VP-Bank-CEO: «Jetzt braucht es Wachstum»

Die VP Bank müsse wieder verstärkt zum Wachstum zurückfinden, sagt der neue CEO Alfred Moeckli im cash-Video-Interview. Dabei will er nicht nur auf organischen Zuwachs setzen.
27.08.2013 12:57
Von Pascal Meisser
Alfred Moeckli ist seit Mai 2013 CEO der VP Bank.
Bild: cash

Beim Wachstum der Kundengelder hinkt die liechtensteinische Verwaltungs- und Privatbank der Konkurrenz noch immer hinterher. Mehr noch: Als eine von ganz wenigen Finanzinstituten aus Liechtenstein und aus der Schweiz erzielte die VP Bank im ersten Halbjahr 2013 keinen Netto-Neugeldzufluss, sondern erlitt "Outflows" in der Höhe von 439 Millionen Franken.

"Diese negative Entwicklung ist eine Enttäuschung", gibt CEO Alfred Moeckli im cash-Video-Interview unumwunden zu. Allerdings will er dieses Minus relativiert sehen: Einerseits sei ein Private-Label-Fonds weggezogen, der "nicht matchentscheidend ist."

Andererseits habe die VP Bank die Bereinigung von wenig steuertransparenten Kunden weiter vorangetrieben. "Wir sind in diesem Bereich aktiv unterwegs, und das führt zwangsläufig zu Abflüssen", sagt Moeckli, der erst seit vier Monaten die Geschicke der Bank leitet und somit nur zum kleinen Teil für die Ersthalbjahresergebnisse verantwortlich ist.

Die drittgrösste Bank des Fürstentums erwirtschaftete einen Halbjahres-Gewinn von 28,3 Millionen Franken. Der Gewinn im entsprechenden Vorjahreszeitraum von 34,3 Millionen Franken enthielt einen einmaligen Entlastungsposten auf der Aufwandseite von 22,8 Millionen Franken. Das Geschäft im zweiten Halbjahr laufe ähnlich wie in der ersten Jahreshälfte, sagte Moeckli. Der Jahresgewinn sollte höher ausfallen als in 2012.

Klares Bekenntnis zum Alleingang

Die VP Bank setzt dabei weiterhin auf den Alleingang. "Wir sind weder ein Übernahmekandidat noch stehen wir zum Verkauf", sagt Moeckli im Gespräch mit cash. Das sah vor zwölf Monaten, als der glücklose Ex-CEO Roger Hartmann die Bank mehr oder weniger freiwillig verliess, noch anders aus. Damals hatten Gerüchte die Runde gemacht, dass die Bank Vontobel an einem Kauf der VP Bank interessiert sei.

Den Alleingang der VP Bank will Moeckli mit einer konsequenten Vorwärtsstrategie zementieren. "Jetzt braucht es Wachstum", sagt er – und zwar soll dieser Schub nicht nur aus eigenen Kräften erfolgen. Die Bank schaut sich im laufenden Konsolidierungsprozess nach Kaufmöglichkeiten um. Im Vordergrund stehen insbesondere die Übernahme von kompletten Kundenportfolios im Umfang von bis zu zehn Milliarden Franken.

Wachstumschancen in Luxemburg

Den Anfang machte die VP Bank Mitte Juli, als sie mit den Private-Banking-Aktivitäten und dem luxemburgischen Fondsgeschäft von HSBC Trinkaus & Burkhardt Assets von 2,5 Milliarden Franken übernahm – offenbar zu einem Spottpreis. "Früher wurden drei bis vier Prozent des Portfoliowerts bezahlt. Heute liegt dieser Richtwert zum Teil deutlich unter einem Prozent", sagt Moeckli. Zum effektiven Übernahmepreis wurde indes Stillschweigen vereinbart.

In Luxemburg sieht die VP Bank weitere Wachstumsmöglichkeiten. Der dortige Finanzplatz wird derzeit grossen Veränderungen unterworfen – und das wird weitere Kaufchancen eröffnen. "Unser Modell, eher kleinere Portfolios zu kaufen, ist einzigartig", sagt Moeckli. Die meisten Player würden sich auf die Verwaltung grosser Vermögen fokussieren. Nur ein marginales Thema bleibt der asiatische Raum, wo für Übernahmen noch immer überdurchschnittliche Preise bezahlt werden müssen. 

Die VP Bank verfügt über rund 500 Millionen Franken an Eigenmitteln, die sie für Zukäufe einsetzen kann. Die eigenen Treuhandgesellschaften will die Bank verkaufen. Die Aktie der VP Bank steigt am Dienstag an der SIX um bis zu 5 Prozent. Die Performance im 2013 beträgt etwas über 20 Prozent.

Im Video-Interview äussert sich Moeckli zudem zu seiner Rolle als Turnaround-Manager und zur künftigen Strategie der Bank.