VW stellt sich neu auf und streicht dafür 30'000 Stellen

Volkswagen will sich mit dem Abbau von 30'000 Stellen weltweit und einem tiefgreifenden Umbau fit für den härteren Wettbewerb in den kommenden Jahren machen.
18.11.2016 11:40
Das Logo von VW.
Das Logo von VW.
Bild: ZVG

An den deutschen Standorten der renditeschwachen Hauptmarke VW sollen 23'000 Arbeitsplätze und damit rund ein Fünftel der Stellen wegfallen, allerdings vor allem über Fluktuation und Altersteilzeit, wie VW-Markenchef Herbert Diess am Freitag in Wolfsburg erklärte. Zugleich sollen 9000 neue Jobs etwa in der Software-Entwicklung entstehen. "Volkswagen muss schnell wieder Geld verdienen und sich für den kommenden Sturm wappnen", sagte Diess. Betriebsratschef Bernd Osterloh hob hervor, dass die Arbeitnehmerseite den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2025 vereinbart habe. "Das sind neun Jahre ohne Angst um den Arbeitsplatz", sagte er. Es tue allerdings weh, dass viele Leiharbeiter nicht mehr weiter beschäftigt würden.

Die renditeschwache Hauptmarke des Volkswagen-Konzerns unterzieht sich auch unter dem Druck des Dieselskandals und milliardenhoher Investitionen einer Rosskur. Das Flagschiff beschäftigt weltweit an rund 30 Standorten derzeit mehr als 200'000 Mitarbeiter, davon 114'000 in Deutschland. Mit dem so genannten Zukunftspakt sollen die jährlichen operativen Kosten bis 2020 um 3,7 Milliarden Euro sinken. Davon sollten drei Milliarden Euro an den deutschen Standorten und 700 Millionen Euro im Ausland eingespart werden. Die Produktivität der deutschen Werke soll zugleich um 25 Prozent steigen. Management und Betriebsrat hatten monatelang um die Einigung gerungen. Zuletzt habe Konzernchef Matthias Müller den Knoten durchschlagen, erklärte Osterloh. Vom vorangegangenen Sparprogramm stehen Insidern zufolge noch rund 2,5 Milliarden Euro an Kostensenkungen aus.

Rendite verdoppeln

Die Vereinbarung sieht zudem Investitionen von 3,5 Milliarden Euro für die kommenden Jahre vor. VW will mit dem Fitnessprogramm die operative Rendite bis 2020 auf 4 Prozent steigern, gegenüber dem aktuellen Stand ist das etwa eine Verdoppelung. Unter dem Druck des Dieselskandals will Volkswagen bis Mitte des nächsten Jahrzehnts den Absatz von neuen Elektroautos rasch hochfahren. Diese Umstellung führt zu weniger Beschäftigung, da Verbrennungsmotoren mit viel mehr Personal gebaut werden als Elektromotoren. Die davon stark betroffenen deutschen Standorte Salzgitter, Kassel und Braunschweig erhielten Zusagen etwa für Elektromotoren- und Batterieproduktion. Neue Elektroautos sollen am Stammwerk in Wolfsburg und in Zwickau gebaut werden.

An der Börse kamen die Ziele im frühen Handel gut an, die VW-Aktie notiert um 11.40 Uhr 0,6 Prozent im Plus. Ein so grosser Stellenabbau sei schon überraschend, sagte ein Händler in einer ersten Reaktion. Für Arndt Ellinghorst, Autoexperte von Evercore ISI ist das Renditeziel allerdings ehrgeizig genug. VW müsste das schneller erreichen.

(Reuters)