Vorsicht bei Kunst-Investments

Die jüngsten Rekordpreise bei Kunst-Auktionen machen Gemälde und Skulpturen zu verlockenden Anlagen. Doch Experten warnen auch vor solchen Investments. Der prominenteste ist Starökonom Nouriel Roubini.
22.05.2015 00:02
Von Ivo Ruch
Der Kunstmarkt kann mitunter verwirrend sein.
Der Kunstmarkt kann mitunter verwirrend sein.
Bild: pixabay.com

Die Kunstpreise spielen verrückt. Neulich wurde bei Christie's in New York mit Alberto Giacomettis "Zeigender Mann" die teuerste Skulptur aller Zeiten versteigert – für 141,3 Millionen Dollar. Auch bei den Gemälden wurde ein neuer Rekordpreis erzielt. Pablo Picassos Ölgemälde "Les femmes d'Alger" ging weg für 160 Millionen (ohne Kaufprämie). Das Kunstwerk war letztmals 1997 bei einer Auktion aufgetaucht und brachte 32 Millionen ein. Das entspricht einer Rendite von 400 Prozent.

Stattliche Wertzuwächse und der Anlage-Notstand im Umfeld tiefer Zinsen haben viele Investoren in den letzten Jahren in den Kunstmarkt getrieben. Mit einem Umsatzwachstum von 7 Prozent und einem Gesamtvolumen von 51 Milliarden Euro erlebte der globale Kunstmarkt 2014 ein neues Rekordjahr, wie aus Angaben der European Fine Art Foundation hervorgeht.

Preismanipulation, Geldwäsche und Steuerhinterziehung

Das ist zwar als Gesamtvolumen noch einigermassen überschaubar. Doch mittlerweile lässt sich mit Kunst so viel Geld verdienen, dass sie von vielen Investoren als eigene Anlageklasse angesehen wird – genauso wie Aktien, Anleihen oder Immobilien. Entscheidend dafür ist in erster Linie, dass eine zunehmende Anzahl Akteure  (Galerien, Händler, Zwischenhändler, Auktionshäuser, Anlagefonds, Privatpersonen) Kunst nur kauft, um damit eine möglichst hohe Rendite zu erzielen.

Und deshalb sollte sie ebenso genau beobachtet werden. Gerade im Hinblick auf mögliche Turbulenzen und Überhitzungen am Markt. Dieser Meinung ist auch Nouriel Roubini, Starökonom und Kunst-Liebhaber. Er fordert deshalb in seinem Blog, der Markt für Kunst müsse reguliert und reformiert werden.

Eine Hauptkritik von Roubini ist, dass der Kunstmarkt immer noch sehr intransparent ist und Insidern einen Vorteil bietet. Preismanipulation, Geldwäsche und Steuerhinterziehung sind die Folgen davon. Dabei spielen auch die grossen Auktionshäuser eine Rolle. Christie's und Sotheby's, die den internationalen Kunstmarkt grösstenteils unter sich aufteilen, wurden im Jahr 2000 gemeinsam zu einer Busse von 512 Millionen Dollar verurteilt. Sie sollen sich bei den Provisionen abgesprochen haben. Eine Regulierung würde also zusätzliche Transparenz schaffen und auch die Umsätze steigern, meint Roubini.

Schönheit ist unbezahlbar

Ein weiteres Problem ist die Preisbildung. Sie ist bei Kunst – anders als bei Aktien oder Immobilien – weniger durchschaubar. Klar orientiert sie sich auch an Angebot und Nachfrage, doch sind Moden und Launen genauso wichtig. Bei herkömmlichen Anlageklassen wird davon ausgegangen, dass sämtliche Marktteilnehmer denselben Informationsstand haben. Der Anfangswert eines Kunstwerks wird aber in der Regel durch eine Galerie bestimmt und von deren Eigeninteresse getrieben. Stärker als anderswo ist der Kunstmarkt deshalb für Outsider schwer verständlich.

Ob die Regulierung von innen oder von aussen kommen soll, wagt Roubini nicht zu entscheiden. Aber Marktteilnehmer sollten sich auf Standards betreffend Markttransparenz, Preisbildung und Überprüfung der Echtheit einigen. Auch die Frage nach einer Blase bei Preisen für Kunst lässt Roubini unbeantwortet. Die undurchsichtige Bildung von Preisen mache es schwierig, den Markt zu bewerten. Klar ist aber, dass es in der Vergangenheit wiederholt  zum Platzen von Kunstblasen kam. Hochgejubelte Künstler verloren schnell an Wert. Das ist für Roubini alles nicht so wichtig. Er plädiert dafür, dass Schönheit nicht auf eine einfache Transaktion reduziert werden kann.