Hügli meint

Vorsicht bei der Sommer-Rallye von Schweizer Small- und Midcaps

Wer jetzt am Schweizer Aktienmarkt noch kleine und mittelkapitalisierte Werte kaufen will, muss äusserste Vorsicht walten lassen.
30.08.2016 23:50
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: Geri Born

Was waren das für zwei Monate für die kleinen und mittelgrossen Aktien an der Schweizer Börse. Der "Small Companies Index" und der "Small and Middle Companies Index" der Schweizer Börse legten seit Ende Juni beide um über 12 Prozent zu. Man muss lange zurückblicken, um in einem derart engen Zeitraum auf eine ähnliche Rally zu stossen. Der "Swiss Market Index" (SMI) dagegen stieg in den letzten zwei Monaten lediglich 7 Prozent.

Noch deutlicher wird der Performanceunterschied zwischen den Leicht- und Schwergewichten am Schweizer Aktienmarkt, wenn man die Leistung vom Börsentiefstand Mitte Februar 2016 misst. Der SMI legte seither 9 Prozent zu, die Indizes der kleineren und mittelgrossen Aktien dagegen um über 20 Prozent.

Woher stammt diese Gier nach Aktien wie Interroll, Adval Tech, Schlatter oder Crealogix? Sicher ist: Es herrscht nach wie vor Anlagenotstand an den Märkten. Investoren leuchten daher die letzten Winkel der Aktienmärkte aus, um Liquidität anzulegen.

Viele institutionelle Anleger, darunter auch sehr viele ausländische, entdecken dabei die Fortschritte bei Schweizer Unternehmen, die noch vor einiger Zeit in operativen und strategischen Schwierigkeiten steckten. Ebenso legten sich vielerorts die Unsicherheiten darüber, ob vor allem exportorientierte Schweizer Firmen die Folgen des Frankenschocks von Anfang 2015 meistern würden. Und schliesslich waren viele Klein-Aktien lange Zeit schlicht unterbewertet und unentdeckt.

Doch vieles bei der Small- und Midcap-Bonanza lässt sich nicht mit der Suche nach Qualität und Unterbewertung erklären. Ja, bei einigen Aktien muss man gar von blindwütigem Aufkäufen sprechen. So gewann die äusserst wenig gehandelte Aktie der Schweizerischen Nationalbank in den letzten zwei Monaten ebenfalls gegen 30 Prozent, sie bewegt sich nun nahe an einem Acht-Jahres-Hoch. Dabei zeigt ein Blick auf die letzten 20 Jahre, dass eine nachhaltige Kurssteigerung des SNB-Titels nicht stattfindet. Hauptsache, das Geld ist irgendwo parkiert, scheint es.

Die negativen Folgen von derart jähen Kurssteigerungen innert kurzer Zeit erfuhr der Thalwiler GPS-Chipherstellers U-Blox am letzten Freitag nach der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen. Die Aktie des soliden Unternehmens mit Grossaktionären wie Blackrock, Credit Suisse oder UBS stürzte wegen verfehlter Umsatz- und Gewinnerwartungen um 13 Prozent ab. Zuvor war sie innert weniger Wochen um fast 30 Prozent angestiegen. 

Man muss kein Börsen-Hellseher sein, um vorauszusehen, dass sich solche Enttäuschungen in den nächsten Monaten wiederholen werden. What goes up, must come down: Zu stark und zu schnell sind die Aktien von vielen klein- und mittelkapitalisierten Unternehmen in den letzten Wochen und Monaten angestiegen. Eine Vielzahl der Titel notiert derzeit mit deutlichen Bewertungsaufschlägen. Investoren sind gut beraten, diese Bewertungen genau anzuschauen, bevor sie etwas kaufen. 

Und manchmal hilft einfach blosses Warten, bevor man einsteigt oder zukauft. Warten auf einen plötzlichen Kursrückschlag bei soliden Aktien, die man als Investor schon lange auf dem Radar hat - oder schlicht warten auf ein Ende der ganzen Rallye.