Vorsicht vor Nebenwirkungen der «Trumpflation»

Die künftige Wirtschaftspolitik der USA ist gut für den Dollar, meinen viele Ökonomen. Die Währungsstrategen einer deutschen Grossbank sehen dies jedoch anders.
05.01.2017 09:21
Von Lorenz Burkhalter
Noch lässt sich bloss spekulieren, wie die amerikanische Wirtschaftspolitik unter Präsident Donald Trump aussehen wird.
Noch lässt sich bloss spekulieren, wie die amerikanische Wirtschaftspolitik unter Präsident Donald Trump aussehen wird.
Bild: Bloomberg

Anfang November wurde der republikanische Kandidat Donald Trump überraschend zum neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Seither kennt der Dollar nur einen Weg: Denjenigen nach oben.

In Erwartung einer die Inflation anheizenden amerikanischen Wirtschaftspolitik hat der "Greenback" gegenüber dem Franken um gut 4 Prozent, zum Euro sogar um fast 5 Prozent zugelegt. Zeitweise waren es sogar noch mehr.

Und tatsächlich sehen die Währungsstrategen der Commerzbank im vor wenigen Tagen veröffentlichen landesweiten Einkaufsmanager-Index (ISM) einen ersten Vorboten für "Trumpflation". Der Grund: Die befragten Unternehmen beklagen darin erstmals einen starken Anstieg bei den Rohmaterial- und Personalkosten.

An den Finanzmärkten werden die Nebenwirkungen ignoriert

Zwar sehen auch die Commerzbank-Experten die zukünftige amerikanische Wirtschaftspolitik die Inflation anheizen. Allerdings warnen sie vor den allgemein unterschätzten Nebenwirkungen. Ihres Erachtens zielt Trump nämlich darauf ab, das Handelsdefizit zu verringern. Schon während des Wahlkampfs hatte dieser Strafzölle auf Billigimporte aus China und Mexiko angekündigt.

Daher ist zweifelhaft, ob die Strafzölle die angeprangerten Importe überhaupt effektiv zu unterbinden vermögen. Da Trump nicht mit allen Handelspartnern einen Handelskrieg anzetteln wolle, könnten Importe in Zukunft nicht mehr aus China oder Mexiko, sondern aus anderen Ländern bezogen werden. Gegebenenfalls sehen sie davon sogar eine Verschlechterung der Aussenbilanz ausgehen, kämen die Importe doch teurer zu stehen.

Gestiegene Zinserwartungen helfen dem Dollar; Quelle: Commerzbank

Ausserdem finde durch die Strafzölle volkswirtschaftlich lediglich eine Umverteilung des Kapitals statt, so die Commerzbank-Experten. Die Zeche, so sind sie sich sicher, müsste dann der amerikanische Konsument oder die von Importen aus China und Mexiko abhängigen Unternehmen bezahlen.

Die protektionistische Haltung Trumps könnte am Ende schnell nach hinten losgehen, so die Schlussfolgerung. Genau dieses Risiko werde aktuell von den Finanzmärkten, welche sich voll und ganz auf den Inflationseffekt konzentriert, unterschätzt. Mit anderen Worten: Dem Dollar droht unter der zukünftigen Wirtschaftspolitik Ungemach.