VW zweifelt am Erfolg von Elektro-Transportern

Auch der Volkswagen-Konzern treibt seine Elektroautopläne voran. Beim Erfolg der Transporter sind die Deutschen aber skeptisch, weil die Kosten eine besonders grosse Rolle spielen.
11.09.2016 02:01
VW präsentiert in Kürze einen Elektro-Transporter.
VW präsentiert in Kürze einen Elektro-Transporter.
Bild: Pixabay

Die Transportsparte von Volkswagen sieht derzeit viele Vorbehalte von Geschäftskunden bei rein batteriegetriebenen Fahrzeugen. "Wenn E-Antriebe den an Gesamtkosten orientierten Unternehmern keine eindeutigen Vorteile bieten, werden sie nicht mitspielen beim Kauf eines solchen Fahrzeuges", sagte Spartenchef Eckhard Scholz in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters.

Der typische Nutzfahrzeugkunde müsse erst noch überzeugt werden. Die Akzeptanz von reinen Elektrofahrzeugen hängt bei Logistikfirmen und Handwerksbetrieben stark von der Wirtschaftlichkeit ab. Dabei spielen die Betriebskosten ebenso eine Rolle wie die Existenz eines flächendeckenden Ladennetzes.

Scholz kritisierte, dass die Ansprüche von Handel und Handwerk bei den Gesprächen der Bundesregierung mit den Autobauern über Kaufanreize für Elektroautos nicht berücksichtigt worden seien. Volkswagen treibt derzeit seine Elektroautopläne voran.

Auf der bevorstehenden Nutzfahrzeugmesse übernächste Woche in Hannover präsentiert VW einen kleinen Elektrotransporter, den e-load up, mit einer Reichweite von etwa 150 Kilometern. Europas grösster Autokonzern will bis 2025 mehr als 30 rein batteriegetriebene Fahrzeuge auf die Strasse bringen.

Auch die Deutsche Post mischt mit

Daimler stellte unterdessen in Stuttgart ein Konzeptfahrzeug zu einem Elektro-Transporter vor. Der "Vision Van" soll auf eine Reichweite von bis zu 270 Kilometern kommen. An Bord hat er eine Drohne, mit dem der Paketdienst die Zustellung beschleunigen könnte. Wann ein solches Fahrzeug in Serie geht, sagte Volker Mornhinweg, Chef der Sparte Mercedes-Benz Vans, allerdings nicht. Daimler hatte bereits in den 70er und 90er Jahren Konzeptautos von Elektrotransportern entwickelt. In Kleinserie auf den Markt kam 2010 jedoch nur der Vito.

Auch die Deutsche Post mischt bei Elektrotransportern mit. Der Konzern will seine Fahrzeugflotte in den kommenden Jahren durch einen Eletroscooter austauschen. Derzeit wird die Produktion in Aachen hochgefahren, um im nächsten Jahr eine Kapazität von 10.000 Fahrzeugen im Jahr zu erreichen. Bis Ende 2016 sollen etwa 2000 Streetscooter auf die Strasse gebracht werden.

Entwickelt wurde das batteriegetriebene Fahrzeug nicht etwa von einem traditionellen Autobauer, sondern gemeinsam mit einem Startup-Unternehmen aus dem Umfeld der Universität RWTH Aachen. Ende 2014 übernahmen die Bonner die kleine Firma. Zuvor waren Anfragen bei Daimler und VW ins Leere gelaufen. Volkswagen-Chef Matthias Müller hatte jüngst jedoch zu erkennen gegeben, dass VW sehr wohl an einer Zusammenarbeit mit der Post interessiert wäre.

(Reuters)