ihrem Ende zu. Der britische Mobilfunker Vodafone und der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart aus den USA haben die Veröffentlichung von Zwischenbilanzen angekündigt. In der Schweiz bringt Julius Bär einen Zwischenbericht.

(Reuters)